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Die Gründungsportale


EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

Johannes Jacop, Dr. Christian Schneider, Yatta Solutions GmbH

Johannes Jacop, Dr. Christian Schneider
Foto: Yatta Solutions GmbH

„Die größte Herausforderung war, aus einer technischen Idee ein Geschäftsmodell zu entwickeln.“

Interview mit Johannes Jacop

KURZINFO:

Yatta Solutions GmbH
Dr. Christian Schneider, Johannes Jacop
EXIST-Gründerstipendium: 2008-2009
Gründung: 2008
www.yatta.de

Je anspruchsvoller ein Problem, desto aufwändiger ist die Entwicklung der Software. Dabei werden zeitliche und finanzielle Budgets nicht selten überschritten. Dr. Christian Schneider und Johannes Jacop haben mit ihrem Team daher ein Tool entwickelt, um die Entwicklung von Software einfach, schnell und kostengünstig zu gestalten.

Herr Jacop, worum geht es bei Ihrer Geschäftsidee?

Jacop: Wir bieten ein Tool an, um Softwareentwicklungsprozesse einfacher, schneller, transparenter und günstiger zu machen. Dazu muss man wissen, dass bisher bei einem Drittel aller Softwareproduktionen das finanzielle oder zeitliche Budget um mehr als 20 Prozent überschritten wird. Ein weiteres Drittel aller Softwareprojekte scheitert komplett, weil sie sich technisch nicht realisieren lassen.

Nehmen wir zum Beispiel das Unternehmen Airbus. Sie erinnern sich: In Toulouse wurde ein Teil vom A-380 hergestellt, in Hamburg ein anderes. Beide Werke verwendeten aber unterschiedliche Software. Es wurde daher eine neue Software in Auftrag gegeben, die die beiden Systeme vereinheitlichen sollte. Die Fertigstellung dieser Software verzögerte sich allerdings, so dass der Bau des A-380 nicht termingerecht fertig gestellt werden konnte. Solche Beispiele finden Sie überall, auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Da haben wir gedacht: Das muss besser gehen.

Wer sind Ihre Auftraggeber?

Jacop: Unsere Kunden sind Softwarehersteller, -dienstleister und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen, die Software entwickeln. Software ist für fast alle Unternehmen heutzutage eine wichtige Querschnittstechnologie. Unternehmen steuern mit Software ihre betriebswirtschaftlichen Prozesse wie Produktion, Vertrieb, Logistik, Finanzen usw. und werten diese auch softwaregestützt aus. Software kommt aber auch in vielen Produkten zum Einsatz. Denken Sie beispielsweise an die umfangreiche Software, die mittlerweile in Mobilfunkgeräten oder Navigationssystemen enthalten ist.

Und was genau bieten Sie Ihren Kunden an?

Jacop: Es handelt sich um eine so genannte Modeling IDE, integrated development environment, also ein Entwicklungswerkzeug, das dabei hilft, Quelltexte und Diagramme automatisch abzugleichen, damit Planung und Implementierung besser miteinander verzahnt sind. Softwareentwicklungsprozesse bestehen aus einer Planungsphase, einer Implementierungsphase und einer Dokumentationsphase bestehen, aber zwischen den planerischen Elementen - meist handelt es sich um Diagramme - und der eigentlichen Implementierung in Form von Quelltext, also der Programmierung, gibt es keinen hinreichenden Abgleich, insbesondere keinen, der in beiden Richtungen funktioniert und flexibel ist.

Mit unserem Tool verkürzen wir die Entwicklungszeit unserer Kunden bei Design, Implementierung und Wartung von Software und unterstützen deren Dokumentation und Qualitätssicherung.

Wie kamen Sie auf diese Geschäftsidee?

Jacop: Wir haben uns aus dem universitätsübergreifenden Fujaba-Forschungsprojekt heraus gegründet. Federführend im Fujaba Projekt waren die Universitäten Kassel, Paderborn, die Technische Universität Darmstadt, aber auch viele andere Institutionen, unter anderem auch das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam und die RWTH Aachen.

