
Robert Witlake, Maria Abbate
„Man muss sich sehr genau überlegen, wofür man das Sachmittel-Budget ausgibt. Es fallen so viele verschiedene Kosten an, dass die Entscheidung nicht einfach ist.“
Interview mit Robert Witlake
Kurzinfo:
TROKI Manufaktur
Robert Witlake, Maria Abbate
EXIST-SEED: 2006-2007
Gründung: 2007
www.trokimanufaktur.de
Es muss nicht immer Hightech sein. Das zeigt das Unternehmen von Maria Abbate und Robert Witlake. Die beiden Agrar-Ingenieure haben vor zwei Jahren mit Hilfe von EXIST-SEED (jetzt: EXIST-Gründerstipendium) die TROKI Manufaktur gegründet, um regionales Obst und Gemüse mit Hilfe eines besonders schonenden Verfahrens zu trocknen. Über mangelnde Nachfrage nach ihren hochwertigen Produkten können sie sich nicht beklagen.
Herr Witlake, Sie und Ihre Kollegin, Maria Abbate, trocknen Obst und Gemüse, um es anschließend zu verkaufen. Trockenobst kann man aber doch schon im Supermarkt kaufen. Was ist das Besondere an Ihrem Produkt?
Witlake: Stimmt. Getrocknete Äpfel, Pflaumen, Kirschen und andere Obstsorten kann man im Supermarkt kaufen. Dabei handelt es sich in der Regel um importierte Waren, deren Gehalt an Vitaminen und Inhaltsstoffen wegen der angewandten Trocknungsverfahren allerdings oft zu wünschen übrig lässt. Hinzu kommt, dass das Obst zumeist mit Konservierungsstoffen behandelt ist und in der Regel lange Transportwege hinter sich hat. Zum Beispiel Trockenkirschen aus Kalifornien – die uns mit zu unserer Geschäftsidee inspiriert haben. Die hatte ich hier in Witzenhausen im Supermarkt entdeckt und da haben wir uns gesagt: Wir leben hier, im nordhessischen Werratal, in einer der größten Kirschanbauregionen Deutschlands und in der Uni gibt es eine moderne Solar-Trockenanlage, an deren Aufbau wir beide beteiligt waren. Außerdem hatte ich gerade meine Diplomarbeit über qualitätsorientierte Trocknung abgeschlossen. Also wollten wir einfach mal ausprobieren, ob wir das nicht selbst können. Unsere ersten selbst hergestellten Trockenkirschen haben wir dann in 100 Päckchen abgefüllt und hier in der Nähe auf dem Kirschenfest verkauft. Nach zwei Stunden waren alle weg. Dann berichtete auch noch die Zeitung darüber. Das Ergebnis war, dass bei uns die Leute anriefen und nach unseren „Trokis“ fragten. Und damit waren eigentlich die „Gründungs-Würfel“ gefallen.
Aber worin unterscheiden sich denn zum Beispiel Ihre Trockenkirschen von denen aus Kalifornien?
Witlake: Wir stellen sehr hochwertige regionale Produkte her, die es so bisher auf dem Markt nicht gab. Angefangen haben wir mit Süß- und Sauerkirschen, die wir mit unterschiedlichen Schokoladenüberzügen veredeln. Inzwischen verarbeiten wir weitere Obstarten wie Mirabellen oder Erdbeeren die bisher kaum oder gar nicht im Handel zu finden sind. Außerdem trocknen wir inzwischen auch Gemüse, und komponieren daraus verschiedene Suppenmischungen unter dem Label „Meine Suppe“ in einer optischen und geschmacklichen Qualität, wie sie bisher im Sortiment der Fertigsuppen noch nicht zu finden sind.
Auch die regionale Herkunft unserer Produkte unterscheidet uns von den meisten Konkurrenten die überwiegend importierte Trockenprodukte vertreiben. Eigentlich seltsam, wo es doch so viele Obstanbaugebiete hier gibt, die zur Obstsaison oft mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen haben. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass das Trocknen von Obst und Gemüse eine Wissenschaft für sich ist. Da macht man nicht einfach den Trockenschrank auf und legt die Ware hinein. Wir wollten für jede Obst- und Gemüsesorte, die wir verarbeiten, die ideale Trocknungstemperatur herausfinden und haben uns an der Uni intensiv damit beschäftigt, bei welchen Temperaturen je nach Obst- und Gemüsesorte Vitamine und Inhaltsstoffe möglichst vollständig erhalten bleiben. Hochwertig heißt aber auch, dass wir keine Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe einsetzen. Das Obst und Gemüse kommt größtenteils hier aus der Region - aus kontrolliert biologischem oder biologisch-dynamischem Anbau. Und durch die frische Ware und die unmittelbare Verarbeitung nach dem strengen deutschen Lebensmittelrecht sorgen wir für sehr hohe Qualität.
Sie sind beide Diplom-Ingenieure und haben ökologische Agarwissenschaften studiert. Brauchen Sie da nicht einen Koch, der sich die Rezepte für sie ausdenkt?
Witlake: Nein, wir denken uns das selbst aus, wobei uns sicherlich zu Gute kommt, dass Maria aus Italien stammt: Getrocknete Kirschen mit einem Überzug aus zartbitterer oder weißer Schokolade. Oder getrocknete Pflaumen mit Schokolade und einer Prise Chili. Demnächst kommen noch Erdbeeren mit Schokolade und Pfefferminz hinzu. Da lassen wir unserer Kreativität freien Lauf. Genauso wie bei unserer Art von Fertig-Suppen, zum Beispiel bei unserer „Bella Italia“: getrocknete Tomaten, Zucchini, Selleriekraut, Knoblauch und Farfalle Tricolore. Innerhalb von zehn Minuten ergibt das eine vollwertige Suppe.
