Universität zu Köln
Fachhochschule Köln
Deutsche Sporthochschule Köln

Die Kultur eines wissenschaftlichen Gründergeistes in der Region Köln weiter zu entwickeln und langfristig zu etablieren, um so die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen und der Region Köln zu stärken: Das hat sich das Kölner EXIST-III-Projekt „KoKoN“ auf die Fahnen geschrieben. Projektpartner sind die Universität zu Köln, die Fachhochschule Köln sowie die Deutsche Sporthochschule Köln. Einbezogen werden darüber hinaus das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Fraunhofer-Institutszentrum Schloss Birlinghoven (IZB), das Forschungszentrum Jülich GmbH sowie das in Gründung begriffene Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln.
Ziel: Gründungsförderung bündeln
KoKoN kann auf einem soliden Fundament von Gründungsförderung in der Region aufbauen: beispielsweise dem Businessplan-Wettbewerb des Verbandes Neues Unternehmertum Rheinland e.V. (NUK) oder dem hochschulgründernetz cologne (hgnc), das seit nunmehr zehn Jahren Informationsveranstaltungen zum Thema „Existenzgründung“ anbietet, Workshops zur Erarbeitung eines Businessplans veranstaltet oder Gründerplanspiele durchführt. So weit, so gut. Aber: „Die Förderung von akademischen Gründungsinitiativen geschieht eher zufällig“, sagt Detlef Schoder. „Sie ist noch nicht eng genug gebündelt, nicht auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet und entsprechend wenig auf einander abgestimmt“. Das soll sich im Rahmen von EXIST III nun ändern. Detlef Schoder ist Professor für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der Universität zu Köln. Außerdem ist er Direktor des „Center for Scientific Entrepreneurship and Transfer" (CENSET), das die Aufgaben von KoKoN und die Umsetzung beschlossener Maßnahmen koordiniert.
KoKoN steht dabei für „Koelner Kompetenz-Netz für technologieorientierte und wissensbasierte Gründungen aus Hochschulen“. „Es geht uns also vor allem um Gründungen aus den naturwissenschaftlichen, den Life-Science- und auch sonstigen technischen Fakultäten“, erläutert Detlef Schoder die KoKoN-Ziele. „Wissensbasiert’ spielt auf die Geisteswissenschaften an. Auch die sind bei uns mit im Boot.“
Zielgruppen: wissenschaftlicher Mittelbau
Zielgruppen sind Professoren und der so genannte Mittelbau. Detlef Schoder: „Unter Mittelbau verstehen wir wissenschaftliches Personal, das promoviert, sich habilitiert, Forschungsgruppen leitet. Unter dem Strich also alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Innovationen zu tun haben und häufig das Potenzial für Erfolg versprechende Ausgründungen mitbringen.“ Speziell bei ihnen mangele es aber oft am kommerziellen Blick auf ihre Arbeit oder an der Bereitschaft, eine Idee unternehmerisch zu verwerten. „Nicht wenige sind sehr entfernt von dieser Welt. Da sagen nun viele Bedenkenträger, Unternehmergeist könne man nicht vermitteln, den muss man in den Genen haben. Wir denken aber schon, dass man Gründungsbereitschaft positiv beeinflussen kann. Indem wir nämlich den Blick auf den bunten Schmetterling, der dem grauen Kokon entspringt, schärfen.“
Kongress und Seminare
Das wird zunächst in einer Phase der Sensibilisierung und Motivation geschehen. Diese soll mit einem Paukenschlag beginnen: mit einem Scientific-Entrepreneurship-Kongress als Auftaktveranstaltung. „Hier werden wir die vielfältigen Gründungsinitiativen in der Region, die den Scientific-Entrepreneurship-Prozess beflügeln können, zusammenbringen“, sagt Dr. Dr. Richard Geibel, einer der Geschäftsführer des CENSET. „Wir werden über ihre Erfahrungen diskutieren und Benchmarks für die weitere Arbeit ermitteln.“ Über den Kongress hinaus ist geplant, das Angebot von Workshops, Seminaren und Planspielen auszubauen.
Entrepreneur-Akademie und Transferstellen
In einer folgenden zweiten Phase geht es um die Qualifizierung und Gründungsvorbereitung potenzieller Scientific Entrepreneure. Christian Schmitt: „Wir werden beispielsweise eine Scientific-Entrepreneur-Akademie schaffen. Dies wird eine Summer School sein, also eine sehr intensive Veranstaltung, die fachübergreifende Kontakte ermöglicht und kompakt alles behandelt, was zu einer Gründung gehört. Dazu werden neben einer Patentberatung sicherlich auch Übungen gehören, in denen erfahrene Praktiker vermitteln, wie man einen Businessplan schreibt oder eine Finanzierung auf die Beine stellt.“
Zudem sollen sich fachbezogene Transferstellen damit beschäftigen, wie sich Forschungsergebnisse in Geschäftsideen umwandeln lassen. Die erste Transferstelle für Ambient Intelligence und Medieninnovation (TrAM) wird am Seminar für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement aufgebaut. „Alle Kollegen und Professoren sind aufgerufen, ihre eigenen Transferstellen zu schaffen“, ergänzt Christian Schmitt. „Um in ihren Themenfeldern Ideen zu kultivieren und womöglich zu Businessplänen weiterzuentwickeln mit dem Ziel der ein oder anderen Ausgründung. Und wir helfen ihnen dabei.“
Coaching und Mentorship
Um Ausgründungen schließlich in die Tat umzusetzen und aus einem theoretischen Businessplan ein lebensfähiges Unternehmen zu machen, wollen die Kölner KoKoN-Akteure künftige Gründerinnen und Gründer zudem durch Coaching, ein Scientific-Entrepreneur-Mentorship, unterstützen. Dafür werden ihnen erfahrene Unternehmerinnen und Unternehmer zur Seite gestellt, um das Gründungsvorhaben zu begleiten und zum Erfolg zu führen. Und dass Erfolge möglich sind, haben erfolgreiche Gründungen in der jüngeren Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen: beispielsweise der WPX GmbH, die einen besonders hitzebeständigen Werkstoff herstellt und vertreibt. Erfunden wurde er im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Genutzt wird er u.a. für den Hitzeschild des amerikanischen Spaceshuttles.
Neue Rolle der Professorenschaft
Wichtiger Baustein des Kölner KoKoN-Ansatzes sei, so Detlef Schoder, dass man der Professorenschaft eine neue Rolle zuweise: Sie soll künftig auch für den Transfer von Forschungsergebnissen sorgen. „Das ist ja das, was das Hochschulfreiheitsgesetz, das zu Beginn 2007 in Kraft getreten ist, auch will. Es schreibt den Transfer neben der Forschung und Lehre den Hochschulen als verbindliche Aufgabe ins Pflichtenheft.“ Vor diesem Hintergrund müsse das Selbstverständnis des Professors womöglich neu gedeutet werden, meint Detlef Schoder. Und sein Bild neu gezeichnet, sei ergänzt: als Schmetterlingsfänger auf der blühenden Forschungswiese.
Kontakt
CENSET gemeinnützige GmbH
Center for Scientific Entrepreneurship and Transfer
Dr. Richard Geibel
Pohligstraße 1
50969 Köln
Tel.: 0221 470-5399
Fax: 0221 470-5383
geibel@censet.eu (email)
www.censet.eu (www)


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