EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

Peperoni Mobile & Internet Software GmbH

v.l.n.r. Thomas Bühren, Maciej A. Kuszpa, Marcus Ladwig, Kai Dornseiff

"Bei einem interdisziplinärem Team ist es natürlich eine große Herausforderung, eine gemeinsame Sprache zu finden. Die ist ja bei BWLern und Informatikern ganz unterschiedlich."

Interview mit Maciej A. Kuszpa

KURZINFO

Peperoni Mobile & Internet Software GmbH
Gründungsteam:
Maciej A. Kuszpa, Dipl.-Kaufmann
Thomas Bühren, Dipl.-Informatiker
Marcus Ladwig, Dipl.-Informatiker
Kai Dornseiff

Aktuelles Führungsteam:
Maciej A. Kuszpa
Thomas Bühren
EXIST-SEED: 2001-2002
Gründung: November 2001
www.peperoni.de

Herr Kuszpa, Ihr Unternehmen bietet eine Software an, mit der man mit dem Handy Internetseiten bearbeiten kann. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Kuszpa: Das war damals vor acht Jahren. Wir waren noch an der Uni und wollten uns nach unserem Abschluss selbständig machen. Zu diesem Zeitpunkt gab es viele Jungunternehmer im Internet-Geschäft, also mussten wir irgendetwas wirklich Neues in dem Bereich anbieten. Auslöser war dann ein Besuch auf der CeBIT. Nokia präsentierte dort sein erstes internetfähiges Handy. Damit verbunden war eine ganz neue Technologie, die mit dem bisherigen computerbasierten Internetzugang nichts zu tun hatte. Das hat uns auf die Idee gebracht, eine Software zu entwickeln, um damit das mobile Internet auf dem Handy zu bearbeiten: also zum Beispiel Bilder auf der eigenen Internetseite hochladen, Einträge in Blogs einstellen. Das ganze sollte im Prinzip so funktionieren wie es heute bei YouTube oder flickr zu finden ist, nur eben per Handy.

Und wie wollten Sie mit der Idee Geld verdienen?

Kuszpa: Unsere Software sollte auf den Internetseiten der Mobilfunkbetreiber kostenlos angeboten werden. Das heißt, die Mobilfunkbetreiber konnten damit ihren Kunden einen zusätzlichen Service anbieten. Im Gegenzug erwarteten wir von den Mobilfunkbetreibern dafür einen bestimmten Honorarsatz.

Sie wurden während Ihrer Gründungsvorbereitungen auch von der FernUniversität in Hagen unterstützt. War das ein Fernlehrgang?

Kuszpa: Nein, ganz und gar nicht. Wir haben ja damals noch an der Technischen Universität Dortmund studiert: Informatik und Betriebswirtschaft. Zwei von uns haben als studentische Hilfskräfte an der Fernuni gearbeitet. Und wir kommen ja ursprünglich alle aus Hagen und Umgebung. So bot es sich an, dass wir auf dem Campus der Fernuni das Beratungsangebot und die Räumlichkeiten des Technologie- und Gründerzentrums nutzen konnten. Das TGZ wurde unter anderem auch von der Wirtschaftsförderung der Stadt Hagen getragen, so dass wir als Studenten einer externen Uni das Angebot problemlos nutzen konnten. Aber abgesehen davon spielte das für die Fernuni gar keine große Rolle. Dazu muss man wissen, dass zwar an der Hochschule 45.000 Studentinnen und Studenten immatrikuliert sind, aber dass die größtenteils nicht in Hagen leben. Insofern war man in der Uni ganz froh, auch einmal studentische Gründer auf dem Campus zu haben. Und die Unterstützung war wirklich großartig: die Verwaltung und die Pressestelle haben uns sehr geholfen. Wir haben sogar im Rahmen von EXIST-SEED einen Professor als Mentor zur Seite gestellt bekommen. Drei von uns haben damals EXIST-SEED erhalten und ich konnte mich durch meine Doktorandenstelle, die ich im Anschluss an mein Studium in Dortmund erhielt, finanzieren. Aber ich habe natürlich auch von EXIST-SEED profitiert, weil wir unser erstes technisches Equipment darüber finanzieren konnten.

Sie sind derjenige im Team, der Betriebswirtschaft studiert hat. Da muss es doch für Sie eigentlich ganz einfach gewesen sein, ein Unternehmen zu gründen?

