EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

v.l.n.r.: Frank Gwosdz, Serein Pfeiffer, Daniel Renner

v.l.n.r.: Frank Gwosdz, Serein Pfeiffer, Daniel Renner

Quelle: Foto: Artificial Technology GmbH

"Die Veranstaltungen, die Gespräche ebenso wie die Kontakte sind so unglaublich hilfreich – da gibt es nichts Besseres."

Interview mit Frank Gwosdz, Artificial Technology GmbH

Kurzinfo

Artificial Technology GmbH
Frank Gwosdz
Serein Pfeiffer
Daniel Renner
Gründungsjahr: 2007
www.artificial-technology.com

Herr Gowsdz, mit welcher Geschäftsidee haben Sie und Ihre Partner sich selbständig gemacht?

Gwosdz: Wir entwickeln und vertreiben eine Software für emotionale und künstliche Intelligenz für Computer- und Videospiele. Mit EKI One bieten wir Entwicklern, Gamedesignern, Programmierern und Scriptern eine so genannte Middleware, die den Entwicklungsaufwand drastisch reduziert. Bisher war das Schreiben von Scripten ein gängiges Mittel, um das Verhalten von Charakteren zu definieren, also wie sich die Figur von A nach B bewegt oder wie sie auf akustische Signale oder Angriffe in der virtuellen Welt reagiert. Der Aufwand für ein solches Script steigert sich jedoch drastisch mit der vermehrten Anzahl computergesteuerter Charaktere. Er würde aber durch unsere Software zukünftig wesentlich reduziert werden, weil die Steuerung dieser virtuellen Figuren zu großen Teilen automatisiert erfolgt.

Sie haben offensichtlich einen Faible für Computerspiele?

Gwosdz: Ja klar. Zunächst einmal sind wir alle mit Computer- und Videospielen aufgewachsen und haben dadurch sehr viel praktische Erfahrung mit Computer- und Videospielen. Wir haben gesehen, wie sich die Spiele- bzw. die Unterhaltungsindustrie über die Jahre entwickelt hat und können dadurch einschätzen „wohin die Reise geht“. Darüber hinaus haben wir durch unser Informatikstudium einen fundierten theoretischen Hintergrund. Wir können also bei jedem Spiel auch „hinter die Kulissen“ schauen.

Bevor Sie im September 2007 die Artificial Technology GmbH gegründet haben, haben Sie EXIST-SEED in Anspruch genommen. Warum?

Gwosdz: Wir haben bereits im Jahr 2005 damit begonnen, unsere Vorstellungen von künstlicher Intelligenz in Computer- und Videospielen umzusetzen und unsere Idee dann nach und nach zu einer Geschäftsidee auszubauen. Über das Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE), das hier an der Hochschule München (vormals: Fachhochschule München) Gründungsberatung anbietet, haben wir dann von EXIST-SEED erfahren. Damit und mit der darauf folgenden Anschlussfinanzierung durch FLÜGGE, einem Programm des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, standen uns ausreichend Zeit und Mittel zur Verfügung, um an unserer Idee und unserem Businessplan zu feilen. Die Räume und die fachliche Betreuung wurden uns von der Hochschule zur Verfügung gestellt.

Wie hat Ihnen EXIST-SEED geholfen?

Gwosdz: Zum einen konnten wir von Juni 2006 bis Juli 2007 unseren Lebensunterhalt über EXIST-SEED sichern. Darüber hinaus standen uns 20.000 Euro für Sachmittel zur Verfügung, die wir u.a. in leistungsfähigere PCs und eine Reise zur Game Developers Conference in London und dem London Games Summit 2006 investiert haben. Dies hat uns sehr geholfen.

Neben der finanziellen Unterstützung hatten aber auch die EXIST-SEED-Treffen, organisiert von unserem Ansprechpartner Christoph Zinser hier in München, ebenso wie das SCE großen Anteil daran, wie sich unser Vorhaben entwickelt hat. Auf diesen Veranstaltungen konnten wir uns viel unternehmerisches Wissen aneignen und uns mit vielen anderen Jungunternehmern austauschen. Darüber hinaus haben wir dort auch unseren Coach kennen gelernt, der uns nach wie vor zur Seite steht und auf den wir nicht so schnell verzichten möchten.