Wie sahen denn Ihre ersten Gründungsschritte aus?
Witlake: Wir haben mit Professor Oliver Hensel vom Institut für Agrartechnik an der Universität Kassel über unsere Pläne gesprochen. Er hat uns darin bestärkt, die Geschäftsidee umzusetzen. Er war es auch gewesen, der uns an der Uni mit dem Thema „Trockenfrüchte“ vertraut gemacht hatte. Über ihn wurden wir auf EXIST-SEED aufmerksam gemacht. Nachdem der Antrag bewilligt worden war, bekam Professor Hensel eine Anfrage von der Universität Göttingen. Dort suchte Professor Nathusius Gründerinnen und Gründer, um seinen Betriebswirtschaftsstudenten die Möglichkeit zu bieten, eine reale Gründungsvorbereitung zu unterstützen. Das war eine gute Sache, weil wir durch den Austausch mit den drei Studenten noch einmal einen anderen Blickwinkel auf unser Vorhaben erhalten haben. Vor allem aber wurden wir dadurch tatkräftig unterstützt: mit Markt- und Preisrecherchen und der Ausarbeitung von Finanz-, Rentabilitäts- und Liquiditätsplänen.
Mit ihrem fachlichen Know-how standen uns auch Professor Hensel als Mentor sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UniKasselTransfer Inkubator Clusters in Kassel zur Seite. Und zu typischen Gründungsthemen, wie Krankenversicherung, Finanzierungsfragen oder Vorbereitung auf das Bankgespräch hat uns unser Coach beraten.
Apropos Finanzen: Man muss sich schon sehr genau überlegen, wofür man das Sachmittel-Budget ausgibt. Wir haben unsere Trocknungsanlage davon gekauft. Aber es fallen einfach so viele verschiedene Kosten an, dass die Entscheidung nicht einfach ist.
Im August 2007 haben Sie dann die TROKI Manufaktur gegründet. Warum als GbR?
Witlake: Die Gründung einer GbR ist sehr unkompliziert, sie entsteht praktisch automatisch, wenn man zusammen ein Gewerbe betreibt. Außerdem braucht man keine Einlage, und das Image der GbR ist gut - auch bei den Banken. Nicht zuletzt deshalb, weil man mit seinem privaten Vermögen haftet.
Sie haben dann gleich mit der Vermarktung begonnen. Welche Vertriebswege haben Sie eingeschlagen?
Witlake: Verschiedene Wege. Zum einen haben wir unsere Produkte direkt über einen eigenen Onlineshop vertrieben. Wobei wir anfangs mit unserem Shop und unserer Internetseite nicht besonderes zufrieden waren. Da mussten wir mit Hilfe eines Studenten nachbessern. Aber es wäre sinnvoller gewesen, gleich von Anfang an eine professionelle Beratung dafür gehabt zu haben. Mittlerweile läuft der Onlineshop jedenfalls ganz gut. Wir fahren auch auf Spezialitäten- oder Kunstmärkte im Umkreis von 100 Kilometern, auch nach Frankfurt am Main, und geben unseren Kunden, die an unseren Stand kommen, immer auch die Adresse unseres Onlineshops. Und wenn Presse oder Fernsehen über uns berichten, macht sich das auch schnell bei den Online-Bestellungen bemerkbar.
Abgesehen von unserem Onlineshop und den Marktbesuchen, haben wir eine stetig wachsende Zahl von Geschäften, die unsere Produkte führen und sind auch auf Messen vertreten, wie beispielsweise auf der weltweit größten Messe für Bioprodukte, der BioFach in Nürnberg oder der Slow Food Messe in Stuttgart. Die Resonanz dort ist bisher sehr positiv – immerhin zeigen die Großhändler großes Interesse an unseren Produkten. Über die Messebesuche haben wir auch Kontakt zu einem Nudelhersteller aus Süddeutschland bekommen, der seine Produkte aus regionalem Getreide herstellt und von unserem Angebot, schonend getrocknetes Gemüse für verschiedene Suppen auf den Markt zu bringen, ganz begeistert ist. Wir werden voraussichtlich in Kürze zusammenarbeiten.
Sie sind jetzt seit zwei Jahren am Markt. Sind Sie zufrieden?
Witlake: Ja, wir sind beide sehr froh über unsere berufliche Selbständigkeit. Die Kostenbelastung ist zwar gerade in der Anfangsphase sehr hoch, vor allem wenn man - wie wir - die Betriebsräume um- und ausbauen muss. Für uns bedeutete das, Abflüsse zu installieren, Fliesen zu legen usw., um damit die Anforderungen der Lebensmittelhygieneverordnung zu erfüllen. Dann kamen noch unerwartete Rechnungen wie zum Beispiel von der Berufsgenossenschaft ins Haus. Man muss also schon gut haushalten, um mit dem Geld über die Runden zu kommen. Aber wir entwickeln uns immer weiter, und es läuft ganz gut. Hinzu kommt, dass sich hier in Witzenhausen ein kleines Gründerzentrum entwickelt. Darin gibt es mittlerweile ein Unternehmen, von dem wir unsere Lebensmittelanalysen durchführen lassen. Übrigens: auch eine EXIST-Gründung.


TROKI Manufaktur GbR