EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

ConExArt

Tobias Fischer, Melanie Dropmann

"Als junger Unternehmer lebt man nicht in Saus und Braus, da muss man einfach auf ‚dem Teppich bleiben’ und sehen, dass die Liquidität stimmt."

Interview mit Tobias Fischer und Melanie Dropmann.

Kurzinfo

ConExArt – Dropmann & Fischer GbR
Melanie Dropmann
Tobias Fischer
www.conexart.de
Gründungsjahr: Juni 2007

Frau Dropmann, Herr Fischer, Sie sind ausgebildete Tischler und diplomierte Holzrestauratoren. Da denkt man nicht unbedingt an eine innovative Unternehmensgründung.

Fischer: Dann lassen Sie sich überraschen. Es stimmt, wir haben an der Fachhochschule Köln Holzrestaurierung studiert und haben uns im vergangenen Jahr selbständig gemacht. Wir restaurieren also Holzobjekte und bieten unter anderem ein so genanntes Schädlingsmonitoring an. Das heißt, wir untersuchen Holz auf Schädlinge und zeichnen die Schäden auf. So weit so gut. Nun haben wir allerdings auch eine spezielle Lampe entwickelt, die die Arbeit von Restauratoren erheblich erleichtert. Und damit sind wir beim innovativen Teil unserer Gründungsidee.

Was hat es mit dieser Lampe auf sich?

Dropmann: Die Idee entstand bei einer Semesterarbeit. Wir sollten untersuchen, ob man mit Hilfe von modifizierten Haftklebstoffen eine Schellackoberfläche auf kontrollierte Weise dünnen, also in einzelnen Schichten abnehmen kann. Die verwendeten Haftklebstoffe mussten mit Blaulicht gehärtet werden. Eine solche Blaulicht-Lampe gab es allerdings nicht. Also haben wir eine gebaut, die mit Leuchtstoffröhren funktioniert. Und damit entstand unser „Ur-Prototyp“.

Fischer: Restauratoren verwenden ja häufig verschiedene Lichtquellen, also nicht nur Blaulicht, sondern auch Tageslicht und UV-Licht. Stellen Sie sich vor, ein Restaurator möchte einen Holzaltar in einem dunklen Kirchenraum untersuchen. Dazu benötigt er zunächst Tageslicht, um sich die Oberfläche genau anzusehen. In einem zweiten Schritt setzt er UV-Strahlung ein, um anhand der entstehenden Fluoreszenzen zu erkennen, ob der Altar bereits überarbeitet wurde.

Um eine noch genauere Analyse des Schichtenaufbaus an der Fassung, also den Farbschichten des Altars vorzunehmen, können mit einem Skalpell auch Mikroproben entnommen werden. Diese Proben werden anschließend mit einem Kunstharz in einer Form positioniert. Das Harz wird dann, genauso wie die Klebstoffe, mit Blaulicht ausgehärtet. Die ausgehärteten Förmchen werden angeschliffen und unter dem Mikroskop können die einzelnen Fassungsschichten weiter analysiert werden. Mit Hilfe unserer mobilen Handlampe kann mal also direkt Proben vor Ort nehmen und in Harz einbetten, so dass sie beim Transport nicht mehr zerbrechen können.

Dropmann: Nun hatten wir zwar eine Lampe entwickelt, in die man je nach Bedarf eine Leuchtstoffröhre mit der gewünschten Lichtquelle einsetzen konnte. Aber diese Leuchtstoffröhren mussten eben immer ausgewechselt werden. Das war also etwas umständlich. Mit der LED-Technik wollten wir unseren "Ur-Prototyp" daher zu einer handlichen, mobilen Handlampe weiterentwickeln. Mit den wirklich sehr kleinen LED-Bauteilen konnten wir zwei verschiedene Lichtarten in dem Lampenkorpus integrieren. Es handelt sich um Tageslicht und einen UV-Strahler. Bei dem Tageslicht konnten wir sogar einen Flächenstrahler für Nahuntersuchungen und einen Spot für Entfernungen einbauen. Beide Strahler können einzeln betätigt werden. Das Blaulicht wurde in einer externen Box verbaut und mit Strom von der Handlampe versorgt. Wichtig war uns bei der Entwicklung natürlich auch die Mobilität, daher haben wir uns bereits bei den ersten Planungen für einen Akku als Stromquelle entschieden.


Sie sind keine Techniker. Wie sind Sie vorgegangen?

Fischer: Wir haben technische Partner „ins Boot geholt“. Zunächst haben wir Kontakt zur Fakultät für Informations-, Medien- und Elektrotechnik an der FH Köln aufgenommen. Dort ist das Institut für Angewandte Optik und Elektronik angesiedelt. Wir sind auf Prof. Dr. Welker, dem Leiter des Instituts zugegangen, der von unserer Idee sofort überzeugt war und uns sehr unterstützt hat, indem er beispielsweise Seminararbeiten zu unserem Vorhaben anfertigen ließ. Wir waren bei den Präsentationen der Studenten anwesend und konnten dadurch eine Menge an Informationen mitnehmen.

