EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

Dirk Brunner, Adriana Brunner<br/>secumem GmbH

Dirk Brunner, Adriana Brunner

„Man muss in der Konzeptionsphase auch bereit sein, die Richtung zu ändern.“

Interview mit Dirk Brunner

KURZINFO:

secumem GmbH
Dirk Brunner
Adriana Brunner
EXIST-SEED: 2007
Gründung: 2007
www.secumem.eu

Herr Brunner, was verbirgt sich hinter dem Namen „Threx“?

Dirk Brunner: Bei Threx handelt es sich um ein neuartiges Datensicherungssystem, das aus zwei Festplatten besteht. Sie befinden sich in einem kleinen Tresor und starten automatisch Backups, kopieren und kontrollieren sie und legen sie sicher ab. Man kann Threx auch als „unfallgeschützten Datenspeicher“ bezeichnen, denn der Tresor ist massiv, wiegt 90 Kilogramm, lässt sich im Boden verankern und ist nur mit einem Sicherheitsschlüssel zu öffnen. Die Daten werden über eine Hochgeschwindigkeits-Computerschnittstelle übermittelt und sind sofort gegen Umwelteinflüsse, auch gegen Brand, geschützt.

Und worin besteht der Vorteil zu bisherigen Sicherungssystemen?

Dirk Brunner: Bisher gab es für kleine und mittelständische Unternehmen hauptsächlich zwei Möglichkeiten der Datensicherung: entweder online bei einem externen Server oder auf einem Datenträger wie einer DVD. Eine Online-Sicherung hat den Nachteil, dass man seine Daten an einen Dritten übergibt. Davor schrecken viele Unternehmer zurück. Zudem dauert die Sicherung verhältnismäßig lange, hinzu kommen weitere verschiedene Schwachstellen und hohe Kosten. Bei einem mobilen Datenträger besteht die Gefahr, dass er beschädigt wird oder der Mitarbeiter, der mit der regelmäßigen Sicherung beauftragt ist, die Daten nicht zuverlässig sichert oder gar an die Konkurrenz weiter gibt. Unser System befindet sich dagegen an einem sicheren Ort im Unternehmen.

Warum haben Sie sich so intensiv mit Datensicherung beschäftigt?

Dirk Brunner: Eigentlich aus Unzufriedenheit darüber, dass es nichts geeignetes in dem Bereich gab. Meine Frau und ich hatten bereits vor einigen Jahren ein eigenes Unternehmen, das Kleinmotoren für Spielzeuge hergestellt hat. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als wir das Unternehmen verkauft hatten, ging eine Festplatte mit Unternehmensdaten kaputt – und unsere letzte Speicherung lag drei Tage zurück. Wir mussten also sämtliche Daten von drei Tagen nachtragen, was nicht nur sehr mühsam und zeitaufwändig war, sondern auch viele Fehlerquellen beinhaltete. Damit uns so etwas nicht noch einmal passiert, haben wir auf dem Markt nach einer passenden Lösung gesucht, aber nichts gefunden. Und da ich nicht nur Mikrosystemtechniker bin, sondern Mathematik und Physik außerdem meine Hobbys sind, habe ich einfach selbst überlegt, wie eine Lösung aussehen könnte.

Sie haben sich aber dann nicht gleich wieder selbständig gemacht?

Dirk Brunner: Nein, ich habe erst einmal als Angestellter gearbeitet, und meine Frau – sie ist Betriebswirtin – hat sich um unser Kind gekümmert. Nebenher haben wir uns aber immer wieder mit der Idee beschäftigt. So etwas braucht ja Zeit, schließlich gab es nichts Vergleichbares auf dem Markt. Dann, Mitte 2007, war es soweit: Wir haben einen Businessplan geschrieben und Kontakt zum Strascheg Center for Entrepreneurship, sce, aufgenommen. Dort haben wir das erste Mal von EXIST-SEED (jetzt: Gründerstipendium) erfahren und waren gleich davon überzeugt, dass das die richtige Förderung für uns ist. Zum einen erhielten wir dadurch ausreichend Zeit, um unsere Entwicklung voranzutreiben. Zum anderen bekamen wir Zugang zu Laboren und Infrastruktur, um unsere Idee in die Tat umzusetzen. Hinzu kam, dass wir durch EXIST-SEED ausreichend abgesichert waren, um in diesem einem Jahr auch unsere inzwischen zwei Kinder zu versorgen. Wir bekamen also nicht nur den monatlichen Zuschuss zum Lebensunterhalt, sondern auch Geld für Sachmittel und Zugang zu Laboren an der Hochschule München, die ich von meinem Studium her noch gut kannte.

Sie sind bei der Produktentwicklung sehr kundenorientiert vorgegangen.

