Fachhochschule Jena

Ideenfindung: Vor allem darum wolle man sich an der Fachhochschule Jena künftig kümmern, erklärt Arndt Lautenschläger vom Center of Entrepreneurship Jena: „Wir warten nicht mehr auf Gründer und deren Geschäftspläne, sondern gehen selbst auf unsere Forschungsmitarbeiter zu.“ Man wisse nämlich, dass es an der Fachhochschule und anderen Jenaer Wissenschaftseinrichtungen zahlreiche brachliegende Forschungsergebnisse gebe. Die sollen nun aufgespürt, bewertet und – wenn es sich lohnt – im Rahmen einer Existenzgründung genutzt werden. So haben die Projektinitiatoren bei der Vorbereitung ihrer Ideenschmiede festgestellt, dass allein die Fachhochschule von 33 angemeldeten und zwölf erteilten Patenten bisher nur drei nutzt.
Dabei spüren die Jenaer Patentjäger nicht in allen Fachgebieten nach verlorenen Schätzen. Arndt Lautenschläger: „Interessant sind zum Beispiel bei uns an der FH die ingenieurwissenschaftlichen Fachbereiche: also beispielsweise Elektro- und Informationstechnik, Biotechnologie oder Maschinenbau. Und auch bestimmte Unterabteilungen unserer Lichtforscher im Institut für Photonische Technologien.“ Die Betriebswirtschaft sei für solche Gründungsideen weniger relevant. Allerdings brauche man das Know-how der Betriebswirte in den künftigen Gründungsteams.
Auf bestehende Patente zugreifen
Auf bereits bestehende Patente zuzugreifen, ist der erste Schritt. Der habe einen besonderen Charme, so Arndt Lautenschläger: „Da gibt es keine rechtlichen Probleme. Denn wenn noch geforscht wird, steht man vor dem Problem, dass Forschungsergebnisse nicht nach außen dringen dürfen.“ Dennoch ist das Ziel, die kommerzielle Verwertung künftiger Innovationen mehr ins Blickfeld zu rücken. „Unsere Professoren können beispielsweise bei Haus- oder Diplomarbeiten das Thema ‚Verwertung’ einfordern und auch bewerten.“
Verwertungsstrategien erarbeiten
Verwertbare Ideen sollen von interdisziplinären studentischen Gründerteams weiterentwickelt werden. „Die erarbeiten gemeinsam mit den jeweiligen Fachwissenschaftlern und Gründungsexperten unserer Fachhochschule eine Verwertungsstrategie“, weiß Arndt Lautenschläger. Die Erarbeitung dieser Strategien soll in den laufenden Lehrbetrieb eingebunden sein: entweder auf fakultativer Basis. Oder in einem Wahlpflichtfach über ein oder zwei Semester. „Das bedeutet: Nicht das beteiligte Expertengremium wird diese Verwertungskonzepte erarbeiten, sondern unsere Studenten.“
Ob Wahl- oder Pflichtfach: In jedem Fall werden den Studierenden begleitend diverse Qualifizierungsmodule angeboten. Idealziel ist die Weiterentwicklung der erdachten Verwertungskonzepte durch die Gründerteams zu einem Businessplan, und zwar mit Hilfe einer Förderung durch das EXIST-Gründerstipendium. Auf welcher Basis die Gründerteams sich der gehobenen Patenschätze bedienen können, ist nicht festgelegt. Denkbar ist eine Lizenz. Oder aber auch durch eine neue Rolle der Fachhochschule: als Teilhaberin an einem Verwertungsvorhaben.
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