Universität des Saarlandes

Mit der Schließung der meisten Zechen und Hochöfen ist die glanzvolle Kohle- und Stahlära im Saarland vorbei. Neue Wege mussten erschlossen werden, um für Arbeit zu sorgen. Mit dabei: die Universität des Saarlandes. Seit 1995 unterstützt sie erfolgreich Absolventen bei der Gründung innovativer Unternehmen. Nun wird das Thema „Existenzgründung“ auch in den Bachelor- und Masterstudiengängen verankert. Das Ziel: Bereits Studienanfänger sollen die berufliche Selbständigkeit als berufliche Alternative zur Angestelltentätigkeit erkennen.
„Selbständigkeit passiert im Kopf“, sagt Wolfgang Lorenz von der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer des Universität des Saarlandes. „Nur wer die unternehmerische Selbständigkeit überhaupt als berufliche Perspektive wahrnimmt, kann darüber nachdenken, ob sie für ihn in Frage kommt“. Davon, dass sich bald noch mehr Köpfe an der Universität des Saarlandes Gedanken über eine Unternehmerkarriere machen werden, ist Wolfgang Lorenz fest überzeugt.
So früh wie möglich an Existenzgründung denken
So soll es zukünftig im Optional- bzw. Wahlbereich der Bachelor- und Masterstudiengänge Informatik, Bioinformatik, Computer- und Kommunikationstechnik, Biotechnologie sowie fast aller Studiengänge der Geschichts-, Kultur- und Sprachwissenschaften das Studienangebot „Existenzgründung“ geben. Zwar existierten an der Saarland-Uni auch in der Vergangenheit schon Angebote für Gründungsinteressierte, so etwa die drei erfolgreichen Starterzentren, die Gründerinnen und Gründern Räumlichkeiten und Betreuung zur Verfügung stellen. Doch die wurden meist nur von Studenten und Absolventen wahrgenommen und genutzt, die die Selbstständigkeit bereits „im Kopf hatten“. Nun, durch die Einbindung in die Studiengänge, werden auch Studentinnen und Studenten darauf aufmerksam, die beim Stichwort „Existenzgründung“ bislang allenfalls an Sartre oder Camus denken.
Dabei ist das „Studienangebot Existenzgründung“ nicht das einzige Optionalangebot. Daneben stehen beispielsweise Sprach-, und Rhetorikkurse oder Qualifizierungsangebote zum Europäischen Management zur Auswahl. Wolfgang Lorenz: „Das bedeutet: Wir stehen in Konkurrenz zu den anderen Offerten. Das bedeutet weiterhin, dass wir die Studierenden von den Vorteilen unseres Angebots überzeugen müssen“. - Bei dieser Überzeugungsarbeit helfen sollen drei besondere Module.
Modul 1: Branchenorientierte Workshops
Allgemeines Gründungs-Know-how wird hier auf den Branchen-Punkt gebracht. Zwar bietet das „Studienangebot Existenzgründung“ das notwendige betriebswirtschaftliche Wissen, um ein Unternehmen zu gründen und zu führen. „Dennoch“, räumt Wolfgang Lorenz ein „funktioniert jede Branche nach eigenen Spielregeln. Nehmen Sie die Beispiele Informatik oder Ingenieurwissenschaften. Unsere Erfahrung ist: Unsere Absolventen sind hoch qualifiziert. Aber wenn sie ein Unternehmen eröffnen möchten, haben sie keine Ahnung, wie sie da herangehen sollen. Ähnlich ist es bei den Geisteswissenschaftlern: Viele arbeiten direkt nach dem Studium als Freiberufler. Aber wo lernen sie, wie sie ihre Honorare kalkulieren müssen? Wie finden sie Auftraggeber? Oder wie wichtig sind für Naturwissenschaftler die Themen Patentierung und Finanzierung?“ Antworten auf diese und andere Fragen erhalten die Studierenden im praxisnahen Erfahrungsaustausch. Solche Branchen-Workshops werden angeboten für Informationstechnologie, Bio-, Nano- und Ingenieurwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften.
Modul 2: Gründer-Cups
Für jede Branche, für die einer der oben vorgestellten Workshops angeboten wird, gibt es auch einen Gründer-Cup. Hier treten bis zu fünf Gründerteams gegeneinander an. Mit Hilfe einer Software absolvieren sie ein Gründungstraining und spielen ein virtuelles Unternehmens-Planspiel. Wer am Markt besteht, gewinnt. Neu sind diese Gründer-Cups nicht: Sie wurden schon vorher ein- bis zweimal pro Jahr veranstaltet und haben großen Anklang gefunden. Nun sollen sie mit Hilfe von EXIST III ausgebaut werden. Voraussetzung für die Teilnahme ist allerdings, dass die Bewerber den Optionalbereich „Existenzgründung“ gewählt haben.
Modul 3: jUNit - junge Unternehmer im Training
Hier machen sich Studierende mit einer vorgegebenen Gründungsidee tatsächlich selbständig. Auch die ersten Aufträge gibt es schon. Auftraggeber sind beispielsweise ein Unternehmen aus der Region oder die Uni selbst. Die Anmeldung des Unternehmens, die Finanzierung, die Auftragsabwicklung, den Überblick über die Unternehmenszahlen zu behalten: Das alles gehört zu den Aufgaben des Test-Unternehmers oder auch eines Unternehmerteams. „Der Gründer-Cup ist ein Spiel im geschützten virtuellen Raum“, erklärt Wolfgang Lorenz.“ Bei jUNIt wird es ernst. Mit diesem Test wollen wir die Studierenden auf das wirkliche Unternehmerleben vorbereiten. Wer schon einmal erfahren hat, wie es ist, Unternehmer zu sein, hat keine Angst mehr davor. Im Gegenteil: Er kommt auf den Geschmack“.
Feste Größe in der regionalen Wirtschaftsförderung
Bei dem Angebot wird es so manchem Studierenden schwer fallen, sich nicht für das „Studienangebot Existenzgründung“ zu entscheiden. Auf den Geschmack gekommen ist – angesichts all dieser Angebote - selbst die zuvor eher skeptische Studierendenvertretung der Saarland-Uni, der ASTA. Er hat die politische Bedeutung der Unternehmerausbildung erkannt und will sogar ein eigenes Referat einrichten.
Dabei werden die wenigsten Studentinnen und Studenten wissen, wie wichtig ihre Entscheidung für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung des Saarlandes sein kann. Wolfgang Lorenz: „Lange Zeit war es so, dass unsere Absolventen hier im Saarland keine adäquaten Jobs bekommen haben und in andere Bundesländer gegangen sind. Mittlerweile können wir über 170 Gründungen vorweisen, die hier in der Region über 1.000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Kurz: Unsere Absolventen finden hoch qualifizierte Jobs in Unternehmen, die von ihren Kommilitonen gegründet wurden.“
Kontakt
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