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Die Gründungsportale


EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

Fotos Kartal Can, David Schuschkleb, Elio Parruca

Kartal Can, David Schuschkleb, Elio Parruca

Quelle: Foto: ROFOBOX GmbH

„Man braucht die alten Tugenden, um erfolgreich zu sein.“

Interview mit Kartal Can

Kurzinfo:

ROFOBOX GmbH
Kartal Can
Elio Parruca
David Schuschkleb
EXIST-Gründerstipendium: 2008 - 2009
Gründung: 2008
www.rofobox.com

Herr Can, mit welcher Geschäftsidee haben Sie sich selbständig gemacht?

Can: Wir haben eine vollautomatische innovative Hightech-Serviettenfaltmaschine entwickelt, die es so bisher noch nicht auf dem Markt gibt. Hintergrund ist, dass in der Gastronomie bislang weltweit alle Servietten von Hand gefaltet werden. Das ist mit einem hohen Zeit-, Kosten- und Personalaufwand verbunden und auch hygienisch nicht immer einwandfrei. Hinzu kommt, dass Serviettenfalten eine monotone, stupide und unproduktive Tätigkeit ist. Und da ich selbst viele Jahre in der Gastronomie gearbeitet habe, sowohl als Selbständiger als auch als Angestellter, habe ich gedacht: Daran muss man etwas ändern. Denn meiner Ansicht nach sollte man gelernte Hotelfachleute, Restaurantfachleute oder Azubis, die eigentlich was lernen sollen und müssen nicht mit solchen Arbeiten beschäftigen.

Für die unternehmerische Laufbahn sind Sie bestens gewappnet.

Can: Ja, ich war bereits viele Jahre selbständig in der Gastronomie und hatte ein eigenes Restaurant, einen Catering-Service, eine Cocktailbar und eine Event-Agentur. Irgendwann dachte ich, dass es Zeit für etwas Neues ist, und habe Internationale Betriebswirtschaft an der Akademie für Internationales Management in Stuttgart und internationales strategisches Management in Newcastle, England vertieft. Nach dem Studium habe ich dann Elio Parruca getroffen, der zu dieser Zeit Industriedesign an der Bergischen Universität Wuppertal studiert hatte. Mit ihm habe ich über meine Idee gesprochen, und er meinte, dass man eine solche Serviettenfaltmaschine mit Hilfe von Robotertechnik herstellen könnte.

Um Ihre Serviettenfaltmaschine zu entwickeln, brauchten Sie auch technisches Know-how. Woher kam das?

Can: Ich selber hatte das betriebswirtschaftliche Know-how und die Branchenkenntnisse. Das technische Know-how hat Elio Parruca mitgebracht. Wir haben dann erst einmal ein halbes Jahr sozusagen im Stillen gefaltet, ausprobiert und ein Konzept entwickelt, bis wir dann die erste Patentanmeldung eingereicht haben. Unterstützt hat uns dabei eine Patentanwältin, die uns über das Patent-Informationszentrum in Stuttgart vermittelt wurde. Das deutsche Verfahren für die Rofobox, die RObot FOlding BOX, ist mittlerweile abgeschlossen. Wir sind im Moment im internationalen Verfahren. Zwei Patente sind angemeldet, unser drittes Patent kommt Anfang 2011. Bei immer wieder neuen Forschungsergebnissen in einem Bereich wie unserem, bei den sogenannten biegeschlaffen Werkstoffen, für die es keine Erfahrung in der Robotik gibt, kommt man mit einem Patent nicht aus, weil unser erarbeitetes Know-How weit über das Serviettenfalten hinaus reicht und jetzt schon für andere biegeschlaffe Werkstoffe verwendet wird.

Sie hatten bereits Ihr Studium in Stuttgart absolviert und haben dann die Gründungsberatung des bizpes-Netzwerks an der Bergischen Universität Wuppertal in Anspruch genommen?

Can: Ja, Elio Parruca studierte damals noch in Wuppertal und außerdem bot das bizeps-Netzwerk eine sehr gute Gründungsbetreuung an. Also entschied ich mich dafür, über die Bergische Universität das EXIST-Gründerstipendium zu beantragen. Da mein Studienabschluss erst zwei Jahre zurücklag sprach nichts dagegen.

