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Die Gründungsportale


EXIST-Gründerstipendium

Gründungsbeispiel für www.exist.de

Foto der Gründer

v.l.n.r.: Asaf Moses, Philipp Strathausen, Sebastian Schulze, Philipp Abromeit und Kevin Ibeka

Quelle: Foto: UPcload GmbH

„Das Team ist absolut erfolgsentscheidend.“

Interview mit Sebastian Schulze

KURZINFO:

UPcload GmbH
Geschäftsführung: Asaf Moses, Sebastian Schulze
EXIST-Gründerstipendium: 2011
Gründung: 2011
www.upcload.com

Zu lang, zu eng, zu weit: Wer Kleidung im Internet bestellt, kennt das Problem. Der Grund ist: Viele Kunden kennen ihre genaue Konfektionsgröße nicht. Sebastian Schulze, Asaf Moses und Philipp Strathausen haben nun eine Technologie entwickelt, mit der sich per Webcam die exakten Körpermaße erfassen lassen.

Herr Schulze, Sie haben Betriebswirtschaft und Politologie studiert. Asaf Moses ist Volkswirt, und Philipp Strathausen ist Informatiker. Wie kommt man da auf die Idee, ein Verfahren zu entwickeln, das Körpermaße erfasst?

Schulze: Asaf hat während unserer Studienzeit immer mal wieder Kleidung im Internet bestellt, die ihm aber oft nicht richtig gepasst hat. Also hat er sie entweder Freunden angeboten oder zurückgeschickt. Wir haben dabei festgestellt, dass im Textil-Versandhandel die Zahl der Retouren sehr hoch sind, weil Kleidungsstücke nicht passen. Allein in Deutschland wird nahezu jedes zweite bestellte Kleidungsstück wieder zurückgeschickt, was natürlich erhebliche Kosten verursacht. Diese Probleme auf Käufer- und Verkäuferseite waren dann der Ausgangspunkt für unser Geschäftsmodell.

Und das besteht darin, seine Körpermaße genau zu ermitteln und beim Online-Kauf anzugeben.

Schulze: Richtig. Sie stellen sich dazu zu Hause etwa eine Minute vor die eigene Webcam – einmal frontal, einmal im Profil zur Kamera. Die Software, die wir derzeit entwickeln, ist dann in der Lage, automatisiert die Körpermaße einer Person mit Hilfe einer Standard-Webcam exakt zu erfassen. Außerdem speichert die Software die ermittelten Maße, so dass man sie jederzeit wieder abrufen kann.

Mit diesen Maßangaben kann man sich als Kunde dann entweder Maßanzüge oder Maßhemden anfertigen lassen. Oder sie helfen dem Online-User beim Kauf etwa von Hosen oder Hemden dabei, seine Größe zu finden und zu bestellen.

Die Technologie ist aber auch für andere Bereiche, zum Beispiel für Ernährungsberater einsetzbar. Da interessieren sich Menschen nicht nur dafür, wie viele Kilos sie abnehmen, sondern auch, an welchen Stellen sie Gewicht oder auch Umfang verlieren.

Die Idee allein macht noch keinen Unternehmer. Wann stand für Sie fest, dass Sie sich selbständig machen wollen?

Schulze: Eigentlich schon während des Studiums. Wir haben uns schon früh für Entrepreneurship begeistert. Die Idee, selber ein Thema voranzutreiben und ein Unternehmen zu gründen, hat uns von Beginn an fasziniert. Obwohl wir alle drei gute Erfahrungen in größeren Unternehmen gemacht und uns dort auch wohl gefühlt haben. Aber für uns stand fest, dass wir lieber etwas Eigenes aufbauen und Verantwortung tragen wollen.

Wann fiel der Startschuss für Ihre Gründungsvorbereitungen?

Schulze: Während des Studiums haben wir angefangen, erste Ideen zu entwickeln. Nach dem Studium hat Asaf Moses sich intensiver mit der Idee beschäftigt und ein erstes Entwicklungspapier geschrieben. Im Jahr 2009, nach Abschluss unseres Studiums, haben wir uns dann entschlossen, das Thema massiv voranzutreiben und einen dritten Gründer für den Technologiebereich gesucht. Das war dann Philipp Strathausen.

Die Teamzusammensetzung spielt für Sie eine wichtige Rolle. Warum?

Schulze: Weil nicht nur die Idee erfolgsentscheidend ist, sondern vor allem auch das Team, das die Idee umsetzt. Asaf Moses und ich haben einen wirtschaftlichen Background. Da war es notwendig, einen Dritten zu finden, der in ein bereits funktionierendes Gespann passt. Das war nicht so einfach, weil Asaf Moses und ich uns schon sehr gut kannten. Wir kennen unsere Einstellungen, unsere Wertvorstellungen, und wissen voneinander, wie wir uns in verschiedenen Situationen verhalten, auch in Stresssituationen.

Als Philipp Strathausen zu uns gestoßen ist, haben wir sehr darauf geachtet, von Beginn an auch ein persönliches Verhältnis aufzubauen, damit er unsere und wir seine Stärken und Schwächen kennenlernen konnten. Wir haben ganz offen darüber gesprochen, wie wir uns beispielsweise im Erfolgsfall, in Stresssituationen, in Verhandlungen verhalten. Das sind ganz wichtige Punkte, die so gut wie möglich geklärt werden sollten, denn das Team ist der Knackpunkt für den Erfolg.

