
Oliver Bunke, Mirko Kisser
"Mit einer guten Idee ist es nicht getan: Man muss wissen, wie man daraus eine markttaugliche Geschäftsidee macht."
Interview mit Mirko Kisser.
KURZINFO
Logocode
Mirko Kisser, Dipl.-Designer
Oliver Bunke, Dipl.-Designer
www.logocode.de
Gründung vorauss.: 2008
Herr Kisser, Sie beschäftigen sich mit LogoCODEs.
Gibt es die im Kino zu sehen?
Kisser: Nein, eher im Supermarkt. Sie kennen doch die Strichcodes bzw. Bar-Codes mit denen Produkte etikettiert werden und die dann, wenn Sie die Produkte kaufen, von den Kassen gescannt werden. Diese Bar-Codes enthalten eine Referenznummer, die über einen Zentralrechner mit dem Preis oder dem Namen des Produktes verknüpft ist. LogoCODEs stellen nun die Weiterentwicklung dieser Bar-Codes dar. Sie besitzen quadratische Felder und können wesentlich mehr Daten speichern. In der Logistikbranche werden sie bereits eingesetzt: Und wir haben uns gefragt, welche weiteren nützlichen Alltagsanwendungen es dafür geben könnte.
Wie könnte denn eine solche Anwendung im Alltag aussehen?
Kisser: Stellen Sie sich vor, Sie lesen eine Konzertankündigung in der Zeitung. Am Ende des Textes steht ein LogoCODE, in dem eine Internetadresse verschlüsselt ist. Unter dieser Internetadresse könnten Sie Karten für das Konzert online reservieren. Anstatt zu Ihrem PC zu gehen und die Internetadresse einzugeben, nehmen Sie einfach ihr Handy, fotografieren bzw. scannen den LogoCODE mit der Kamera Ihres Handys und schon können Sie die Internetseite in Ihrem Handy aufrufen und die Karten bestellen.
Oder nehmen Sie ein anderes Beispiel: In vielen Städten befinden sich an Gebäuden, Skulpturen oder Denkmälern Hinweistafeln mit kurzen Texten. Touristen, die mehr dazu wissen möchten, könnten über den dort angegebenen Code die Internetseite mit ihrem Handy öffnen und weitere Informationen abrufen.
Das heißt, ich brauche ein Handy mit Kamera und Internetzugang?
Kisser: Ja, aber das gehört mittlerweile schon fast zum Standard. Außerdem brauchen Sie dazu auch eine spezielle Software - und die kommt kostenlos von uns. Wir schließen damit zunächst einmal den Medienbruch zwischen Printmedium und mobilem Internetzugang. Außerdem schließen wir den Bruch zwischen Handy und Stand-Computer, indem wir eine Synchronisierung anbieten. Über unseren Server hat jeder Nutzer Zugriff auf die LogoCODEs bzw. Internetseiten, die er mit seinem Handy „angeklickt“ hat. Wer also zum Beispiel in der Bahn unterwegs ist, dort einen interessanten Zeitungsartikel liest und mehr über das Thema erfahren will, scannt mit dem Handy den LogoCODE und ruft die Internetseite, die er damit angeklickt hat, abends an seinem PC zu Hause noch einmal auf.
Die Software bieten Sie kostenlos an. Womit machen Sie Ihren Umsatz?
Kisser: Das ganze funktioniert ähnlich einem Affiliate-Programm. Wenn zum Beispiel ein Unternehmen einen LogoCODE von uns in seiner Werbeanzeige platziert, bekommen wir pro „Handyklick“ oder Kontaktvermittlung eine Vergütung.
Sie sind beide Diplom-Designer, da erwartet man eigentlich nicht, dass Sie sich mit Softwareentwicklung beschäftigen.
Kisser: Wir haben beide nach unserem Design-Studium den Schwerpunkt Webentwicklung gewählt. Da hat man sehr viel mit Programmiersprachen, Plattformen und Softwareentwicklung zu tun. Wir haben aber darüber hinaus auch viel Unterstützung durch Studenten erhalten, die ihre Diplom- oder Bachelorarbeit in Informatik geschrieben haben. Dabei haben wir eng mit der Martin-Luther-Universität Halle und der FH Merseburg zusammen gearbeitet.
