EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

(v. l. n. r.): Dr. Ocativian Schatz, Katrin Schmidthals, Dr. Ulrich Rothbauer, Dr. Kourosh Zolghadr, Jonas Helma; Bild: Carolin Bleese

(v. l. n. r.): Dr. Ocativian Schatz, Katrin Schmidthals, Dr. Ulrich Rothbauer, Dr. Kourosh Zolghadr, Jonas Helma
Bild: Carolin Bleese

"Die Tatsache, dass unser Businessplan und unser Team die Jury von GO-Bio überzeugt hat, beruht auf der Förderung durch EXIST-SEED."

Interview mit Dr. Ulrich Rothbauer

Kurzinfo:

ChromoTek GmbH
Dr. Ulrich Rothbauer, Dr. Kourosh Zolghadr,
Katrin Schmidthals, Jonas Helma, Dr. Octavian Schatz
EXIST-SEED: 2007-2008
Gründung: 2008
www.chromotek.com

Herr Dr. Rothbauer, Sie haben gemeinsam mit Ihren Kollegen im Oktober 2008 Ihr Unternehmen, die ChromoTek GmbH, gegründet. War es die richtige Entscheidung?

Dr. Rothbauer: Ich denke schon. Wenn man wissenschaftlich tätig sein will und eigene Ideen umsetzen möchte, muss man ausloten, welche beruflichen Optionen infrage kommen. Da gibt es zum einen die akademische Laufbahn. Die war mir aber zu bürokratisch und zu unsicher. Alle zwei Jahre ein neuer Zeitvertrag, ohne zu wissen, wie es am Ende der nächsten Vertragslaufzeit weitergeht – das war nichts für mich. Dann gibt es den Weg in die Industrie. Aber die Chance, dort meine eigenen Ideen umzusetzen, erschien mir relativ gering. Insofern war der Weg in die berufliche Selbständigkeit für mich der richtige. Ich glaube an unsere Ideen, an unsere Produkte, und es reizt mich auszutesten, wie weit wir damit kommen. Darüber hinaus lernt man auch jede Menge interessanter Dinge, wenn man ein eigenes Unternehmen gründet. Was muss ich beispielsweise tun, damit mein Produkt erfolgreich eingesetzt werden kann? Wie muss es beschaffen sein? Welche Erwartungen haben potenzielle Nutzer? Welche Möglichkeiten gibt es, ein Produkt zu vermarkten? Das sind alles Fragen, bei denen man als Wissenschaftler über den Tellerrand schauen muss. Ich sehe das als Bereicherung an.

Sagen Sie uns zunächst, wer zum Gründungsteam gehört?

Dr. Rothbauer: Dazu gehören Dr. Kourosh Zolghadr, verantwortlich für Forschung und Entwicklung, Katrin Schmidthals, Diplom-Biologin und zuständig für Finanzen und Administration, und Jonas Helma, ebenfalls Diplom-Biologe und zuständig für die Produktion. Die Marketing- und Vertriebsleitung hat unser vormaliger Coach, Dr. Octavian Schatz, übernommen. Meine Aufgabe ist die Geschäftsführung der ChromoTek GmbH.

Ihr Unternehmen bietet Nachweisreagenzien für die biomedizinische Forschung an, um bestimmte Stoffe zu identifizieren. Worum geht es dabei?

Dr. Rothbauer: Bisher sind wir nur mit einem Produkt auf dem Markt. Dabei handelt es sich um eine Art „Falle“ für das grün fluoreszierende Protein GFP, das in der zellbiologischen Forschung eingesetzt wird. Durch die Kopplung dieses Proteins an diverse Zielproteine kann die räumliche und zeitliche Verteilung dieser Fusionsproteine in lebenden Zellen, Geweben und Organismen beobachtet werden. Unsere GFP-Trap, dient nun dazu, diese GFP-Fusionsproteine aus der Gesamtheit der Proteine in den Zellen zu reinigen und für weitere Analysen zur Verfügung zu stellen. Zur notwendigen Marktreife haben wir unsere GFP-Trap in den Jahren 2007 bis 2008 entwickelt. Damals haben wir EXIST-SEED erhalten, um uns auf unsere Gründung vorzubereiten. Dr. Schatz war unser Coach und hat uns insbesondere mit betriebswirtschaftlichen Fragen vertraut gemacht. Da ging es dann um Themen wie „Finanzplanung“, „Alleinstellungsmerkmal“, „Marketing“ usw. Ergänzend zu der Betreuung durch unseren Coach haben wir auch jede Menge Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ludwig-Maximilians-Universität München bekommen.

