
v.l.n.r. Christoph Hornung, Sebastian Mansow-Model, Viktor Neugebauer (nicht mehr im Unternehmen), Alexander Brandt
"Wichtig ist der Aufbau eines Businessnetzwerks. Mindestens genauso wichtig ist aber auch die frühestmögliche Orientierung an der Praxis bzw. am Kunden."
Interview mit Christoph Hornung.
KURZINFO
Mediber GmbH
Alexander Brandt
Christoph Hornung
Sebastian Mansow-Model
www.mediber.de
Gründungsjahr: 2007
Herr Hornung, Mediber hat eine Software entwickelt, die Ärzten und Pflegern das Leben erleichtern soll. Was steckt dahinter?
Hornung:
Unser Gesundheitssystem stellt sehr hohe Anforderungen an die Dokumentation medizinischer Leistungen. Die Folge ist, dass Ärzte und Pfleger immer mehr Zeit in die detaillierte Datenerfassung und Beschreibung von Behandlungsverläufen investieren müssen. Wir haben daher eine Software entwickelt, die Ärzte und Pfleger bei ihren Dokumentationspflichten entlastet. Das besondere daran ist, dass sie sich jeder Behandlungsform individuell anpasst und den weiteren Dokumentationsverlauf prognostiziert. Die Software analysiert ständig die aktuelle Eingabesituation mit Methoden der künstlichen Intelligenz und passt die Benutzeroberfläche flexibel daran an. Mit Hilfe dieser intelligenten Dokumentationsmasken findet der Benutzer immer exakt die Elemente vor, die zur Dokumentation gerade benötigt werden. Unübersichtliche und schwer verständliche Formulare gehören damit der Vergangenheit an. Gleichzeitig bleibt die Bedeutung der eingegebenen Daten erhalten und sie können sofort für alle nachgelagerten administrativen Prozesse verwendet werden. Im Ergebnis entfällt die alltägliche Mehrfachdokumentation und die vollständige Abrechnung aller Leistungen wird sichergestellt.
Wie kam es zu dieser Idee?
Hornung:
Der Impuls für die Idee kam im Jahr 2004. Damals war Alexander Brandt auf einen Ideenwettbewerb von Microsoft aufmerksam geworden: "Tablet PC Student Challenge" suchte nach neuen Eingabemöglichkeiten für mobile Notebooks im Gesundheitssystem. Als Mediziner, der damals an der Charité in Berlin beschäftigt war, kannte Alexander Brandt die Problematik der aufwendigen Dokumentationspflichten sehr gut. Zugleich reizte es ihn, hier nach technischen Optimierungsmöglichkeiten zu suchen, so dass er sich an dem Wettbewerb beteiligen wollte. Das notwendige Know-how in Sachen Mathematik und Informatik fand er bei Sebastian Mansow-Model, den er über private Kontakte kennen gelernt hatte.
Die Kombination aus medizinischer und mathematischer Kompetenz hat sich offensichtlich bewährt.
Hornung:
Ja, die Ideen, die die beiden präsentierten, kamen gut an, so dass ihnen im nächsten Schritt von Microsoft eine Tiefenförderung im Rahmen der Initiative "unternimm was!" angeboten wurde. Damit bekam das junge Entwicklerteam Zugang zu den Softwarelizenzen "Empower Programm" über das sie fast sämtliche MS-Software sehr günstig nutzen durften. Darüber hinaus erhielten Sie Ansprechpartner bei Microsoft mit denen sie bzw. wir bis heute in Kontakt stehen.
In dieser Zeit kristallisierte sich dann immer deutlicher heraus, dass Alexander Brandt und Sebastian Mansow-Model an einer Idee arbeiteten, deren Ergebnis sich durchaus vermarkten ließ. Was erst einmal aus Spaß am Entwickeln und Tüfteln begann, entpuppte sich als Erfolg versprechende Gründungsidee. Bestätigt durch die positiven Feedbacks aus dem Businessplanwettbewerb Berlin-Brandenburg und dem Dortmunder Wettbewerb start2grow, fiel dann die Entscheidung: Das Gründungsteam wurde auf eine solide Basis gestellt. Im Jahr 2005 kam ich hinzu. Ich bin, wie Sebastian Mansow-Model, Mathematiker und Informatiker. Beide hatten gerade ihr Diplom der TU Berlin in der Tasche, aber noch keine Festanstellung. Sie hatten daher, anders als Alexander Brandt, der an der an der Charité in Vollzeit beschäftigt war, ausreichend Zeit, um sich um die Gründungsvorbereitungen zu kümmern. Abgesehen davon, befand sich das ganze Vorhaben ja noch in der Entwicklungsphase. Wer also einen Job hatte, setzte ihn nicht einfach aufs Spiel. Das galt auch für mich. Ich war damals bei einem Telekommunikationsunternehmen beschäftigt und übernahm den kaufmännischen Part im Gründungsteam. Allerdings eben auch erst einmal nur mit "halber Kraft".
