EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

Philip Pratt, Krystian Miruchna, Friedrich Deetz - Jakun Media UG (haftungsbeschränkt)

Philip Pratt, Krystian Miruchna, Friedrich Deetz
Jakun Media UG (haftungsbeschränkt)

„Ich habe mich umgesehen, was es so an neuen Ideen und Trends in der Film- und Medienbranche gibt.“

Interview mit Philip Pratt

Kurzinfo:

Jakun Media (UG) haftungsbeschränkt
Philip Pratt, Dipl.-Film- und Fernsehwirtschaftler
Krystian Miruchna, Student der Film- und Fernsehwirtschaften
Friedrich Deetz, Dipl.-Betriebswirt
EXIST-Gründerstipendium: 2008-2009
Gründung: 2008
www.jakun-media.de

Herr Pratt, Ihr Unternehmen, die Jakun Media UG, produziert Webserien und handelt außerdem mit Webserien anderer Anbieter. Was sind Webserien überhaupt?

Pratt: Bei Webserien handelt es sich um kurze Unterhaltungsserien, also das, was jeder auch aus dem Fernsehen kennt. Der Unterschied ist, dass Webserien höchstens 30 Sekunden bis 12 Minuten dauern, ausschließlich über Internet verbreitet werden und jederzeit über Handy oder PC abrufbar sind.

Was die Arbeit von Jakun Media betrifft, gibt es zwei Standbeine: Zum einen produzieren wir Webserien. Produktion heißt, wir machen alles: vom Drehbuch über das Casting der Schauspieler bis zu Regie, Aufnahme und Schnitt.

Zum anderen handeln wir mit Webserien, insbesondere aus den USA. Wir treten damit als Content Aggregator auf und kaufen beispielsweise für unseren Hauptkunden, die Deutsche Telekom AG, ein bestimmtes Volumen an Webserien von Produktionsgesellschaften ein, synchronisieren sie und verkaufen sie dann weiter an die Telekom. Das sind dann z.B. Serien wie The Line, Devils Trade, Sorority Forever, die auf der Telekomplattform www.3min.de (www) zu sehen sind.

Sie setzen damit auf einen ganz neuen Trend. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Pratt: Ich habe ursprünglich Filmproduktion an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam (HFF) studiert und danach Spielfilme produziert, die sogar auf mehreren Filmfestspielen wie der Berlinale ausgezeichnet wurden. Nur leider blieb der kommerzielle Erfolg aus, und insgesamt fand ich, dass der deutsche Spielfilmmarkt nicht besonders vital ist. Da tut sich nichts wirklich Neues. Auf der anderen Seite wollte ich aber auf jeden Fall weiterhin selbständig arbeiten. Also habe ich mich umgesehen, was es so an neuen Ideen und Trends in der Film- und Medienbranche gibt. Und weil hier bekanntermaßen die USA die Nase vorne haben, habe ich intensiv in amerikanischen Internetblogs und Webseiten recherchiert. Das war im Jahr 2007, und damals war in den USA die Nutzung von Werbserien in vollem Gange. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis dieser Trend dann auch nach Europa kommen würde.

Sie haben dann noch zwei Mitstreiter gefunden.

Pratt: Ja, Friedrich Deetz ist ein Schulfreund von mir. Er hat an der Rheinischen Fachhochschule in Köln Betriebswirtschaft studiert. Krystian Miruchna ist Mediengestalter für Digital- und Printmedien und hat außerdem, so wie ich auch, an der HFF studiert. Wir kennen uns also vom Studium und sind mit unseren verschiedenen Qualifikationen gut aufgestellt, weil wir uns ergänzen und alle wichtigen Bereiche abdecken: Recherche, Inhalt und Produktion gehören zu meinen Aufgaben, für Softwareapplikation und -entwicklung ist Krystian Miruchna zuständig und für alle kaufmännischen Fragen ist Friedrich Deetz der Richtige.

Wir haben uns letztes Jahr dann zusammengetan und sind die ganze Sache dann gleich professionell angegangen. Das heißt, wir haben im Internet einen Blog eingerichtet, der beispielsweise auf US-Produktionen, Studien, Internetseiten usw. verlinkt. Wir wollten damit das Thema hier in Deutschland publik machen und das Know-how dazu vorantreiben. In dem Zusammenhang habe ich auch für alle möglichen Fachmedien geschrieben und Vorträge an Filmhochschulen gehalten. Man muss sich einfach klar darüber sein, dass der Markt für mobile Internetnutzung hier in Europa gerade erst am Anfang steht. Aber bereits jetzt gibt es laut einer Studie von TNS-Infratest allein in Deutschland 10 Millionen Nutzer, die übers Handy ins Internet gehen können. Und die erwarten natürlich auch geeignete Angebote.

Darüber hinaus dient der Webauftritt natürlich der Eigenwerbung. Immerhin kam auf diese Weise der Kontakt zur Deutschen Telekom AG zu Stande und hat uns zu unserem ersten größeren Auftrag verholfen.

Erhalten Sie alle drei ein EXIST-Gründerstipendium?

Pratt: Ja, bis September 2009. Damit können wir nicht nur unseren Lebensunterhalt ein Jahr lang sichern, sondern nehmen auch Beratung in Anspruch, die wir sonst nicht bezahlen könnten. Und da würden wir wirklich einiges verpassen, denn sowohl über unseren Anwalt und Steuerberater als auch unseren Unternehmensberater bekommen wir überhaupt erst mit, in welche Fettnäpfchen man als Gründer und Unternehmer treten kann. Insofern können wir dadurch sicherlich viele Fehler vermeiden. Außerdem achtet unser Unternehmensberater darauf, dass wir sehr strukturiert und strategisch an unsere Gründung herangehen und zum Beispiel das erste Jahr genau durchplanen: Mit welchen Risiken müssen wir rechnen? Wie viel Geld brauchen wir privat? Wird das im ersten Jahr erwirtschaftet? Usw.

Das „UG„ bei Jakun Media steht für Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Warum haben Sie sich für diese relativ neue Rechtsform entschieden?

Pratt: Hauptgrund war das geringe Stammkapital. Man braucht ja für die Gründung nur einen Euro, wobei wir mit einem Stammkapital von 2.500 Euro gestartet sind. Das Musterprotokoll, das für die Gründung einer UG zur Verfügung steht und das die Ausarbeitung einer Satzung ersetzt, konnten wir allerdings nicht verwenden, da unser Unternehmen zwei Geschäftsführer hat. Insofern haben wir gemeinsam mit unserem Notar eine individuelle Satzung erstellt. Es ging aber trotzdem alles ganz schnell über die Bühne: Vom ersten Notartermin bis zur Eintragung im Handelsregister dauerte es gerade mal zwei Wochen.

Welche Tipps würden Sie Gründerinnen und Gründern geben?

Pratt: Wir merken immer wieder, dass es gar nicht so einfach ist, Kontakt zu werbetreibenden Unternehmen herzustellen. Da sollte man sich frühzeitig um ein Netzwerk und die richtigen Kontakte kümmern. Ansonsten kann ich jedem nur den Tipp geben, seine Idee immer wieder zu überdenken und das Geschäftskonzept anzupassen. Man muss flexibel sein und alle neuen Möglichkeiten nutzen.