Das hört sich doch gut an. Gab es denn auch Schwierigkeiten?

Dr. Rothbauer: Ja, trotz aller Unterstützung gab es manch harte Nuss zu knacken. Zum Beispiel beim Thema „Patentierung“. Ein Patentverfahren ist eine ziemlich undurchschaubare Angelegenheit, und obwohl wir einen Patentanwalt haben, muss man sich trotzdem damit auseinandersetzen, welche Patentstrategie man fahren will, und prüfen, ob die Patentschrift die Erfindung auch wirklich genau wiedergibt.

Beim Marketing sind wir dann ziemlich unkonventionell vorgegangen und haben unsere GFP-Trap an eine ganze Reihe von Forscherinnen und Forscher verschenkt, die unsere Entwicklung dann in ihrer praktischen Arbeit eingesetzt haben. Das Ergebnis war, dass unser Produkt weltweit mit großem Erfolg auf Kongressen vorgestellt wurde. Mittlerweile haben wir durch diese Multiplikatorenarbeit über 220 Forscherinnen und Forscher als Kunden gewinnen können.

Sie haben während Ihrer EXIST-SEED-Phase aber nicht nur die GFP-Trap entwickelt.

Dr. Rothbauer: Nein, wir haben darüber hinaus eine Technologie auf den Weg gebracht, um so genannte Chromobodies herzustellen. Die Idee stammt von Professor Heinrich Leonhardt, bei dem Kourosh Zolghadr und ich als Postdocs an der Ludwig-Maximilians-Universität beschäftigt waren und der unserem Unternehmen heute als wissenschaftlicher Beirat zur Seite steht. Chromobodies funktionieren wie eine Art Marker, mit denen sich zelluläre Prozesse wie z. B. der Zellzyklus, also im Wesentlichen die Zellteilung, in Echtzeit beobachten lassen, ohne dass dabei die Zellstruktur verändert wird. Eingesetzt werden können Chromobodies beispielsweise in der pharmazeutischen Wirkstoffentwicklung, um die Wirkung bestimmter Stoffe auf Körperzellen nachzuweisen. Um die Chromobody-Technologie bis zur Marktreife zu entwickeln benötigen wir allerdings noch Zeit. Angepeilt ist Ende 2010. Bis dahin läuft unsere Förderung durch das GO-Bio-Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Das heißt, Sie haben nach Abschluss von EXIST-SEED eine Anschlussfinanzierung durch GO-Bio bekommen?

Dr. Rothbauer: Wir sind zweigleisig gefahren. In unserem Businessplan, den wir während der EXIST-SEED-Phase ausgearbeitet hatten, haben wir sowohl unsere GFP-Trap als auch die Chromobody-Technologie beschrieben. Die GFP-Trap hatte ja bereits die notwendige Marktreife, so dass wir nach Auslaufen von EXIST-SEED unsere ChromoTek GmbH gründen und mit der Vermarktung beginnen konnten. Für die Ausarbeitung unserer Chromobody-Technologie ist allerdings noch weitere Entwicklungsarbeit notwendig, so dass wir dafür eine ausreichende Anschlussfinanzierung benötigten. Um die Qualität unseres Businessplans und unserer Geschäftsidee besser einschätzen zu können, hatten wir uns zunächst beim Münchener Businessplan-Wettbewerb beteiligt und immerhin den dritten Platz gemacht. Damit hatten wir schon einmal die Bestätigung, dass unser Konzept gut war. Also haben wir es anschließend bei der Jury von GO-Bio eingereicht. Kurz darauf kam die Zusage für eine Präsentation. Von den 20 Teams, die ihre Idee vorgestellt haben, haben dann sieben eine Zusage erhalten – und wir waren eines davon. Das war natürlich ein Volltreffer, wobei uns klar ist, dass die Tatsache, dass unser Businessplan und unser Team die Jury von GO-Bio überzeugt hat, letztlich auf der Förderung durch EXIST-SEED beruht. Mit GO-Bio haben wir nun eine Anschlussfinanzierung über 1,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von drei Jahren in der Tasche und können Personalkosten, Geräte, Sachmittel und Beratungskosten darüber finanzieren.