EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

Georg Puchner, Niklas Bichinger, Carsten Kisslat, VIT GAMES GbR

Carsten Kisslat, Niklas Bichinger, Georg Puchner
VIT GAMES GbR

"Nur wer den Markt kennt, weiß, ob seine Idee
tragfähig ist."


Interview mit Georg Puchner

KURZINFO:

VIT GAMES Gb
Georg Puchner, Dipl.-Sportökonom
Niklas Bichinger, Software Entwickler
Carsten Kisslat, Spiele-Designer und -produzent
EXIST-Gründerstipendium: 2008-2009
Gründung: 2008
www.vit-games.com

Herr Puchner, Ihr Unternehmen heißt VIT GAMES. Was steckt hinter dem Namen?

Puchner: VIT steht für Virtual Item Trading, also den Handel mit Gütern, die ausschließlich in der virtuellen Welt des Internets nutzbar sind. Das Spielen und der Handel mit solchen virtuellen Gütern gewinnt nicht zuletzt aufgrund der steigenden Attraktivität virtueller Spielewelten zunehmend an Bedeutung. VIT Games wird sich als Games-Studio und Technologiedienstleister auf die Entwicklung von virtuellen Spielen spezialisieren, die sich an dem Sammelkarten-Spielprinzip orientieren. Wir werden diese Spiele für Mobiltelefone, (mobile) Spielekonsolen und PCs entwickeln. Zur Zeit sind wir aber vor allem noch damit beschäftigt, eine Technologieplattform für die verschiedenen Endgeräte zu aufzubauen.

Erklären Sie doch bitte, was Sie unter virtuellen Sammelkarten verstehen.

Puchner: Nehmen wir einmal ein Beispiel aus der „realen“ Welt: Sie kennen doch sicher die Sammelkarten mit Fußballspielerporträts, die es im Set am Kiosk zu kaufen gibt. Da gibt es eine richtige Sammlergemeinde, die diese Sets kauft, mit anderen Sammlern einzelne Karten tauscht, spielt und in Alben klebt. Bis so ein Album voll ist, können mehrere Monate vergehen. Sehr bekannte Spiele sind auch Yo-Gi-OH oder Magic: The Gathering. Sie sind, was die spielerischen Anforderungen angeht, allerdings etwas anspruchsvoller als die Sammelkarten am Kiosk.

Leidenschaftliche Spieler beschäftigen sich nicht selten bis zu zehn Jahre mit solchen Sammelkartenspielen. Virtuelle Sammelkarten bzw. Trading Card Games funktionieren nach einem ganz ähnlichen Prinzip, nur dass man sie nicht am Kiosk kauft, sondern im Internet herunterladen kann. Auch das Geschäftsmodell ist identisch: der Verkauf von möglichst vielen „Item“ Päckchen über einen längeren Zeitraum.

Wer würde zu Ihren Kunden gehören?

Puchner: Zu unserer Zielgruppe gehören Unternehmen, die attraktive Online-Anwendungen zur Neukundengewinnung und Kundenbindung suchen. Nehmen Sie ein Medienunternehmen, einen privaten Fernsehsender, der eine bekannte Soap produziert. Um diese Soap breiter zu vermarkten, und um die Zuschauer an den Sender zu binden, könnte er auf seiner Internetseite Sammelkarten mit den Hauptdarstellern anbieten, die der Nutzer auf sein Handy oder seinen PC herunterladen kann. Außerdem kann er eine Plattform auf seiner Seite bieten, um das Spielen mit diesen Sammelkarten zu ermöglichen.

Sie sprechen von „wir“. Wer sind Ihre Mitstreiter und wie sind Sie auf die Geschäftsidee gekommen?

