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"Wir konzentrieren uns darauf, erste operative Erfolge der Start-ups zu skalieren."

Dr. Isabelle Canu Dr. Isabelle Canu
© coparion/Thorsten Futh

Dr. Isabelle Canu ist Head of Operations bei coparion. Der Co-Investmentfonds hat ein Fondsvolumen von 225 Millionen Euro und wurde mit Unterstützung des ERP-Sondervermögens und der KfW Bankengruppe gegründet, um junge Technologieunternehmen in der Wachstumsphase zu unterstützen. Coparion hat seit 2016 in 22 Unternehmen investiert, dazu gehören die vier EXIST-geförderten Teams 3YOURMIND, GridX, Shyftplan und VirtualQ.

Frau Dr. Canu, welche Unternehmen hat coparion im Fokus?

Dr. Canu: coparion investiert in kleine und mittlere Unternehmen mit innovativen Produkten oder Dienstleistungen und überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial. Die Unternehmen dürfen nicht älter als zehn Jahre alt sein, so dass sich coparion zum Beispiel gut für Start-ups eignet, die eine erste Finanzierungsrunde hinter sich haben und eine gute Traktion, also einen quantitativen Beleg für ihre Kundennachfrage, vorweisen können.

Wie funktioniert coparion?

Dr. Canu: Die Start-ups schicken uns zunächst ein Pitch-Deck, auf dessen Basis wir eine erste Einschätzung treffen. Daran schließt sich gegebenenfalls ein persönliches Treffen an. Manche Start-ups teilen uns dabei bereits mit, wer ihr Co-Investor ist. Andere unterstützen wir dabei, einen Co-Investor zu finden, der nicht nur für uns, sondern auch für das Start-up geeignet ist.

Im nächsten Schritt steigen wir dann in die Due Diligence ein. Das heißt, wir schauen uns das Unternehmen genau an und achten dabei vor allem auf erste Erfolge wie zum Beispiel Umsätze, Schlüsselkunden oder eine erfolgreiche Produkteinführung. Dabei kommt es aber auch auf die Branche an. Bei Start-ups aus den Life-Sciences oder dem Hightech-Bereich, wie zum Beispiel der Künstlichen Intelligenz, erwarten wir nicht zwingend Umsätze. Da schauen wir uns an, welches Potenzial in der Technologie, dem Team und dem Geschäftsmodell steckt. Von Softwareunternehmen erwarten wir dagegen schon erste Umsätze.

Und wie sieht die Finanzierung aus?

Dr. Canu: Wir beteiligen uns an den Unternehmen. Pro Unternehmen investieren wir bis zu 10 Millionen Euro, meist in mehreren Finanzierungsrunden zu je 0,5 bis 5 Millionen Euro. Wobei sich die Beteiligungsform und -höhe in Absprache mit dem Co-Investor erfolgt. Das Investment erfolgt ja immer gemeinsam mit einem privaten Finanzinvestor, der sich mit gleichem Volumen und zu wirtschaftlich gleichen Konditionen beteiligt.

Welche weitere Unterstützung bietet coparion an?

Dr. Canu:  Wir sind bei den meisten Unternehmen im Beirat oder Aufsichtsrat und begleiten das Wachstum aktiv. Wir stehen für Fragen zur Verfügung, insbesondere wenn es darum geht, zukünftige Finanzierungslücken zu schließen und können bei Bedarf dank unseres umfangreichen Netzwerks geeignete Ansprechpartner hinzuziehen. Darüber hinaus bieten wir Workshops zum Beispiel zu Themen wie Vertrieb, Business Development, Personal, Exit Finanzierung oder Internationalisierung an und fördern dabei auch den Austausch unter den Teams. Im Prinzip unterscheiden wir uns hierbei nicht von anderen Venture Capital-Fonds. 

Worin unterscheidet sich coparion zum Beispiel vom High-Tech Gründerfonds?

Dr. Canu: Der High-Tech Gründerfonds ist ein Finanzierer für die Frühphase. Wir konzentrieren uns dagegen darauf, erste operative Erfolge der Start-ups zu skalieren. Dabei können wir die Unternehmen sehr lange, über mehrere Finanzierungsrunden hinweg, begleiten. Und wir können bis zu zehn Millionen Euro pro Unternehmen investieren, in besonderen Fällen auch mehr.

Gibt es typische Fehler, die Ihnen bei Bewerbern immer wieder auffallen?

Dr. Canu: Ungünstig ist es, wenn Probleme nicht offen angesprochen werden und erst im Rahmen der Due Diligence ans Licht kommen. Das schafft kein Vertrauen. Darüber hinaus sehen wir oft überzogene Vorstellungen beim Unternehmenswert und deutliche Abschläge im Laufe der Verhandlungen. Das macht natürlich keinen besonders guten Eindruck. Häufig wird auch die Gefahr von „Down Rounds“ in Folgefinanzierungen nach zu hohen Bewertungen in vorherigen Finanzierungen massiv unterschätzt. Eine sogenannte Downround findet statt, wenn eine neue Finanzierungsrunde zu einer Firmenbewertung durchgeführt wird, die unter der Bewertung der letzten Finanzierungsrunde liegt.

Das passiert zurzeit gar nicht so selten und ist ein echter „Beinbruch“ für die weitere Entwicklung des Start-ups. Unter dem Strich stellen wir aber fest, dass die Qualität der Teams und der Geschäftsmodelle, die zu uns kommen, sehr hoch sind. 

Stand: Juli 2018