
Benjamin Fritsch, Emanuel Züger
VIOSO GmbH
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es riskant ist, sich mit einer Technologie selbständig zu machen, die einem nicht gehört.“
Interview mit Emanuel Züger
Kurzinfo
VIOSO GmbH
Benjamin Fritsch, Dipl.-Mediensystemwissenschaftler
Emanuel Züger, Dipl.-Mediensystemwissenschaftler
EXIST-SEED: 2005 bis 2006
Gründung: 2007
www.vioso.com
Herr Züger, mit welcher Geschäftsidee haben Sie und Ihre Partner sich selbständig gemacht? Was ist das Besondere daran?
Züger: Wir vermarkten eine Software, die sich smartprojecting nennt. Mit ihrer Hilfe können Sie Bilder und Filme auf farbige oder unebene Flächen projizieren, ohne dass es zu Verzerrungen oder Farbstörungen kommt. Haus- oder Felswände lassen sich auf diese Weise in eine Südsee- oder Wüstenlandschaft verwandeln. Interessant ist dieses Produkt vor allem für Eventagenturen oder auch Theater.
Entwickelt wurde diese Technologie maßgeblich von Prof. Dr. Oliver Bimber an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar. Er war es auch, der Benjamin Fritsch und mich darin bestärkt hat, diese Technologie zu vermarkten und uns selbständig zu machen, nachdem wir an der Bauhaus-Universität unser Studium im Fach Medieninformatik abgeschlossen hatten.
Züger: Stimmt. Wir hatten bereits im Jahr 2001 ein Dienstleistungsunternehmen im Hightechbereich gegründet, mit dem wir ziemlich erfolgreich waren. Diese Erfahrungen waren ein wichtiger Input für die Gründung der VIOSO GmbH. Außerdem habe ich vor meinem Studium eine Ausbildung als Industriekaufmann absolviert.
Sie haben also genau gewusst, worauf es bei der Gründung und Führung eines Unternehmens ankommt?
Züger: Im Prinzip ja. Aber es ist doch noch einmal etwas anderes, wenn man ein Unternehmen gründet, um eine innovative Technologie zu vermarkten. Die Vorbereitung für eine solche Gründung geht nicht in vier Wochen „über die Bühne“, dafür braucht man mehrere Monate, schon allein um Referenzprodukte zu entwickeln und potenzielle Kunden anzusprechen.
Wir hatten daher Kontakt zu Mitabeitern von neudeli, der Existenzgründungswerkstatt der Bauhaus-Universität, aufgenommen, die uns wirklich sehr gut unterstützt haben. Unter anderem wurde uns ein Coach vermittelt, der dafür gesorgt hat, dass unsere Vorbereitung den notwendigen Feinschliff bekam. Über ihn haben wir auch Zugang zu EXIST-SEED bekommen, so dass wir für die Dauer eines Jahres, von September 2005 bis 2006, genug „Luft“ hatten, um uns auf unsere Unternehmensplanung zu konzentrieren. Hinzu kam, dass die Kosten für das Coaching von der EXIST-Förderung übernommen wurde.
Wie kann man sich dieses Coaching vorstellen?
Züger: Unser Coach war Existenzgründungsberater und von daher inhaltlich sehr breit aufgestellt. In den etwa zehn bis elf Sitzungen haben wir natürlich Fragen zu unserem Businessplan geklärt und Wissenslücken geschlossen. Im Vordergrund haben diese Treffen allerdings dazu gedient, unsere Herangehensweise bzw. unsere Strategie zu klären. Es ging also darum festzustellen, ob die von uns formulierten Themen und Aufgaben tatsächlich entscheidend für die Weiterentwicklung unseres Vorhabens waren. Wobei unser Coach nicht gesagt hat: „Passt auf, lasst das sein. Das klappt so nicht.“ Seine Methode bestand vielmehr darin, die richtigen Fragen zu stellen. Und über die Suche nach Antworten haben wir selber den richtigen Weg gefunden.
Welchen Rat würden Sie Gründerinnen und Gründern geben?
Züger: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es riskant ist, sich mit einer Technologie selbständig zu machen, die einem nicht gehört. Die Lizenzverhandlungen mit dem Patentinhaber – in unserem Fall war das die Bauhaus-Universität – stellten für uns die größte Hürde dar. Zum einen waren die Verhandlungen sehr langwierig, zum anderen hängt auch heute noch von den Konditionen des Lizenzvertrags, also beispielsweise den Gebühren oder der Nutzungsdauer, einfach zu viel ab: vor allem die Startfinanzierung und die Frage, ob man einen Investor für die nächsten Finanzierungsschritte findet. Von daher würde ich persönlich jedem Gründer, der kein eigenes Patent besitzt, empfehlen, eine Technologie bzw. das Patent dafür zu kaufen, auch wenn die Kosten dafür höher sind als für einen Lizenzvertrag. Letztlich sichert man sich dadurch seine unternehmerische Unabhängigkeit.


VIOSO GmbH