Puchner: Ich habe im Rahmen meiner Promotion zum Thema „Customer Relationship Marketing“, zu deutsch: „Kundenbindungsmarketing“, bei Nokia Siemens in München gearbeitet. Dort war ich Leiter eines Projektes, das sich mit der Produktion und Vermarktung von Trading Cards für die mobile Handyanwendung beschäftigt hat und habe Niklas Bichinger und Carsten Kisslat kennen gelernt. Als dann klar war, dass Nokia Siemens das Projekt nicht weiter betreibt, haben wir uns überlegt, die Idee zu einer Geschäftsidee weiterzuentwickeln und eine eigene Anwendertechnologie dafür zu schaffen.

Sie sind Sportökonom, da denkt man nicht gerade an Softwareentwicklung.

Puchner: Stimmt, das ist auch nicht mein Bereich. Wir haben eine klare Arbeitsteilung: Niklas Bichinger ist für die Softwareentwicklung zuständig, Carsten Kisslat ist unser Producer und Gestalter, und ich bin die treibende Kraft und kümmere mich ums Marketing und alle kaufmännischen Angelegenheiten.

Sie bekommen seit September 2008 das EXIST-Gründerstipendium. Wie weit sind Sie mit Ihren Gründungsvorbereitungen?

Puchner: Ja, ich habe im vergangenen Jahr über die Existenzgründerwerkstatt neudeli der Bauhaus-Universität Weimar den Antrag für das EXIST-Gründerstipendium gestellt und habe die Zeit vor allem dazu genutzt, umfangreiche Marktrecherchen durchzuführen und mit potenziellen Kunden zu sprechen. Die Betreuung durch neudeli war dabei sehr hilfreich, nicht zuletzt um die Realisierbarkeit des Geschäftsmodells und den Finanzierungsplan zu prüfen. Es gibt ja immer wieder Fragestellungen, an die man als Gründer erst einmal gar nicht denkt. Von daher ist es gut, Profis zur Seite zu haben, die wissen, worauf es ankommt.

Zusätzlich zu der Betreuung durch neudeli konnte ich dank der Unterstützung im Rahmen des EXIST-Gründerstipendiums auch ein Ein-Tages-Seminar zum Thema „Unternehmerpersönlichkeit“ bei der Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International besuchen. Dabei wurden mir noch einmal deutlich meine Stärken und Schwächen bei Verhandlungsgesprächen oder Präsentationen vor Augen geführt. Das hat mich letztlich ein ganzes Stück weitergebracht.

Alles in allem sind wir jetzt in der Endphase des Businessplans und stehen derzeit vor der Herausforderung einen Investor zu finden. Wir wollen die Basistechnologie zur Anwendung von Trading Cards möglichst schnell, also innerhalb von sechs bis zehn Monaten, entwickeln. Dafür brauchen wir drei bis vier Programmierer, so dass allein die Personalkosten dafür ziemlich hoch sind. Bei einem so hohen Investment wollen potenzielle Kapitalgeber aber bereits wissen, welche Kunden verbindliches Kaufinteresse signalisiert haben. Am besten sollten bereits Verträge vorliegen. Andererseits sagen die Kunden natürlich, so lange wir uns die Sache nicht „live“ ansehen können, können wir auch keinen Auftrag erteilen. Das ist ein ziemliches Dilemma. Aber wir erhalten auch hier gute Unterstützung durch das Netzwerk von neudeli und hoffen, das Problem bald zu lösen.

Welchen Tipp würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?

Puchner: Wenn man eine Idee hat, sollte man gleich zu Beginn auch den Markt dafür eruieren. Nur wer den Markt kennt, weiß, ob seine Idee tragfähig ist. Wer sich frühzeitig um die Entwicklung eines Prototypen und um Pilotkunden kümmert, erleichtert sich damit auf alle Fälle den Marktzugang.

Und schließlich sollte man sich nicht so schnell durch Rückschläge oder Zweifler aus dem Konzept bringen lassen, sondern sein Ziel konsequent verfolgen. Allerdings ohne die eigene Existenz durch zu hohe Schulden zu gefährden. Man sollte also auch immer wissen, wann der Punkt erreicht ist, aufzuhören.