Für Ihre weitere Vorbereitung haben Sie die Unterstützung der Humboldt-Universität in Berlin in Anspruch genommen.

Schulze: Ja, unser Ansprechpartner ist die Humboldt-Innovation, die Wissens- und Transfer Gesellschaft der Berliner Humboldt-Universität. Sie hat uns beim Antrag für das EXIST-Gründerstipendium unterstützt und steht uns auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Beispielsweise bei der Suche nach einem geeigneten Anwalt oder anderen Personen, die uns mit ihrem Know-how weiterhelfen können. Über die Humboldt-Innovation haben wir auch schnell ein Büro zur Verfügung gestellt bekommen, mit Telefon und Internet, so dass eigentlich die komplette Infrastruktur vorhanden war.

Fachlich werden wir sehr gut von unserer Mentorin, Frau Professorin Beate Meffert vom Institut für Informatik, betreut. Frau Meffert ist dort für den Bereich Signalerkennung und Mustererkennung zuständig und gibt uns sehr viel fachlichen Input. Nicht nur, um unsere Technologie weiterzuentwickeln, sondern auch, um die Meilensteine für unsere Gründungsvorbereitungen festzulegen.

Außerdem haben wir über EXIST einen Coach zur Seite gestellt bekommen, der uns bei Verhandlungen, aber auch bei Fragen der Finanzierung beratend unterstützt. Er hat eigentlich immer Zeit für uns und hat auch dazu beigetragen, dass wir uns als Gründerpersönlichkeiten weiterentwickeln konnten.

Für die Beantragung des EXIST-Gründerstipendiums mussten Sie einen Prototypen bauen. Das ist ungewöhnlich.

Schulze: Ja, der Grund dafür war, dass unsere Idee sehr anspruchsvoll und herausfordernd ist. Wir mussten also erst einmal einen Prototyp entwickeln, um zu zeigen, dass wir in der Lage sind, die Technologie überhaupt zu entwickeln. Das bedeutete für uns einen hohen Aufwand, nicht zuletzt deshalb, weil es schwierig ist, einen Protoypen ohne Finanzierung zu entwickeln. Aber wir haben es geschafft, und im Anschluss hat jeder von uns ein EXIST-Gründerstipendium erhalten, was uns nicht nur den Lebensunterhalt in der Anlaufphase sichert, sondern auch ein Budget für Sachmittel beinhaltet. Davon haben wir bisher einen externen Dienstleister bezahlt, um unser Verfahren benutzerfreundlicher zu gestalten. In diesem Jahr werden wir das Budget voraussichtlich für Mitarbeiter und neue Hardware gut gebrauchen können.

Welche weitere Finanzierung haben Sie in Anspruch genommen?

Schulze: Privates Kapital von klassischen Business Angels, die uns nicht nur mit ihrem Kapital unterstützen, sondern auch mit ihrer Erfahrung als Unternehmer. Dazu gehören die Kompetenzen in verschiedenen Bereichen, beispielsweise im juristischen Bereich oder auch im Aufbau von Unternehmen. Ich halte es für sehr wichtig, dass man als Gründer von den Erfahrungen anderer Unternehmerinnen und Unternehmer profitieren kann und sich immer wieder Rat holt.

Sie haben eine Geschäftsidee, die es so noch nicht gab. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen währen der Vorbereitungsphase die Idee geklaut wird?

Schulze: Diese Angst hatten wir natürlich zunächst. Aber nichtsdestotrotz sind wir immer sehr offen mit unserer Idee umgegangen und haben uns von vielen Professoren und anderen Experten Feedback geholt. Bei den Gesprächen hat man natürlich immer ein gewisses Restrisiko, dass einem jemand die Idee wegschnappt. Dennoch würde ich anderen Gründerinnen und Gründern raten, mit möglichst vielen über seine Idee zu sprechen, denn das Feedback ist unglaublich wertvoll.

Haben Sie noch weitere Tipps für Gründerinnen und Gründern?

Schulze: Netzwerkarbeit ist ganz entscheidend, vor allem in der Gründungsphase. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass man den Markteintritt vorantreibt, dass man sich nicht zu sehr damit beschäftigt, wie das ganze Modell noch breiter ausgelegt werden könnte, sondern dass man sich recht früh fokussiert auf das eigentliche Produkt und zunächst mal einen Prototyp entwickelt. Damit man etwas in der Hand hat und damit an den Markt geht.

Entscheidend ist aus meiner Sicht auch Schnelligkeit, denn gerade das Gründerumfeld ist sehr dynamisch, auch der ganze Markt ist unheimlich in Bewegung. Wenn man zu lange wartet und zu sehr daran feilt, bevor man in den Markt eintritt, wird es schwierig. Deswegen Schnelligkeit, Fokus und Netzwerk sind die drei Schlagworte, die ich als Empfehlung weitergeben würde.

Und wie wird die Zukunft von UPcload aussehen?

Schulze: Ich bin da sehr optimistisch und vom Potenzial der Idee sehr überzeugt. Wir haben vor kurzem eine erste große Finanzierungsrunde abgeschlossen und werden in wenigen Monaten bei einem Online-Maßkonfektionsanbieter live gehen.