Einer von Ihnen waren also in "Lohn und Brot", aber wie konnten sich die anderen beiden "über Wasser halten"?
Hornung:
Dass Sebastian Mansow-Model und ich sich fulltime in die Gründungsvorbereitungen stürzen konnten, war vor allem der Förderung durch EXIST-SEED zu verdanken. Damit konnte notwendige Hardware gekauft und Kongressreisen finanziert werden. Räumlichkeiten wurden im Rahmen der Förderung von der TU Berlin zur Verfügung gestellt. Vor allem aber konnten die beiden damit ihren Lebensunterhalt sichern, so dass sie sich von September 2005 bis September 2006 voll und ganz auf die Weiterentwicklung der Geschäftsidee und die Gründung konzentrieren konnten. Viel Unterstützung erhielten wir dabei auch von Professor Friesdorf vom Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft und Produktergonomie an der TU Berlin, der uns mit Kontakten aus seinem weit verzweigten Netzwerk zur Verfügung stand.
Eine Anschlussfinanzierung erhielten Sebastian Mansow-Model und ich nach Ablauf der EXIST-SEED-Förderung über das TFH-Gründerstipendium der Technischen Fachhochschule in Berlin. Somit war für ein weiteres Jahr der Lebensunterhalt für uns beide gesichert, genau genommen bis Herbst 2007. Und dann, Ende 2007, gründeten wir schließlich die Mediber GmbH. Allerdings erst nachdem wir die Finanzierungszusage vom High-Tech Gründerfonds erhalten hatten.
Das hört sich an, als wenn alles ganz reibungslos verlaufen wäre. Hatten Sie nicht auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen?
Hornung:
Doch, natürlich! Eine große Hürde war beispielsweise die Finanzierung. Die Entwicklung unserer Software ist mit einem sehr hohen Finanzierungsaufwand verbunden, nicht zuletzt deshalb, weil wir eine lange Vorlaufzeit für Entwicklungs- und Testphasen benötigen. Wir haben daher versucht, möglichst alle Fördertöpfe und Wettbewerbsgelder zu nutzen. EXIST und der High-Tech Gründerfonds sind hier zweifellos ganz wichtige Instrumente gewesen.
Eine weitere Hürde ist der Gesundheitsmarkt, der mit hohen Eintrittshürden verbunden ist. Beispielsweise benötigt die Einführung neuer Produkte in Kliniken sehr lange Entscheidungszeiten. Das wiederum hat zur Folge, dass Unternehmen ihre Erfolgsaussichten und Beständigkeit am Markt deutlich machen müssen. Entscheider setzen auf mehrjährige Geschäftsbeziehungen. "Wackelkandidaten" haben da keine Chance. Wer im Gesundheitsmarkt Fuß fassen will braucht also einen langen Atem. Entsprechend zurückhaltend sind dann allerdings auch Investoren. Wir hatten Glück. Über die Business Angels haben wir Kontakt zu einem mittelständischen Unternehmer aus der Gesundheitsbranche bekommen. Er hat sich nicht nur an unserem Vorhaben finanziell beteiligt, sondern unterstützt uns außerdem mit Rat und Tat sowie hilfreichen Branchenkontakten. Mit Rat und Tat stehen uns übrigens auch Coaches des Technologie Coaching Centers der Investitionsbank Berlin zur Seite.
Was würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen?
Hornung:
Wichtig ist der Aufbau eines Businessnetzwerks. Wir wären sicherlich nicht so weit gekommen, wenn wir uns nicht so intensiv um Kontakte gekümmert hätten. Angefangen bei Familie und Freunden über die Hochschulen oder auch Xing bis hin zu Gründertreffs wie dem Gründermarkt beim Forum Kiedrich und nicht zu vergessen natürlich die hilfreichen Businessplanwettbewerbe.
Mindestens genauso wichtig ist aber auch die frühestmögliche Orientierung an der Praxis bzw. am Kunden. Wir kooperieren zum Beispiel mit dem Marienhospital in Wesel und lassen unsere Software dort von Ärzten und Pflegern testen. Wenn unser Produkt wirklich erfolgreich sein soll am Markt, muss es auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten sein. Wir achten daher sehr auf das Feedback unserer "Testnutzer" und berücksichtigen deren Wünsche in der Produktentwicklung. Wenn wir im Herbst mit unserem Produkt auf den Markt kommen, können wir daher ziemlich sicher sein, dass es absolut praxistauglich ist.


Gründungsbeispiele