Dirk Brunner: Ja, wir sind sehr selbstkritisch herangegangen. Wir haben alle möglichen Bekannten, Coaches und potenziellen Kunden gefragt, was sie von einer Datensicherung erwarten bzw. was sie benötigen. Man muss in dieser Konzeptionsphase dann natürlich auch bereit sein, die Richtung zu ändern. Die Erfahrung hatten wir übrigens auch schon beim Münchener Business Plan Wettbewerb (MBPW) gemacht. Im ersten Jahr haben wir dort ordentlich Kritik eingesteckt, die wir uns aber zu Herzen genommen und das Unternehmen entsprechend weiterentwickelt haben. Mit dem Ergebnis, dass wir anschließend den ersten Preis beim MBPW gewonnen haben.

Die Richtung haben Sie auch bei Ihren Beratern gewechselt, stimmt’s?

Dirk Brunner: Stimmt. Zuerst hatten wir Coaches aus der Industrie, mit denen wir allerdings nicht so ganz zufrieden waren. Durch Zufall haben wir dann die Aktivsenioren kennengelernt, die sich sehr viel Zeit genommen haben, sehr kompetent waren und ein deutliches Interesse daran hatten, dass unsere Idee auch wirklich klappt. Das Tolle war auch, dass wir für jedes Thema, ob Marketing, Produktion, Patentrecht oder Geschäftsführung, einen fachlich versierten Ansprechpartner bekamen.

Und von den Kosten her sind die Aktivsenioren ohnehin unschlagbar. Abstriche mussten wir lediglich bei Fragen zum Einsatz moderner Technik machen, da die meisten damit noch nicht vertraut sind.

Gab es besonders hohe Hürden, die Sie nehmen mussten?

Dirk Brunner: Die Finanzierung, ganz klar. Trotz EXIST SEED. Wir haben ja keine Software, sondern ein Produkt hergestellt. Dazu braucht man Material, Werkzeug, man muss einen Prototypen bauen usw. Das ist alles mit hohen Kosten verbunden. Da wäre es hilfreich gewesen, wenn das Budget für Sachmittel höher gewesen wäre. Dann hatten wir noch Pech bei der Anschlussfinanzierung, denn durch die Wirtschaftskrise ist uns ein Investor abgesprungen, der fest zugesagt hatte. Aber mit der Unterstützung durch das FLÜGGE-Programm1 und eigenen Mitteln wachsen wir momentan aus eigener Kraft.

Sie haben die secumem GmbH im November 2007 gegründet. Wie geht es seit dem voran?

Dirk Brunner: Die Krise macht es natürlich schwer, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Aber die Resonanz von Seiten der Unternehmen ist positiv. Wir arbeiten immerhin schon kostendeckend, und der Umsatz entwickelt sich langsam, aber stetig nach oben, so dass wir jetzt neben einer Teilzeitkraft auch noch zwei Vertriebsmitarbeiter und eine Laborkraft einstellen werden. Natürlich stecken wir gerade jetzt in der Aufbauphase viel Zeit in unser Unternehmen. Im Schnitt arbeiten wir zehn Stunden täglich, nicht selten auch am Wochenende. Den Job als Angestellter vermisse ich trotzdem nicht. Dafür waren die letzten zwei Jahre viel zu spannend.

Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?

Dirk Brunner: Wir wussten ja bereits durch unser erstes Unternehmen, welche Fehler man in der Anfangsphase machen kann. Da sind wir bei der Gründung von secumem schon professioneller vorgegangen. Wir haben beispielsweise Kompetenzbereiche festgelegt. Denn es muss einfach klar sein, wer für was zuständig bzw. nicht zuständig ist, sonst gibt es irgendwann Konflikte. Darüber hinaus muss man auch nicht alles selber machen, sondern kann auch Dienstleister beispielsweise für Buchführung, Werbung, Webauftritt beauftragen. Um zu verhindern, dass bestimmte Aufgaben „unter den Tisch fallen“, treffen wir uns einmal pro Woche zum jour fixe. In dem Zusammenhang ist es auch sinnvoll, eine gute Software zur Zeitplanung einzusetzen, auch um Meilensteine zu planen und Soll-Ist-Vergleiche anzustellen. Da gibt es gute Open-Source-Software. Wichtig ist auch, den Businessplan immer wieder den aktuellen Bedingungen anzupassen. Ja und schließlich sollte auch jeder an sich denken. Es bringt das Unternehmen nicht weiter, wenn alle erschöpft sind, sich die Fehler häufen oder sinnlos herumgearbeitet wird.

Für Investoren sind Sie doch eigentlich ein Dreamteam: Sie decken das Technische ab, und Ihre Frau bringt das betriebswirtschaftliche Know-how mit.

Dirk Brunner: Ja, ein betriebswirtschaftlich versierter Partner hat ganz andere Fragestellungen, die schon während der Entwicklungsarbeiten eine wichtige Rolle spielen, um das Produkt auch tatsächlich am Markt auszurichten. Von daher würde ich jedem Gründer empfehlen, in einem Team zu gründen, das sowohl technische als auch betriebswirtschaftliche Qualifikationen berücksichtigt.

1) Förderprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Unterstützt Unternehmensgründungen aus Hochschulen.