Universität zu Lübeck
Keine Sorge: In der Gründerklinik Lübeck müssen Gründerinnen und Gründer nicht unters Messer. Hier wird mit ganz anderen Methoden gearbeitet. Dr. Raimund Mildner stellt sie vor. Er ist Leiter des EXIST III-Projekts für die Universität zu Lübeck, die die Gründerklinik betreibt. "Wir arbeiten präventiv. Das heißt, wir schalten uns zu einem Zeitpunkt ein, an dem wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden in aller Regel noch gar nicht daran denken, ein Unternehmen zu gründen, weil sie noch in ihre wissenschaftlichen Arbeiten vertieft sind."
Präklinische Diagnose
Der Clou ist: Raimund Mildner und seine Mitstreiter schalten sich bereits ein, wenn die jungen Wissenschaftler EU- oder BMBF-Drittmittel für ihr geplantes Forschungsprojekt beantragen. „Natürlich eignet sich nicht jedes Produkt oder Verfahren, das einmal aus einem FuE-Projekt entstehen wird, als Geschäftsidee für ein Unternehmen. Wir schauen uns die Projektvorschläge, die dem Rektorat unserer Universität vorliegen, erst einmal an. Anhand dieser "präklinischen Diagnose" erkennen wir, welche Projekte über ein wirtschaftliches Verwertungspotenzial verfügen. Und dann gehen wir auf das Projektteam zu. Unser Ziel ist es, dass die Teammitglieder so früh wie möglich über eine Existenzgründung und die wirtschaftliche Verwertung der geplanten Forschung nachdenken.“
Dafür, dass Raimund Mildner und seine "präklinischen Diagnostiker" den Wissenschaftlern bereits zu einem so frühen Zeitpunkt "auf den Zahn fühlen", gibt es gute Gründe. Sie haben mit den besonderen Anforderungen an eine Gründung im LifeScience-Bereich zu tun. Im Unterschied zu anderen Hightech-Gründern sind Unternehmensgründungen in der LifeScience-Branche nämlich sehr zeit- und kostenaufwändig, weiß das Team der Gründerklinik. Die Hürden für die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse für Arzneimittel oder Medizin sind hoch Die Zulassungsanforderungen sind sehr streng. Ein Labor, in dem beispielsweise Arzneimittel oder biomedizinische Produkte entwickelt werden sollen, benötigt eine Akkreditierung bzw. Zertifizierung. Hinzu kommt, dass die Life-Science-Branche fast immer einen internationalen Markt bedient, der nach ganz eigenen Spielregeln funktioniert.
Gründerklinik spart Zeit und Geld
„Wer hier auf sich allein gestellt ist, hat es nicht leicht“, sagt Raimund Mildner. „Stellen Sie sich ein typisches Forschungsteam vor, bestehend aus Biomedizinern, Informatikern und Ingenieuren. Dieses Team entwickelt ein Laserinstrument, dessen Aufgabe es sein wird, menschliches Gewebe zu schneiden. Nach zwei bis drei Jahren sind die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten abgeschlossen. Nun überlegen sich die Forscher natürlich, den „Laser“ selbst zu vermarkten. Das Problem ist nur: Um die Zulassungsanforderungen zu erfüllen, eine klinische Prüfung durchzuführen und alle gesetzlichen Auflagen zu erfüllen, müssen sie eine ganze Reihe der Test- und Entwicklungsschritte noch einmal wiederholen bzw. anpassen. Der Zeit- und Kostenaufwand dafür ist immens. Gründerinnen und Gründer, die sich dabei ambulant von der Gründerklinik helfen lassen, haben es leichter.“
Und so sieht die "Behandlung" aus:
Die Gründerklinik prüft schon bei der Antragstellung für Drittmittel die wirtschaftliche Verwertung des angestrebten Produkts oder Verfahrens. Ganz nebenbei verbessern sich damit auch die Chancen für die Bewilligung von Fördermitteln des BMBF oder der EU.
Parallel zu ihrer wissenschaftlichen Arbeit bereiten sich die Projektmitarbeiter systematisch auf ihren Unternehmensstart vor Über den Zeitraum des gesamten FuE-Projektes erhalten sie ein kontinuierliches und kostenfreies Coaching in Sachen Gründungsplanung, Marktrecherche, Patentanmeldung, kaufmännisches Knowhow.
Bereits während der FuE-Phase werden notwendige Zulassungsverfahren und Laborakkreditierungen vorbereitet oder sogar abgeschlossen.
Im Idealfall haben die Gründerinnen und Gründer in spe nach Ablauf des Projektes nicht nur ihre Dissertation, sondern auch ihren Businessplan mit allen notwendigen Zulassungen in der Tasche und können, wenn sie wollen, direkt mit ihrem Unternehmen starten.
Für die Verwertungsplanung der Projektergebnisse stehen den StartUps sowohl während der Projektlaufzeit als auch nach der Gründung regionale Unternehmer mit Rat und Tat zur Seite. Diese "post-operative Betreuung" übernimmt die AG Medizintechnik.
Gründerklinik-Netzwerk
Um all diese Aufgaben bewältigen zu können, braucht die Gründerklinik starke Schultern. Für die sorgt das Team der Gründerklinik: Dazu gehören vor allem die Universität zu Lübeck mit ihrer naturwissenschaftlichen Ausrichtung und die Universitätsklinik Schleswig-Holstein. Beteiligt sind außerdem die regionale Wirtschaft mit dem Cluster LifesScience und vor allem die Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik, der u.a. medizintechnik-relevante Hochschulinstitute und Forschungseinrichtungen des Landes Schleswig-Holstein angehören. Nicht zuletzt ist das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein ein starker Projektpartner. Schnittstelle zwischen Universität und Wirtschaft ist schließlich die Cemet GmbH, eine gemeinnützige Gesellschaft, die von der Universität, dem Universitäts-Klinikum und den regionalen Unternehmen getragen wird.
„Ich bin mir sicher, dass die Gründerklinik dazu beitragen wird, die Zahl der Gründungen auf dem Campus der Uni Lübeck zu erhöhen“, meint Raimund Mildner. „Und zwar gerade deswegen, weil wir so früh auf die Wissenschaftler zugehen. Nicht jeder wird bei dem Gedanken, ein Unternehmen zu gründen, gleich Feuer und Flamme sein. Aber: Je länger man sich mental und fachlich auf eine Unternehmensgründung vorbereitet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man nach Abschluss der Forschungsarbeiten den Sprung in die Selbstständigkeit wagt. Und die Gründerklinik sorgt dafür, dass es auch klappt.“
Grafik
Kontakt
Uni Lübeck und CEMET GmbH
UK-SH, Campus Lübeck
FH Lübeck
AGMT Arbeitsgemeinschaft Medizintechnik
Dr. Raimund Mildner
c/o CEMET
Maria-Goeppert-Straße. 1
23562 Lübeck
mildner@tzl.de (email)
Tel.: 0451 2903-0
Fax: 0451 2903 333
www.somit-fusion.de (www)


EXIST III