Christian Schneider promovierte damals in der Softwaretechnik und war maßgeblich am Fujaba-Projekt beteiligt. Ich selbst war als Jurist nicht an dem Projekt beteiligt, bin aber bereits seit über 15 Jahren mit Christian Schneider eng befreundet und war einem Wechsel durchaus aufgeschlossen. Wir erkannten schnell das Potenzial der Fujaba Technologie und haben so Zug um Zug gemeinsam mit dem Forschungsteam unsere Geschäftsidee entwickelt. Die Technologie zum Abgleich von Modell-Diagrammen und Quelltext hatte in den Jahren 2006/07 einen bestimmten Entwicklungsgrad erreicht, so dass alle Beteiligten vor der Frage standen, wie die wirtschaftliche Nutzbarkeit aussehen könnte. Uns allen erschien ein Spin-off als geeignete Lösung, so dass Christian Schneider und ich uns für eine Unternehmensgründung entschieden und zahlreiche Mitarbeiter des Projekts übernommen haben.

Wir haben dann Ende 2007 zunächst das Prometheus Projekt gegründet, aus dem ein Jahr später die Yatta Solutions GmbH hervorgegangen ist. Anfangs hatten wir drei Vollzeitstellen, mittlerweile sind wir zu elft und für das nächste Jahr planen wir, uns auf mindestens 15 Mitarbeiter zu vergrößern.

Welche besonderen Hürden mussten Sie während Ihrer Gründung nehmen?

Jacop: Die größte Herausforderung war, aus einer technischen Idee ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Wenn man zum Beispiel einen Businessplan schreibt, muss man ein Modell entwickeln, wie das Unternehmen sich langfristig tragen soll. Womit soll es Geld verdienen? Wie sollen die Produkte hergestellt werden? Wie sollen sie vertrieben werden? Wie soll die Marke des Unternehmens, der Produkte positioniert werden? Wie sehen die Wettbewerber aus? Wie groß ist der Markt und wie adressiert man ihn am besten? Ohne die personellen und auch zeitlichen Ressourcen durch EXIST-Gründerstipendium wäre es uns sicher nicht möglich gewesen, diese umfangreichen Fragen zu bearbeiten.

Was hat Ihnen besonders viel Zeit und Mühe verursacht?

Jacop: Wir mussten die Tragfähigkeit unseres Geschäftsmodells belegen. Hierzu gehören verschiedene Dinge. Zum einen die Finanzplanung. Die muss fundiert sein und dafür ist eine umfangreiche Marktrecherche notwendig. Auch in die Wettbewerbsanalyse mussten wir reichlich Energie investieren, denn Wettbewerber sind nicht nur solche Unternehmen, die vergleichbare Produkte und Dienstleistungen anbieten, sondern können auch Unternehmen sein, die das gleiche Problem mit ganz anderen Mitteln lösen. Ein Schraubenhersteller beispielsweise hat nicht nur andere Schraubenhersteller als Wettbewerber, sondern auch unter Umständen Hersteller für Stahlnägel. Denn, wenn ich etwas an der Wand befestigen will, dann kann ich das entweder an die Wand schrauben oder aber auch anhämmern. Dieser Rundumblick ist für die Softwareentwicklung unbedingt notwendig, denn hier meinen viele irrtümlich, dass man durch ein einzigartiges Produkt auch die einzige Lösung habe.

Wobei wurden Sie durch die Coaches im Rahmen der EXIST-Förderung besonders unterstützt?

Jacop: Wir hatten drei hervorragende Unternehmensberater als Coaches, zu denen wir auch Empfehlungen eingeholt hatten. Über den Unternehmerrat der Universität Kassel einerseits und den Bayerischen Hochschulgründertag andererseits haben wir erstmals den persönlichen Kontakt zu unseren Coaches gesucht. Gemeinsam haben wir unseren Businessplan entwickelt und ein Marketing- und Vertriebskonzept aufgestellt. Gerade der Aufwand für das Marketing- und Vertriebskonzept wird von Gründern häufig unterschätzt. Dabei ist es Grundlage für die Kundenansprache. Aus meiner Sicht ist es aber auch unbedingt notwendig, einen Berater bei der Investorensuche hinzuzuziehen. Ein Berater kann hier besser beurteilen, welcher Investor zu einem passt und eine Vermittlerposition bei den Vertragsverhandlungen übernehmen.