Aber keine Sorge, das Design vernachlässigen wir trotzdem nicht. Denn schließlich kann man LogoCODEs ja auch gestalten. Beispiel Werbeanzeigen: Wir gestalten den LogoCODE im Corporate Design des Unternehmens. Beispiel Veranstaltungsankündigung: Die Nummer zur telefonischen Kartenreservierung kodieren wir in einen LogoCODE. Im LogoCODE ist deutlich ein Telefonsymbol erkennbar. Per Klick erscheint diese Nummer im Handydisplay und kann sofort gewählt werden. Beispiel Kurzinformation: Hinter den kurzen Text wird ein LogoCODE gedruckt. Dieser enthält ein Piktogramm für „Information“ – ein kleines „i“. So erfährt jeder, das im LogoCODE weitere Informationen wie Texte, Bilder und Videos abrufbar sind.
Ihr Angebot ist sicher für viele verschiedene Auftraggeber interessant.
Kisser: Ja, wir haben zum Beispiel mit Verlagen gesprochen oder auch mit den Marketingabteilungen von Unternehmen. Für uns kommen verschiedene Auftraggeber in Frage: zum Beispiel Zeitungsverlage, Veranstalter, Unternehmen jeder Branche, Kommunen. Um unsere zukünftigen Kunden besser kennenzulernen und genauer zu erfahren, welchen Kundennutzen wir mit LogoCODEs konkret erreichen können, haben wir Kongresse wie forward2business, MediaLounge, oder auch den Gründerkongress Multimedia besucht. Ins Gespräch sind wir eigentlich immer recht schnell gekommen, denn auf unserer Visitenkarte befindet sich ein LogoCODE. Wir haben natürlich auch viel telefoniert, was nicht immer so ganz einfach ist, wenn man noch keinerlei Kontakt zu dem Unternehmen hat. Besonders hilfreich sind natürlich Netzwerke, regional oder im Internet, über die interessante Kontakte entstehen. Unsere Preise bei Wettbewerben oder dem Innovators Pitch auf der CeBIT haben auch stets für weitere Anfragen gesorgt.
Welche Rolle hat EXIST-SEED bei Ihren Vorbereitungen gespielt?
Kisser: Dass es eine Förderung wie EXIST-SEED überhaupt gibt, habe ich über den Kontakt zum Gründernetzwerk UNIVATIONS erfahren. Die haben uns auch bei der Beantragung tatkräftig unterstützt und jede Menge Seminare, Ringvorlesungen und Akademien angeboten, die wir natürlich ausgiebig genutzt haben, um etwas über Steuern, Recht, Finanzierung und Preisfindung zu erfahren. EXIST-SEED war in dieser Phase ein ganz wichtiger Baustein. Durch die Absicherung des Lebensunterhaltes und die Finanzierung der Reisekosten konnten wir uns intensiv mit der Recherche beschäftigen. Wir haben damals auch ziemlich schnell unseren Businessplan fertig gestellt und an mehreren Wettbewerben, wie beispielsweise beim Businessplanwettbewerb Sachsen-Anhalt teilgenommen, wo wir dann auch gleich den ersten Platz belegt haben. Das würde ich übrigens auch anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen: Die EXIST-Phase nicht nur für die Ausarbeitung des Businessplans, sondern auch für die Teilnahme an Wettbewerben zu nutzen. Dadurch erhält man einfach noch viele wichtige Hinweise, die man in seinen Businessplan noch mit „einbauen“ sollte.
Natürlich gab es auch Hürden: Die Beantragung von EXIST-SEED war zum Beispiel sehr verwaltungsintensiv, aber soweit ich weiß, ist durch das neue EXIST-Gründerstipendium manches einfacher geworden.
Zu guter Letzt: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern, die eine innovative Idee haben, empfehlen?
Kisser: Unbedingt Kontakt zu Gründernetzwerken, Beratungseinrichtungen und anderen Anlaufstellen für Gründer aufnehmen. Das ist ganz wichtig. Mit einer guten Idee ist es ja nicht getan, sondern man muss wissen, wie man daraus eine markttaugliche Geschäftsidee macht. Wie kann ich mit meiner Idee Erträge erwirtschaften? Kann ich davon leben? Ich habe auch festgestellt, dass EXIST noch gar nicht so bekannt ist. Davon erfährt man aber auf jeden Fall, wenn man sich in die Gründungsnetzwerke begibt.


Gründungsbeispiele