Technische Universität Berlin

Keine Frage: Die TU Berlin bietet ihren gründungsinteressierten Studierenden und Absolventen bereits jetzt ein beachtliches Programm an Information und Beratung zum Thema Gründung: „Es gibt eine Gründungsinitiative, die Studierende, Alumni und Forscherteams berät und viele TU-Gründer beteiligen sich jedes Jahr am Businessplanwettbewerb Berlin-Brandenburg.“, berichtet Agnes von Matuschka vom Career Service der TU Berlin. „Wir haben sogar die Auszeichnung „Ideenschmiede“ in den vergangenen drei Jahren erhalten, weil wir beim Businessplanwettbewerb Berlin-Brandenburg die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen.“ Den Ehrentitel „Ideenschmiede“ darf die Berliner TU dabei mit besonderem Berechtigung tragen: Bei der Zahl der angemeldeten Patente belegt sie nämlich den Spitzenplatz unter den Berliner Hochschulen.
Eigentlich gut, aber nicht gut genug, befinden die „Gründergeist-Beschwörerinnen“ Agnes von Matuschka und Uta Kirchner von der TU Berlin. Sie sind davon überzeugt, dass das Gründungspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist. „Wir wollen den Gründungsgedanken mit Hilfe der Förderung durch EXIST III auf unterschiedlichen Ebenen in die Uni hineintragen. Unser Ziel ist es vor allem, unseren Studierenden die berufliche Selbständigkeit schon zu Beginn ihres Studiums als Option, zum Angestelltendasein vorzustellen, “ erklärt Uta Kirchner.
Dafür wollen die beiden Projektleiterinnen des Career Service sorgen. Der Career Service ist eine anerkannte Institution in der Hochschule. Er dient Studentinnen und Studenten und Absolvent/innen als Anlaufstelle in Sachen berufliche Orientierung und Karriereplanung. Dazu zählt selbstverständlich auch die unternehmerische Selbständigkeit. Und hierzu wird der Career Service künftig drei gewichtige Aufgaben übernehmen: alle Akteure an der TU – vom Professor bis zum Erstsemester – für das Thema „Unternehmensgründung“ zu sensibilisieren, bei der Gründung von Unternehmen zu helfen und diese neuen Aktivitäten mit bereits bestehenden Angeboten zu vernetzen. Dies wird dann auch sichtbar werden mit einer der neuen Internetplattform, die alle Aktivitäten zum Thema Gründung bündeln.
Mit dem „Gründervirus“ infizieren
Möglichst viele Studierende mit dem „Gründervirus“ infizieren: Das wollen Agnes von Matuschka und ihre Kollegin schaffen. Zu diesem Zweck wollen sie, mehr noch als bisher, beruflich selbständige Alumni wieder zurück an die Hochschule lotsen und als Teilzeit-Lehrkräfte gewinnen. „Das wird schon klappen“, ist sich Uta Kirchner sicher: „Aus der TU-Gründerbefragung wissen wir, dass über 70 Prozent der befragten Ehemaligen bereit wären, ihr Gründungswissen an interessierte Studentinnen und Studenten weiterzugeben. Dieses Potenzial wollen wir nutzen.“
Eine besondere Herausforderung besteht darin, auch Professoren davon zu überzeugen, dass nicht nur die wissenschaftliche Forschung, sondern auch die wirtschaftliche Verwertung der Forschungsergebnisse von Bedeutung ist. „Viele Professoren sind dem zwar sehr aufgeschlossen, aber eben auch sehr überlastet. Wir müssen Sie dazu bewegen, das Thema „Unternehmertum“ in die Lehre zu integrieren, z.B. durch Einladung von Unternehmern als wissenschaftliche Referenten in Seminaren und Ringvorlesungen.“ So erreicht das Thema Gründung auch in Veranstaltungen, die primär nichts mit Gründung zu tun haben, die Studierenden. Mittelfristig ist unser Ziel, das jeder Studierende im Laufe des Studiums mindestens einmal mit dem Thema Unternehmertum in Berührung kommt.