Über das Sachmittelbudget des EXIST-Gründerstipendiums konnte ich mir dann die notwendige Grundausstattung wie Notebook und Drucker sowie die Fahrtkosten zu Messen und potenziellen Kooperationspartnern finanzieren. Dazu kamen Coachingangebote zu Projektmanagement und Gründerpersönlichkeit. Insgesamt war das sehr hilfreich, obwohl ich bereits unternehmerische Erfahrungen hatte. Es erweitert einfach den Horizont.

Sie haben etwa ein halbes Jahr an Ihrem Businessplan geschrieben. Wofür haben Sie besonders viel Zeit benötigt?

Can: Der größte Brocken war die Finanzplanung, weil man eine Fünf-Jahresplanung erstellen muss: Wie hoch sind die laufenden Kosten? Wie hoch wird der Umsatz sein? Wie hoch ist die Belastung durch Zinsen und Tilgung? Usw. Die Zahlen muss man größtenteils schätzen. Trotzdem muss man versuchen, möglichst realistisch zu kalkulieren, um gegenüber Kapitalgebern und Lieferanten glaubwürdig zu sein. Je genauer man plant, desto besser eignet sich der Businessplan auch später als Grundlage, um zu vergleichen, welches Ziel man ursprünglich verfolgt hat und wo man jetzt steht.

Gegründet haben wir dann zunächst eine GbR. Damals waren wir noch zu dritt: Elio Parruca, und David Schuschkleb, der für das Medien- und Webdesign zuständig ist und ich. Mittlerweile haben wir eine GmbH mit sechs Gesellschaftern.

Hatten Sie nach dem Gründerstipendium eine Anschlussfinanzierung in Anspruch genommen?

Can: Direkt danach nicht. Wir haben das Ganze mit unseren eigenen Rücklagen finanziert. Was uns bei der Entwicklung weitergeholfen hat, war die Förderung über ZIM, das bundesweite Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand und das Programm „Innovationsgutschein“ des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit der Hochschule Esslingen, das uns über das Kompetenznetzwerk Mechatronik BW vermittelt wurde. Außerdem haben wir über eine Ausschreibung auf der Plattform XING noch Kapitalgeber gesucht. Wir standen damals vor dem Wechsel von der GbR zur GmbH und über XING haben wir einen Business-Angel gefunden, der sich finanziell an unserem Unternehmen beteiligt und uns wichtige Tipps für die Gründung unserer GmbH gegeben hat.

Was ist Ihnen besonders gut gelungen bei Ihrem Unternehmensaufbau?

Can: Dass wir so gut aufgestellt sind. Ich habe selten erlebt, dass ein Gründungsteam so wie wir alle Kompetenzen abdeckt: kaufmännisch, technisch, marketing- und vertriebstechnisch. Das hängt sicher auch mit meiner Erfahrung im Personalmanagementbereich zusammen. Da habe ich gelernt, wie man das beste Ergebnis bekommt und die Stärken der Partner am besten einsetzen kann.

Wie geht’s nun weiter?

Can: Ein Automatisierungsunternehmen ist gerade dabei, den Prototypen zu bauen. Die Fertigstellung ist für Anfang 2011 geplant. Als exklusiver Beta-Partner wird das Hotel Estrel in Berlin den Prototypen für uns in der Praxis testen. Außerdem werden wir auf der Internorga-Messe 2011 in Hamburg präsent sein. Dazu kommt noch unser Direktmarketing. Dafür werden wir beispielsweise in Berlin einen großen Kick-Off-Event für Presse- und Gastronomievertreter veranstalten.

Was würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen?

Can: Ich habe Gründer erlebt, die sagen, beim EXIST-Gründerstipendium kriegen wir nur 2.000 Euro, das sind maximal 20 Arbeitsstunden in der Woche, zu mehr bin ich nicht bereit. Mit dieser Einstellung kommt man natürlich nicht weit. Klar ist: Als Selbständiger arbeitet man selbst und ständig. Das ist bei mir auch so. Ich gehe mit der Rofobox schlafen, ich stehe mit Rofobox auf. Das ist wie ein Baby. Das braucht Pflege, laufend Aufmerksamkeit. Und genau so muss es sein. Da muss man Visionen, Disziplin, Bescheidenheit in den eigenen materiellen Ansprüchen, Risikobereitschaft, Mut, Demut für die Sache, Ausdauer, Achtsamkeit, Zuverlässigkeit und wer weiß was alles noch haben. Man braucht die alten Tugenden, um erfolgreich zu sein. Und dabei müssen Familie & Freunde dahinter stehen, sonst wird´s sehr schwer.