Also rückblickend muss ich sagen, dass wir sehr froh darüber sind, dass es eine solche Förderung wie EXIST-SEED bzw. EXIST-Gründerstipendium und Flügge gibt. Das bringt sehr viel, gerade wenn man noch ganz am Anfang steht.

Sie sind alle drei Informatiker. Wie haben Sie für das notwendige kaufmännische Know-how gesorgt?

Gwosdz: Durch die Arbeit am Businessplan muss man sich ja unweigerlich mit kaufmännischen Fragen auseinandersetzen. Und da haben wir uns natürlich Hilfe geholt und Veranstaltungen besucht. Zunächst einmal hier an der Hochschule und beim Strascheg Center for Entrepreneurship. Beide bieten Veranstaltungen für Unternehmensgründerinnen und -gründer an. Dann haben wir auch viel gelesen und mit Unternehmern gesprochen. Wir haben uns halt jeden Tag etwas weiter an unsere Unternehmensgründung heran gepirscht.

Dann gab es auch die Angebote des Münchener Business Plan Wettbewerbs. Das würde ich ohnehin jeder Gründerin und jedem Gründer empfehlen, sich an mindestens einem Businessplanwettbewerb zu beteiligen. Die Veranstaltungen, die Gespräche ebenso wie die Kontakte sind so unglaublich hilfreich – da gibt es nichts Besseres. Außerdem gewinnt das eigene Vorhaben an Struktur. Man sieht ja als Gründer oft den Wald vor lauter Bäumen nicht und so ein Wettbewerb zeigt einem, wo es lang geht.

Also: Alles in allem haben wir durch unsere intensive Vorbereitung so viel kaufmännisches Wissen erworben, dass wir unsere Kapitalgeber offensichtlich davon überzeugen konnten. Unsere Finanzierung durch den High-Tech Gründerfonds, die Bayern Kapital GmbH und die Falk Strascheg Holding steht jedenfalls mittlerweile.

Sie haben zu dritt gegründet. Offensichtlich kommen Sie immer noch gut miteinander aus.

Gwosdz: Wenn man gemeinsam ein Unternehmen gründet, ist es durchaus sinnvoll, wenn man sich schon eine Weile kennt und die Stärken und Schwächen des anderen zu nehmen weiß. Man muss einfach wissen, wie der andere tickt und Probleme offen ansprechen können. Das funktioniert bei uns.

Uns war auch ziemlich schnell klar, dass nicht jeder alles machen kann. Das wäre eine Verschwendung von Zeit und Kompetenz gewesen. Wir haben uns also aufgeteilt. Ich konzentriere mich auf den kaufmännischen Bereich und habe die Geschäftsführung übernommen. Serein Pfeiffer ist unser technischer Leiter und wird von Daniel Renner, der im Moment noch sein Masterstudium bestreitet, tatkräftig unterstützt.

Was würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen?

Gwosdz: Dass man sich nicht entmutigen lässt. Eine Unternehmensgründung ist wie eine Achterbahnfahrt, da muss man mit vielen Talfahrten rechnen. Aber es geht dann irgendwann auch wieder aufwärts. Wichtig ist, dass man von seinem Produkt überzeugt ist. Das muss man sich bestätigen lassen von Fachleuten der jeweiligen Branche und im besten Fall direkt von potenziellen Kunden. Mit einer solchen Expertise in der Hand habe ich gegenüber Kapitalgebern ein gänzlich verbesserte Ausgangsposition. In dem Zusammenhang ist auch die Teilnahme an Wettbewerben wichtig. Nicht nur was die inhaltliche Vorbereitung betrifft. Wir haben beispielsweise beim Münchener Businessplan Wettbewerb, beim Gründerwettbewerb Multimedia und beim Hamburg@work - Games Award Preise gewonnen. Das sind Auszeichnungen, die nicht nur dem eigenen Selbstbewusstsein gut tun und den Firmengeldbeutel füllen, sondern auch eine wichtige Außenwirkung in Richtung Kapitalgeber haben.

Was allerdings jedem Gründer klar sein sollte, ist der Arbeitsaufwand: Ein Unternehmen aufzubauen erfordert mindestens eine sechs-Tage-Woche und eben keine fünf-Tage-Woche. Das ist nicht nur für die Gründer selbst, sondern auch für deren Freundinnen und Freunde nicht einfach. Privat- und Geschäftsleben gehen da in einander über. Das lässt sich nicht vermeiden und sollte daher allen Beteiligten bewusst sein.