Kuszpa: Sagen Sie mal einem BWL-Studenten, dass er ein Unternehmen gründen soll. Da wird es schwierig. Im Studium lernt man nicht, wie man zum Beispiel ein Gründungskonzept schreibt oder wo man sein Unternehmen anmelden muss oder die Umsatzsteuervoranmeldung fürs Finanzamt ausfüllt.

Die Informationen habe ich mir bei den Unternehmertreffen geholt, die von der Wirtschaftsförderung Hagen angeboten wurden. Oder auch bei den Wirtschaftsjunioren, die ja bundesweit organisiert sind. Ich habe mir da jeweils ganz gezielt Informationen gesucht und sehr gute Tipps erhalten.

Sie haben dann im Jahr 2001 die Peperoni GmbH gegründet. Lief denn gleich alles so, wie Sie sich das vorgestellt hatten?

Kuszpa: Nein, nicht so ganz. Die Kundenakquise hat doch länger als erwartet gedauert. EXIST SEED war ja abgelaufen und eine weitere Finanzierung hatten wir nicht vorgesehen. Das heißt, finanziell saßen wir auf dem Trockenen, denn der Umsatz ließ auf sich warten. Wir haben uns also erst einmal keine Gehälter ausgezahlt und hatten Glück, dass uns unsere Familien in den ersten Monaten „durchgefüttert“ haben.

Nach weiteren sechs Monaten hatten wir endlich unseren ersten großen Kunden: o2 Deutschland. Wir haben uns dann einfach auch bei o2 in Großbritannien vorgestellt und waren erstaunt wie schnell wir dort eine Zusage erhielten. Damit hatten wir schon mal eine wichtige Erfahrung gemacht: Je größer das Unternehmen desto länger dauern die Entscheidungsprozesse. Vielleicht sind Unternehmen im Ausland aber auch entscheidungsfreudiger. Wir hatten uns ja zunächst nur auf den deutschen Markt konzentriert und das war schon ziemlich mühsam. Wir hätten uns in der Startphase unseres Unternehmens nicht träumen lassen, dass unser Produkt auch einmal in Indien, Indonesien oder Südafrika eingesetzt werden würde. Heute ist das für uns selbstverständlich, denn das sind genau die Märkte, die für die mobile Internetnutzung interessant sind. Nehmen Sie zum Beispiel Südafrika: Dort wird das Mobilfunksystem zur Zeit im großen Stil ausgebaut. Handys verbreiten sich dort rasant. Viele Menschen dort haben keinen PC und sind deshalb natürlich sehr daran interessiert, über ihr Handy auch ins Internet zukommen. Da ist unsere Software genau die richtige, zumal die Nutzer nicht nur die Technik, sondern auch Inhalte mitgeliefert bekommen. Wir bieten nämlich mit unserer Software auch Internetseiten an, von denen wir wissen, dass sie besonders häufig genutzt werden. In Deutschland dreht sich zum Beispiel alles um Sport, wohingegen man sich in Indien für alles, was in Bollywood passiert, interessiert.

Welche Tipps können Sie Gründerinnen und Gründern geben?

Kuszpa: Eine Gründung im Team würde ich auf jeden Fall empfehlen. Gerade in der Anfangsphase gibt es jede Menge Arbeit und Tiefpunkte. Da tut es schon gut, die Lasten auf mehreren Schultern zu verteilen. Außerdem kann man krank werden oder einen Unfall haben und da sollte der Betrieb trotzdem weiterlaufen.

Bei einem interdisziplinärem Team wie dem unseren, ist es natürlich eine große Herausforderung, eine gemeinsame Sprache zu finden. Die ist ja bei BWLern und Informatikern ganz unterschiedlich. Da sollte man sich darüber bewusst sein. Wir haben da mittlerweile einen gemeinsamen Nenner finden können. Trotzdem gibt es ab und zu immer noch Missverständnisse. Wichtig ist, dass man jederzeit nachfragen kann, ohne dass der andere genervt ist. Dieses gegenseitige Verständnis sollte schon da sein.

Apropos „Verständnis“: Natürlich ist man in so einem Team nicht immer einer Meinung. Das bedeutet, man muss sich auf ein Abstimmungsverhältnis einigen, damit Entscheidungen nicht unnötig blockiert werden. Wir haben vereinbart, dass die Mehrheit entscheidet. Das bedeutet natürlich auch, dass derjenige, der in der Minderheit ist, die Entscheidung auch akzeptiert.

Und schließlich, sollte man gerade in der Startphase viel Geduld mitbringen und realistisch bleiben. Das heißt: Man muss wissen, dass die Kunden nicht von alleine kommen. Da muss man schon einiges für tun.