EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

Foto von Lukas Rieder, Felix Hofmann, Martin Fröhlich

v.l.n.r.: Lukas Rieder, Felix Hofmann, Martin Fröhlich
Foto: Manuel Krug, Berlin

„Die Buchverlage sollen nicht dasselbe Fiasko erleben wie die Musikindustrie.“

Interview mit Felix Hofmann

Kurzinfo:

PaperC GmbH
Dipl.-Kfm. Felix Hofmann, Dipl.-Kfm. Martin Fröhlich, Lukas Rieder
EXIST-Gründerstipendium: 2008-2009
Gründung: 2008
www.paperc.de

Fachliteratur jederzeit im Internet lesen, herunterladen und bearbeiten können – vor allem für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dürfte dieses Angebot besonders attraktiv sein. Die beiden Gründer Felix Hofmann und Martin Fröhlich von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin sowie der Programmierer Lukas Rieder haben dieses Angebot mit ihrer PaperC GmbH in die Tat umgesetzt.

Herr Hofmann, Sie haben im Jahr 2008 zusammen mit Martin Fröhlich die PaperC GmbH gegründet. Was bietet Ihr Unternehmen an?

Hofmann: Mit PaperC bieten wir eine Internetplattform an, auf der man Fachbücher komplett lesen kann, und zwar kostenlos. Bezahlen müssen die Nutzer erst dann, wenn sie einzelne Textstellen kopieren, Notizen hinzufügen oder Seiten kopieren und ausdrucken möchten. Das Ganze kostet bei PaperC nie mehr als 10 Cent pro Seite. Damit sind wir so etwas wie ein virtueller Copyshop. Zukünftig werden wir auch eine Funktion einrichten, die es Gruppen ermöglicht, gemeinsam Änderungen an einem Werk durchzuführen.

Ein ähnliches Geschäftsmodell planen Larry Page und Sergey Brin, die Betreiber von Google. Allerdings haben sie sich dafür viel Ärger mit Verlagen eingehandelt, nicht zuletzt wegen Verletzung des Urheberrechts. Was machen Sie anders?

Hofmann: Wir sind zunächst einmal auf verschiedene Verlage zugegangen und haben unser Konzept vorgestellt. Damit haben wir praktisch offene Türen eingerannt, weil sich die Digitalisierung für die Verlagsbranche in den letzten Jahren immer mehr zu einem Problem entwickelt hat und dringend nach einer Lösung verlangt.

Die Buchverlage wollten nicht dasselbe Fiasko erleben wie die Musik- oder Filmindustrie, die in den letzten Jahren durch illegales Filesharing Millionenverluste erlitten haben. Insofern kamen wir mit unserer Idee genau zur richtigen Zeit.

Unser Modell bietet allen Beteiligten Vorteile: Der Mix von kostenloser und kostenpflichtiger Nutzung stellt für die User keine wirkliche Hürde dar, weil die Zahlungsmodalitäten sehr einfach, günstig und sicher sind. Das war schließlich auch unsere wichtigste Herausforderung bei der Entwicklung unserer Idee: Der Zugang sollte so einfach sein, dass er von möglichst vielen Nutzern akzeptiert werden würde. Und von möglichst vielen Verlagen. Ihre Beteiligung an den Erlösen muss für sie nicht nur lohnenswert, sondern auch unkompliziert und transparent sein.

Die Verlage haben Sie jedenfalls überzeugt.

Hofmann: Ja, wir haben mittlerweile mit 20 Fachverlagen, darunter auch internationalen Verlagen, Verträge geschlossen und derzeit 2.000 Bücher veröffentlicht. Tendenz steigend. Man muss dazu auch wissen, dass pro Jahr deutschlandweit Fachbücher im Wert von etwa 100.000 Millionen Euro fotokopiert werden. Die Verlage erhalten aber davon über die Verwertungsgesellschaft Wort nur 20 Millionen Euro an Tantiemen. Hinzu kommt, dass das Verfahren für die Verlage sehr intransparent ist. Insofern sind sie neuen Geschäftsmodelle durchaus aufgeschlossen.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen?

Hofmann: Ich war Student an der Hochschule für Wirtschaft und Recht, der HWR, in Berlin und bin damals, als ich meine Diplomarbeit geschrieben habe, viel zwischen Berlin und der Universität St. Gallen im Zug hin und her gependelt – mit viel und vor allem schweren Gepäck wegen der Bücher, die ich jedes Mal mitschleppen musste.

