EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

v.l.n.r.: Dr. Mario Neugebauer, Falk Hartmann, Dr. Jürgen Anke

v.l.n.r.: Dr. Mario Neugebauer, Falk Hartmann, Dr. Jürgen Anke

"Ich sehe es als großen Vorteil gegenüber EXIST-SEED an, dass man beim EXIST-Gründerstipendium noch während der Förderlaufzeit ein Unternehmen gründen kann."

Interview mit Dr. Jürgen Anke

KURZINFO:

ubigrate GmbH
Dr. Jürgen Anke
Dr. Mario Neugebauer
Falk Hartmann
Sven Jänchen
Mitarbeiter: 2
Gründungsjahr: 2008
www.ubigrate.com

Herr Dr. Anke, Sie und Ihre Kollegen haben eine Software entwickelt. Was ist das Besondere daran?

Dr. Anke: Wir haben eine Integrationssoftware für Geräte entwickelt, die Daten aufzeichnen und an andere Softwareanwendungen übermitteln. Also beispielsweise GPS-Empfänger, Messgeräte oder Industriewaagen. Unsere Software setzt an der Schnittstelle des Gerätes an und überträgt die dort vorliegende Software an eine Softwareanwendung, die zum Beispiel auf einem PC läuft. Ein Beispiel: In einem Warenlager kann automatisch registriert werden, wenn Ware entnommen wird. Die Daten zu Warenart und -menge werden dann durch unsere Software an ein Lagerwirtschaftssystem weitergeleitet, dass bei Unterschreitung von Sollbeständen, eine Neubestellung auslösen kann.

Wir schließen also praktisch die Lücke zwischen dem Gerät und der Software, die die Daten weiterverarbeitet. Die Idee selbst ist zwar nicht neu: In Supermärkten sind die Kassen beispielsweise mit dem Barcodescanner vernetzt. Für Navigationssysteme gibt es ebenfalls ähnliche Verfahren. Bei diesen Systemen handelt es sich jedoch um manuell programmierte Speziallösungen. Der große Vorteil unserer Software besteht hingegen in einer Modularisierung in wieder verwendbare Funktionsbausteine. Damit können wir schnell und einfach unterschiedliche Integrationsprobleme lösen und auch verschiedene Geräte kombinieren. Dank der einfachen Möglichkeit, Module zu einem späteren Zeitpunkt auszutauchen oder hinzuzufügen, ist auch eine optimale Zukunftssicherheit gegeben.

Sie sind zu viert. Wie haben Sie zusammengefunden?

Dr. Anke: Mario Neugebauer, Falk Hartmann und ich haben vor unserer Gründung drei Jahre bei SAP Research, der Forschungsabteilung der SAP AG und an der TU Dresden, zusammen gearbeitet. Es ist natürlich ein großer Vorteil, wenn man bereits vor seiner Unternehmensgründung gemeinsame Arbeitserfahrungen gesammelt hat. Von daher weiß man einfach, wie sich der andere auch in schwierigen Situationen oder unter Stress verhält. Über die gemeinsame Arbeit von Mario Neugebauer und mir ist damals die Idee entstanden, eine Software zu entwickeln, um die Kommunikation zwischen Aufzeichnungsgeräten in Fahrzeugen und der weiteren Datenverarbeitung zu vereinfachen. Und weil wir für die Umsetzung noch einen Softwarespezialisten brauchten, haben wir Falk Hartmann, der bei SAP in einem anderen Projekt arbeitete, gefragt, ob er mit einsteigen will. Nach der Gründung kam noch Sven Jänchen dazu, der als erfahrener Unternehmensberater für unser Marketing und Vertrieb sowie Rechnungswesen verantwortlich ist.

Es ist ein großes Plus, dass wir fachlich so gut aufgestellt sind: Mario Neugebauer ist Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik, Falk Hartmann ist Informatiker und ich bin Wirtschaftsinformatiker. Wir haben alle drei in Informatik promoviert bzw. einer von uns steckt gerade noch in der Endphase der Promotion. Und unser vierter Mann im Bunde, Sven Jänchen, ist Diplom-Kaufmann.

Woher kam der Wunsch sich selbständig zu machen?

Dr. Anke: Ich hatte schon während meiner Abiturzeit ein Einzelunternehmen und habe Software verkauft. Ich finde es einfach sehr attraktiv, beruflich selbständig zu arbeiten. Es hat viele Vorzüge. Meine Mitstreiter, Mario Neugebauer und Falk Hartmann sehen das ähnlich. Und Sven Jänchen ist durch seine Tätigkeit als Unternehmensberater auch schon selbständig gewesen.

Wer hat Ihnen bei Ihren Gründungsvorbereitungen geholfen?

Dr. Anke: Da muss ich an erster Stelle die Mitarbeiter von Dresden exists, der Gründungsinitiative der Dresdner Hochschulen und Forschungseinrichtungen, nennen. Die haben uns wirklich sehr gut unterstützt. Dort haben wir auch vom EXIST-Gründerstipendium erfahren. Wir wussten ja damals gar nichts über das Procedere der Antragstellung, auch nicht, auf was beispielsweise der EXIST-Projektträger Wert legt, welche Punkte wichtig sind.