Welche Förderung haben Sie in Anspruch genommen?

Jacop: Begonnen hat alles im Jahr 2008 mit dem EXIST-Gründerstipendium. Die anschließende Weiterentwicklung des Tools mit einem größeren Team wurde von der Hessen Agentur im Rahmen des Programms „Hessen ModellProjekte“ aus der LOEWE-Förderlinie gefördert. Dabei haben wir diverse Verbundvorhaben unter Beteiligung verschiedener Softwaredienstleistern hier aus dem Raum Kassel und der Universität Kassel geleitet. Seit März dieses Jahres werden wir vom Bundesforschungsministerium aus dem Programm KMU-Innovativ gefördert. Von der Unternehmensplanung und -gründung bis zum Unternehmensaufbau haben uns der Inkubator der Universität Kassel und der Lehrstuhl von Prof. Dr. Albert Zündorf in jeder Phase mit Rat und Tat unterstützt und erheblich gefördert.

Die Förderung ist aber nicht alles. Ebenso wichtig, ist für uns, dass wir im Mai 2009 den High-Tech Gründerfonds als Investor für uns gewinnen konnten. Zur Unternehmensgründung haben wir uns natürlich auch mit erheblichen eigenen Mitteln beteiligt. Es ist auch wichtig, dass man als junges Unternehmen möglichst viele Beteiligte – wie Fördermittelgeber, Kunden und Partner, Berater, Mitarbeiter usw. einbindet – und für sich gewinnt. Das Commitment in Form von Kooperationsverträgen, Kontaktvermittlung, Weiterempfehlungen usw., das diese Stakeholder zeigen, bestätigt unseren eingeschlagenen Weg.

Was glauben Sie, hat die Investoren überzeugt?

Jacop: Ich glaube zum einen die Tatsache, dass wir ein hervorragendes Team haben. Wir vereinen in unserem Team sowohl herausragende technische als auch betriebswirtschaftliche und juristische Expertise. Zum anderen war aber auch entscheidend, dass wir auf Basis des Fujaba-Projekts ein Produkt entwickeln konnten, das eine Lücke in der Softwaretechnik geschlossen hat.

Sie engagieren sich als Unternehmer auch für Gründerinnen und Gründer und arbeiten nach wie vor eng mit der Universität Kassel zusammen.

Jacop: Ja, wir sponsorn den Businessplanwettbewerb promotion Nordhessen, wo ich mich auch persönlich als Coach engagiere. Außerdem bringen wir unsere unternehmerischen Erfahrungen als "Alumni" beim Business Angel Network Forum Kiedrich mit ein. Deshalb besuchen wir weiterhin den "Gründermarkt" des Forum Kiedrich, ebenso auch die Veranstaltungen des Unternehmerrats der Uni Kassel sowie zahlreiche andere Veranstaltungen aus der Gründerszene. Darüber hinaus moderiere ich mit Christian Schneider und Christoph Zinser von der LMU München die EXIST-Xing Gruppe, um den Austausch unter EXIST-geförderten Gründerinnen, Gründern und Alumni, aber auch den Transferstellen bundesweit zu unterstützen.

Wir arbeiten natürlich auch weiterhin eng mit der Uni Kassel zusammen und haben zwei sehr erfolgreiche Kooperationsprojekte durchgeführt. Ein weiteres, das über das Bundesforschungsministerium gefördert wird, läuft noch bis 2013. Außerdem arbeiten wir gemeinsam an einem Cluster zur besseren Vernetzung der wissenschaftlichen Softwaretechnik und -entwicklung in Unternehmen.

Zum Abschluss noch ein Tipp für Gründerinnen und Gründer?

Jacop: Ich glaube, die wichtigste Empfehlung ist, zu erkennen, dass es nicht nur um das Produkt allein geht. Man muss das Geschäft als Ganzes sehen. Wie gehe ich die Kunden an. Wie kontaktiere ich sie? Wie trete ich im Markt auf? Und wofür stehe ich eigentlich? Und nicht zuletzt geht es darum, sich auch als Gründer selbst die Frage zu beantworten: Warum mache ich das Ganze und was sind meine persönlichen Ziele?