Ich hatte natürlich damals schon immer nach Alternativen Ausschau gehalten, aber die Online-Angebote waren allesamt unbefriedigend. Also habe ich gemeinsam mit Martin Fröhlich, der damals auch an der HWR studiert hat, überlegt, wie man ein einfaches Modell schaffen könnte, bei dem alle Beteiligten auf ihre Kosten kommen würden.

Sie haben dann beide das EXIST-Gründerstipendium beantragt.

Hofmann: Ja, das war im Juli 2008. Letztlich hat EXIST dazu beigetragen, dass wir uns für die „Unternehmerlaufbahn“ entschieden haben. Ich war ganz überrascht, dass das Programm so unbürokratisch funktionierte, so dass wir uns ganz auf unsere Vorbereitungen konzentrieren und unsere GmbH schon wenige Monate später gründen konnten.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Hofmann: Zunächst haben wir an der HWR einen Entrepreneurship-Kurs besucht. Außerdem haben wir an der Seminarreihe „Gründungseinstieg“ der HWR teilgenommen. Dazu gehörten zehn Stunden Coaching zu Themen wie Marketing und Finanzierung. Im Rahmen des Coachings wurde uns auch ein Fachjurist vermittelt, der uns zu rechtlichen, insbesondere zu urheberrechtlichen Fragen beraten hat, was ja für unser Geschäftsmodell sehr wichtig war. Darüber hinaus stand uns ein weiterer Coach zu Verfügung, den wir über das Coaching-Budget von EXIST finanzieren konnten. Arbeiten konnten wir in einem Raum, den uns die HWR speziell zur Vorbereitung unseres Vorhabens zur Verfügung gestellt. Schwierig war es dagegen, gute Programmierer zu finden und zu beurteilen, ob sie auch tatsächlich gut sind – schließlich sind wir Kaufleute und keine IT-Spezialisten.

Wir sind da mehr oder weniger nach trial und error verfahren und hatten Glück, dass wir dann durch Zufall Lukas Rieder kennen gelernt haben, der bei uns als Gesellschafter mit eingestiegen ist und für die IT-Entwicklung zuständig ist.

Was würden Sie anderen Gründerinnen und Gründer empfehlen?

Hofmann: Es gibt jede Menge Fallstricke. Deshalb sollte man sich die Erfahrungen anderer Gründer und Unternehmer zu Nutze machen und sich durch den Besuch von Veranstaltungen und Kongressen ein Netzwerk aufbauen, auch um sich beispielsweise Anwälte oder andere Fachberater empfehlen zu lassen. Ich würde zum Beispiel jedem Gründer raten, ausreichend Zeit zu investieren, um einen guten Anwalt zu finden, auch auf die Gefahr hin, dass man den wechseln muss, wenn man den Eindruck hat, dass die Chemie nicht stimmt oder er fachlich nicht überzeugend ist.

Es sollte auch von Anfang an klar sein, wem das Eigentum an der Software oder anderen Entwicklungen gehört. Es lohnt sich daher, in eine gute juristische Beratung zu investieren, um zum Beispiel Verträge mit Entwicklern und Geschäftspartnern rechtlich abzusichern. Und beim Thema Finanzierung kann ich nur raten, sich so früh wie möglich immer um den nächsten Finanzierungsschritt zu kümmer und Investoren zu suchen. In der Hinsicht war das letzte Jahr ohnehin schwierig: Zum einen wegen der Krise und zum anderen, weil wir uns zu spät um die Anschlussfinanzierung gekümmert haben. Uns blieb schließlich nichts anderes übrig, als uns drei Monate keine Gehälter auszuzahlen, um eine Insolvenz zu vermeiden. Es hat eine ganze Weile gedauert, um mit einer Reihe in Frage kommender Kapitalgeber zu sprechen und schließlich den Zuschlag zu bekommen. Aber schließlich hatten wir Erfolg und haben eine sechsstellige Beteiligung durch den Technologiegründerfonds Sachsen und den High-Tech Gründerfonds erhalten.

Mittlerweile sind wir auch über den Berg. Die Geschäfte laufen super, und es macht Spaß, auch wenn es ganz schön anstrengend ist und zur Zeit kein „Krankmachen“ drin ist.