Gründerlotsen in allen TU-Fakultäten
Den Gründungsgedanken und den Gründergeist in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen TU-Fakultäten zu verbreiten ist dabei Aufgabe der Gründerlotsen. Sie sind Ansprechpartner für Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter und Absolventen. An sie können sich vor allem diejenigen wenden, die schon konkreter über eine Gründung nachdenken: Sie bekommen hier den Weg zu weiterführenden Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangeboten gewiesen. Umgekehrt melden die Lotsen dem Career Service, welcher Handlungsbedarf an den jeweiligen Fakultäten besteht. Die Ansprüche an die Lotsen sind also vielfältig: Um genügend geeignete Bewerber zu finden soll daher ein Wettbewerb mit allen Fakultäten durchgeführt werden.
Lernen durch Vorbilder
„Sie glauben gar nicht, was gute Vorbilder bewirken können, denn nur wer selbst gegründet hat, kann diese Begeisterung glaubwürdig vermitteln“, sagt Agnes von Matuschka. „Sie sind unheimlich motivierend“. Deshalb lädt der Career Service erfolgreiche Unternehmensgründer ein über ihre persönlichen Erfahrungen zu berichten. Dazu sollen möglichst viele unternehmerisch aktive Professoren und Alumni identifiziert werden und die in der Pressestelle begonnene Gründer-Datenbank weiter ausgebaut werden. Für jeden Gründer soll ein Steckbrief entstehen: mit Angaben zur Gründungsidee, zur Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze und zur Bereitschaft, sich am „Unternehmen Gründergeist“ zu beteiligen.
Unterstützung im Ernstfall
Diejenigen, die ihre Gründungsidee in die Tat umsetzen, werden selbstverständlich tatkräftig unterstützt. Dazu dienen zunächst die Gründerinseln an vier gut wahrnehmbaren TU-Standorten: Dies sind Räumlichkeiten, die z.B. von den EXIST-SEED Gründern genutzt werden können, falls diese die räumliche Nähe zu den Professoren brauchen oder technisches Gerät der Fakultäten nutzen müssen. Daneben wird mit dem GründungsinkubaTUr eine zentrale Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer auf dem TU Campus eingerichtet. „Das wird unsere zentrale One-Stop Anlaufstelle für angehende Gründer“, sagt Agnes von Matuschka. „In diesen Räumen finden Vorträge zu allen Aspekten einer Unternehmensgründung statt. Hier wird es einen Beratungs- und Konferenzraum und sechs Büros für 12 angehende Gründer geben, die sich dort intensiv auf ihren Start vorbereiten und die Gründung mit Gleichgesinnten in Angriff nehmen können.
Eine besonders wichtige Rolle werden dabei auch die Alumni-Angel spielen, ehemaligen Absolventen, die ihr Wissen nicht nur als Dozenten weitergeben, sondern auch als persönliche Mentoren und Coaches die Gründer begleiten.
Von Netzwerken profitieren
Wie schaffen wir es das Gründungspotenzial aus der Wissenschaft zu erhöhen? Diese Frage wolle man mit anderen erfahrenen Universitäten und Netzwerken diskutieren, ergänzt Agnes von Matuschka. „Dieser Erfahrungsaustausch mit anderen EXIST-Netzwerken steht bei uns ganz weit oben auf der Agenda. Nicht zuletzt, um Fehler zu vermeiden.“
Zu diesen Netzwerken gehören neben dem Berliner Netzwerk B!Gründet und anderen Gründungsinitiativen in Berlin vor allem auch der Austausch mit den EXIST-Regionen PUSH! und dresden exists. Eine Verzahnung schaffen die EXIST-Geister darüber hinaus mit dem Projekt „Power für Gründerinnen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, das im Februar 2007 an der TU Berlin startet.
„Dieser Gründergeist wird sich nicht überall und bei allen von heute auf morgen einstellen“, sagt Agnes von Matuschka zum Schluss. „Wie sagte Winston Churchill: "Mit dem Geist ist es wie mit dem Magen. Man kann ihm nur Dinge zumuten, die er verdauen kann". Und doch wirkt der Unternehmensgeist schon: Die Hochschulleitung diskutiert darüber, das Thema „Unternehmertum“ in die Berufungskriterien sowie in die Zielvereinbarung der Fakultäten einzubinden. Das wird dem Projekt zusätzlich Rückenwind verschaffen.
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