Über das Hochschulgründernetzwerk Cologne sind wir außerdem mit St@rt Hürth, dem Zentrum für Technologie und Existenzgründung in Hürth, in Kontakt gekommen. Dort haben wir auch unseren Existenzgründungscoach kennen gelernt, der uns während der EXIST-SEED-Phase begleitet hat und uns auch heute noch zur Seite steht. Er war es, der uns dann auch an ein Unternehmen vermittelt hat, das uns bei der technischen Umsetzung unterstützt hat.

Hatten Sie keine Angst, dass Ihre Idee geklaut wird?

Dropmann: Doch natürlich! Wir haben uns daher beraten lassen und Gebrauchsmusterschutz beantragt. Gegenüber anderen Wettbewerbern sollte man die wichtigsten technischen Eigenschaften eines innovativen Produkts aber ohne ohnehin nur verdeckt präsentieren. Mit unseren Technikpartnern haben wir dann außerdem noch eine schriftliche Geheimhaltungsvereinbarung getroffen.

Welche Rolle hat EXIST-SEED für Ihr Vorhaben gespielt?

Fischer: Eine ganz entscheidende, denn ohne EXIST-SEED gäbe es diese Lampe nicht. Unsere Professorin für Restaurierung und Konservierung von Objekten aus Holz und moderne Materialien an der FH Köln, Frau Prof. Dr. Waentig, hatte uns damals über die EXIST-Förderung informiert und uns bei der Antragstellung unterstützt. Wir haben dann noch während unserer Diplomphase Anfang 2006 unsere Ideenskizze eingereicht und im Anschluss an unsere Diplomprüfung EXIST-SEED erhalten. Damit konnten wir direkt mit unserem Businessplan beginnen.

Vor allem aber hätten wir ohne EXIST-SEED die Entwicklung des Prototyps nicht finanzieren können. Und der ist einfach ein absolutes Muss, um den notwendigen Praxisbezug zu haben. Man muss ja wissen, ob die Sache nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der realen Anwendung funktioniert. Das ist nicht nur für einen selbst, sondern natürlich auch für Vertriebspartner, Kapitalgeber und potenzielle Kunden das „A und O“.

Dropmann: Über unseren Coach haben wir dann noch weitere Ansprechpartner kennen gelernt, die uns bei der Weiterentwicklung unserer Idee unterstützt haben. Darüber hinaus haben wir natürlich Existenzgründungsseminare besucht. Im Studium der Restaurierung und Konservierung steht die betriebswirtschaftliche Ausbildung ja nicht im Vordergrund. Insofern waren die Veranstaltungen schon sehr wichtig für uns.

Welche besonderen Hürden mussten Sie während Ihrer Gründungsvorbereitungen nehmen?

Fischer: Zunächst einmal war es gar nicht so einfach, den Markt zu analysieren: Welche LED gibt es? Was ist überhaupt technisch machbar? Welche Lichtleistung ist erforderlich?

Ein weiterer Punkt, den wir etwas unterschätzt hatten, war das Design. Ich meine hier nicht einfach nur die Formgebung, sondern auch die Funktion. Der Ingenieur unseres technischen Partners hatte aber zum Glück einen geeigneten Korpus gefunden, der nicht nur handlich, sondern auch staub- und wasserdicht war. Diesen Korpus gab es bereits auf dem Markt. Insofern waren die Kosten dafür nicht allzu hoch, was besonders in der ersten Umsetzungsphase sehr wichtig war. Das würde ich im Übrigen auch jedem empfehlen, hier das Rad nicht neu zu erfinden. Denn gerade in der Entwicklungsphase muss man sehen, dass man die Kosten niedrig hält.

Was würden Sie außerdem anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen?

Dropmann: Nach unserer Erfahrung braucht es viel Disziplin und viel Zeit, um seine Geschäftsidee umzusetzen. In dieser Phase schrumpft meist auch der Freundeskreis. Darauf muss man sich einstellen.

Und wie schon gesagt: Die Kosten. Die muss man so gering wie möglich halten. Als junger Unternehmer lebt man nicht in Saus und Braus, da muss man einfach auf „dem Teppich bleiben“ und sehen, dass die Liquidität stimmt. Wir überarbeiten zum Beispiel regelmäßig unseren Finanzplan und achten darauf, dass wir nicht in die roten Zahlen abgleiten.

Fischer: Wichtig ist auch die Teilnahme an Veranstaltungen und an einem oder mehreren Businessplanwettbewerben. Wir haben bereits vor der Beantragung von EXIST-SEED an dem Businessplanwettbewerb von "NUK - Neues Unternehmertum Rheinland e.V." in Köln teilgenommen und zählten in der ersten von drei Stufen dieses Wettbewerbs zu den Gewinnern. Das gibt einem noch mehr Kraft und vor allem neue Kontakte. Es gibt so viele gute und kostenlose Veranstaltungen für Existenzgründerinnen und -gründer. Die sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Auch um ein Netzwerk aufzubauen. Dabei muss man sich immer wieder ins Gespräch bringen, der Kontakt entsteht nicht von allein, da muss man etwas für tun. Aber es lohnt sich auf jeden Fall.