
(v.l.n.r.): Prof. Detlef Krahé, Arndt Niepenberg, Carsten Winkler, Markus von Blomberg
"Man sollte sich frühzeitig um die Anschlussfinanzierung kümmern, am besten schon während der Phase der EXIST-Förderung."
Interview mit Arndt Niepenberg.
KURZINFO
WaveScape Technologies GmbH
Arndt Niepenberg
Carsten Winkler
Markus von Blomberg
Prof. Dr. Detlef Krahé
www.wavescape-technologies.com
Gründungsjahr: 2007
Herr Niepenberg, mit welcher Geschäftsidee haben Sie und Ihre Partner sich selbständig gemacht?
Niepenberg: Wir haben ein System zur aktiven Lärmminderung auf Basis der so genannten Active Noise Reduction entwickelt. Damit erzielen wir besonders für tiefe Frequenzen bessere Dämpfungsergebnisse als herkömmliche passive Lärmschutzmaßnahmen.
Nehmen wir ein Beispiel: In Ihrer Wohnung stört Sie das Brummen des Kühlschranks. Wir würden nun unseren WaveGuard aufstellen, der mit einem Lautsprecher und einem oder mehreren Mikrophonen ausgestattet ist. Das Mikrophon nimmt den Schall auf und leitet ihn an eine spezielle Software weiter, die die Schallwellen analysiert. Danach wirft sie Schallwellen durch den Lautsprecher in den Raum zurück. Die Schallwellen heben sich dadurch gegenseitig auf. Und das Brummen ist in dem Fall gar nicht mehr oder kaum noch zu hören.
Ein anderes Beispiel: Straßenlärm ist ja für viele Menschen eine sehr große Lärmbelästigung. Wer an einer stark befahrenen Straße wohnt, kann bei geschlossenem Fenster zumindest schon einmal die hohen Frequenzen ausschließen. Die tiefen Frequenzen lassen sich dann zusätzlich durch Aufstellen unseres WaveGuard dämpfen. In der Regel werden dabei 20 Dezibel, also 90 Prozent der tiefen Frequenzen, gedämpft.
Dasselbe Prinzip gilt auch für größere Bereiche. So können Lärmschutzauflagen beispielsweise in Werkshallen eingehalten werden, wenn passive Maßnahmen wie Schallschutzgehäuse oder Gehörschutz alleine entweder gar nicht oder nur mit extrem hohem Aufwand greifen.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich selbständig zu machen?
Niepenberg: Ich habe meine Diplomarbeit zu diesem Thema im Jahr 2005 bei Professor Detlef Krahé im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik an der Bergischen Universität Wuppertal geschrieben. Professor Krahé arbeitet schon länger an Möglichkeiten der Active Noise Reduction und nach meiner Diplomprüfung habe ich dann erst einmal im Fachbereich als Honorarkraft daran weiter gearbeitet.
Durch die rasanten technischen Fortschritte in der digitalen Signalverarbeitung konnten Active Noise Reduction Systeme zunehmend kleiner und leistungsfähiger werden. Eines Tages kam dann der Zeitpunkt, an dem Professor Krahé und ich entschieden, dass die Technologie reif für den Markteintritt sei. Auf die Idee, sich tatsächlich selbständig damit zu machen, brachte uns eine Infoveranstaltung des bizeps-Netzwerks. Dort wurden auch die Möglichkeiten einer EXIST-SEED-Förderung vorgestellt. Ich habe also den Antrag dafür gestellt und konnte mich anschließend mit voller Kraft meinem Businessplan widmen.
In dieser Zeit kamen dann auch Ihre Mit-Gesellschafter dazu?
Niepenberg: Ja, Carsten Winkler ist, genauso wie ich, Geschäftsführer von WaveScape Technologies. Er ist Diplom-Betriebswirt und ein langjähriger Freund von mir. Insofern waren wir uns sicher, dass wir auch als Gründungsteam gut zusammenarbeiten würden. Durch seine Qualifikation hat er alle kaufmännischen Kapitel unseres Businessplans bearbeitet, so dass Professor Krahé und ich uns auf die technische Weiterentwicklung unseres Produkts konzentrieren konnten. Professor Krahé ist übrigens mittlerweile stiller Teilhaber unseres Unternehmens und steht uns mit seinem fachlichen Rat nach wie vor zur Seite. Neu hinzugekommen ist außerdem Markus von Blomberg, der bei uns unter anderem für die Kontakte zu Industriekunden und Fertigungsfirmen zuständig ist und mit dem wir bereits zuvor sehr erfolgreich zusammengearbeitet haben.
War Ihnen denn von Anfang an klar, wie Ihr Produkt aussehen würde?
Niepenberg: Nein, anfangs war uns das noch gar nicht klar. Die Anwendungsmöglichkeiten für aktive Lärmminderung sind extrem vielfältig, da es in fast allen Bereichen des alltäglichen Lebens ungelöste Lärmprobleme gibt. Wir entschlossen uns daher, ein einfach einzusetzendes Gerät für den Consumermarkt zu konzipieren. Zugleich betätigen wir uns als Dienstleister, indem wir im Auftrag von Industriekunden spezielle Active Noise Reduction Systeme entwickeln.
Welche Gründungshürden mussten Sie nehmen?
Niepenberg: Wir mussten natürlich noch einige technologische Hürden nehmen, um unser Produkt zur Marktreife zu bringen. Aber damit hatten wir gerechnet. Darüber hinaus gab es aber auch unvorhergesehene bürokratische Hürden. Wir hatten zum Beispiel nicht damit gerechnet, dass der Eintrag ins Handelsregister zwei Monate dauern würde.
Was wir zur Zeit klären müssen, ist die Finanzierung, die wir im Anschluss an EXIST-SEED benötigen. Da stehen wir in Verhandlung mit dem High-Tech Gründerfonds und VC-Partnern. Überhaupt sollte man sich frühzeitig um die Anschlussfinanzierung kümmern, am besten schon während der Phase der EXIST-Förderung.
Welche Tipps würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?
Niepenberg: Ich würde auf jeden Fall die Teilnahme an einem Businessplan-Wettbewerb empfehlen. Wir haben damals während der EXIST-SEED-Phase am NUK – Neues Unternehmertum Rheinland e.V. – Businessplan teilgenommen. Der Businessplan wird dabei in einzelnen Phasen erstellt und das Feedback, das man da erhält, ist wirklich hilfreich.
Wichtig ist auch, sich mit anderen Gründerinnen und Gründern auszutauschen. Dafür sind Businessplanwettbewerbe, aber auch Netzwerke, wie das Bizeps-Netzwerk, die besten Türöffner. Überhaupt sollte man Augen und Ohren offen halten. Wir können zum Beispiel jetzt ein halbes Jahr mietfrei im Inkubator des Technologie- und Gründerzentrums Wuppertal Räume nutzen. Dieses Angebot ist Bestandteil des EXIST-III-Projektes und davon erfährt man natürlich nur, wenn man sich in den Gründungs-Netzwerken bewegt und sich austauscht.
Stand: August 2008


Gründungsbeispiele