Als Außenstehender ist man mit solchen Verfahren einfach nicht vertraut. Dresden exists hat uns aber nicht nur bei der Antragstellung, sondern überhaupt bei allen administrativen Fragen unserer Existenzgründung sehr geholfen und uns wichtige Kontakte vermittelt, sei es zu potenziellen Kunden, anderen Gründern oder auch Rechtsanwälten.

Darüber hinaus ist uns auch unser Mentor, Professor Uwe Aßmann, Inhaber des Lehrstuhls für Softwaretechnik, mit Rat und Tat zur Seite gestanden und hat uns wichtige Kontakte auf fachlicher Ebene vermittelt. Auch der Doktorvater von Mario Neugebauer und mir, Professor Klaus Kabitzsch, hat uns unterstützt, indem er uns für die ersten Monate einen Raum an seinem Lehrstuhl bereitgestellt hat.

Sie haben auch an Businessplan-Wettbewerben teilgenommen. Warum?

Dr. Anke: Wir haben uns am Businessplan-Wettbewerb Sachsen futuresax und am Gründungswettbewerb start2grow beteiligt. Vor allem bei start2grow haben wir sehr gut abgeschnitten, was uns natürlich auch bei Verhandlungen mit Kapitalgebern nützlich ist. Was ich bei den Wettbewerben sehr geschätzt habe, war einerseits das Feedback durch die Jury und andererseits der vorgegebene Zeitplan. Dadurch bekam die ganze Vorbereitung eine Struktur, an der man sich orientieren konnte.

Sie erhalten noch das EXIST-Gründerstipendium, haben Ihr Unternehmen aber schon gegründet?

Dr. Anke: Ja, Mario Neugebauer, Falk Hartmann und ich beziehen seit 1. Januar 2008 das EXIST-Gründerstipendium. Ein paar Monate darauf, im Juni, haben wir unsere GmbH gegründet - was übrigens ziemlich aufwändig war. Letztlich hat sich die Mühe aber gelohnt, denn für die Kommunikation mit potenziellen Kunden ist es einfach besser, wenn man als Gesellschafter einer GmbH auftritt und nicht als Hochschulabsolvent oder wissenschaftlicher Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass der eine oder andere Kunde vielleicht schon etwas kaufen möchte. Das ist in der Vor-Gründungsphase, ohne ein Unternehmen zu haben, aber nicht umsetzbar. Ich sehe es daher auch als ganz großen Vorteil gegenüber EXIST-SEED an, dass man beim EXIST-Gründerstipendium noch während der Förderlaufzeit ein Unternehmen gründen kann.

Das EXIST-Gründerstipendium beinhaltet auch ein Coachingbudget. Wofür haben Sie das eingesetzt?

Dr. Anke: Wir haben damit vor allem einen sehr guten Kurs zum Thema „Vertrieb“ finanziert. Die Veranstaltung wurde von einem privaten Unternehmensberater hier in Dresden angeboten und richtete sich speziell an Hersteller technischer und erklärungsbedürftiger Produkte Das ganze fand in einer kleinen Gruppe statt und bot eine optimale Lernatmosphäre.

Welche Tipps können Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Dr. Anke: Man braucht vor allem ein gut aufeinander abgestimmtes Team. Die „Chemie“ muss stimmen und die Leute müssen fachlich zusammenpassen. Allein die Tatsache, dass wir aus verschiedenen Fachrichtungen kommen, wird von Kapitalgebern schon als sehr gut bewertet.

Außerdem sollte man um seine Geschäftsidee nicht so ein Geheimnis machen. In der Regel wollen potenzielle Kunden keine Ideen klauen, sondern sich das Leben erleichtern. Und um ihnen zu zeigen, dass man ihnen dabei helfen kann, muss man seine Idee und sein Produkt ausführlich präsentieren.

Welche nächsten Schritte stehen bei Ihnen auf dem Programm?

Dr. Anke: Bezüglich der Anschlussfinanzierung, sind wir bei einem Kapitalgeber bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen und erwarten in Kürze eine Entscheidung.

Und was die Auftragslage betrifft: Kunden haben wir noch keine, aber wir haben unter insgesamt 35 Teilnehmern weltweit einen Preis gewonnen, der für unsere Akquise sehr wichtig ist: Den Spezialpreis von DHL und T-Systems, der im Rahmen des internationalen Wettbewerbs European Satellite Navigation Competition, kurz: Galileo Masters 2008, vergeben wird. Wir haben dabei ein Verfahren entwickelt, um die Lieferzeiten im Express- und Paketdiensten zu verkürzen und zugleich ein möglichst hohes Maß an Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Der Preis besteht darin, dass wir gemeinsam mit DHL und T-Systems eine praxistaugliche Lösung entwickeln werden.