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Ferroelectric Memory GmbH

Ferroelectric Memory GmbH Dr. Stefan Müller (3.v.l.), Menno Mennenga (3.v.r.), Marko Noack (2.v.r.) und ihr Team
© Ferroelectric Memory GmbH

„In Deutschland ist man eher datenfokussiert, in den USA geht es eher darum, eine Geschichte zu erzählen und die Leute von seiner Idee zu begeistern.“

Interview mit Dr. Stefan Müller

Als Gründer im Hightechbereich wurden Dr. Stefan Müller, Menno Mennenga und Marko Noack bei ihrem Sprung ins Unternehmertum mit EXIST-Forschungstransfer gefördert. Ein Aufenthalt im Silicon Valley mit dem German Accelerator sorgte für zusätzlichen Rückenwind. Damit ist das Team der Technischen Universität Dresden gut aufgestellt, um seine Datenspeichertechnologie auf den Markt zu bringen.

Herr Dr. Müller, Sie haben zusammen Menno Mennenga und Marko Noack die Ferroelectric Memory GmbH im Bereich der Halbleitertechnologie gegründet. Was bieten Sie an?
Dr. Müller: Wir sind ein klassisches Hardware-Start-up und sind in der Computer- und Speicherchip-Fertigung tätig. Mit unserer neuartigen Datenspeichertechnologie reduzieren wir den Energieverbrauch bis zu einem Faktor 1.000, wenn zum Beispiel neue Daten in den Datenspeicher oder die Datenstruktur hineingeschrieben werden. Das betrifft Handys, USB-Sticks oder auch Festplatten: Die Industrie sucht hier immer wieder nach Lösungen und unsere Technologie besitzt Eigenschaften, die über die heutzutage etablierten Technologien deutlich hinausgehen.

Sie haben Ihr Produkt, Ihre Technologie bei der NaMLab gGmbH, einem An-Institut der TU Dresden, entwickelt. Bei Ihren Gründungsvorbereitungen wurden Sie dann durch das Gründungsnetzwerk dresden exists unterstützt.
Dr. Müller: Ja, dresden exists hat uns sehr stark vor allem bei der Antragstellung für EXIST-Forschungstransfer unterstützt. Da geht auch nochmal ein großer Dank von meiner Seite an Dr. Pankotsch und sein Team, das auch während der EXIST-Phase immer verfügbar war. Das hat wirklich sehr geholfen.

Natürlich gab es auch die eine oder andere Hürde bei der Gründung. Letzten Endes hat aber alles sehr gut funktioniert, nicht zuletzt, weil wir von der Phase I nahtlos in die Phase II der EXIST-Förderung übergehen konnten – das war 2017. Damals konnten wir beim High-Tech Gründerfonds dann auch noch ein Investment einwerben. Und 2018 hatten wir die Chance, am German Accelerator Programm teilzunehmen.

Wo waren Sie mit dem German Accelerator?
Dr. Müller: Ich war von Januar bis März 2018 im Silicon Valley. Der Aufenthalt und die Betreuung durch den German Accelerator hat uns sehr dabei geholfen, mit amerikanischen Investoren ins Gespräch zu kommen. Im Ergebnis konnten wir dadurch unsere Serie-A-Finanzierung, also die erste große 5-Millionen-Dollar-Runde, im Mai 2018 abschließen. Inzwischen konnten wir übrigens eine 20-Millionen-Serie-B-Finanzierung durchführen. Das heißt, wir sind von der Finanzierungsseite her bisher sehr gut durchgekommen.

Gab es in den USA auch so eine Art Aha-Erlebnis für Sie?
Dr. Müller: Ich glaube, was nahezu jedem deutschen Ingenieur in den USA und vor allem im Silicon Valley auffällt, ist die ganz andere Mentalität und Herangehensweise an bestimmte Dinge. In Deutschland ist man eher datenfokussiert, in den USA geht es dagegen eher darum, eine Geschichte zu erzählen und die Leute von seiner Idee zu begeistern. In Amerika scheut man sich nicht davor, seine Vision zu kommunizieren und groß aufzuziehen. In Deutschland geht man eher einen Schritt nach dem anderen. Da stellt man nicht unbedingt die große Vision in den Vordergrund. Meiner Ansicht nach kann man sich als deutscher Ingenieur aber ruhig eine Scheibe von den Amerikanern abschneiden, denn die „Story“ ist bei der Überzeugungsarbeit gegenüber Kapitalgebern einfach wichtig.

Konnten Sie auch Kontakte zu Pilotkunden oder anderen Geschäftspartnern in den USA knüpfen?
Dr. Müller: Absolut. Im Hochtechnologiebereich ist das Interesse von strategischen Investoren sehr hoch. Die sind meistens im Halbleiter- und Speichertechnologiebereich mit eigenen Unternehmen unterwegs und investieren strategisch in neuartige Technologien. Im Rahmen des German Accelerator Programms konnten wir daher nicht nur mit den Investoren sprechen, sondern bekamen auch Zugang zu deren Unternehmen.

In Ihrem Mitarbeiterteam sind neben US-Amerikanern viele andere Nationalitäten vertreten. Wie sah das Teambuilding bei Ihnen bisher aus?
Dr. Müller: Unser Team besteht aktuell aus 20 Personen aus mehr als zehn unterschiedlichen Nationen. Wir haben Mitarbeiter aus China, aus Indien, aus Pakistan, aus den USA, aus Armenien. Das ist ganz bunt gemischt. In unserer Branche besteht ja die große Herausforderung, Leute mit Erfahrung in der Speichertechnologie zu finden. Das uns das bisher gut gelungen ist, darüber freue ich mich natürlich sehr.
Es ist schließlich nicht so einfach, Ein Team zu finden, das das ganze Vorhaben mit anpackt und das Unternehmen mit aus der Taufe hebt. Dabei ist das ein Thema, das von Anfang in der EXIST-Forschungstransfer-Phase ganz wichtig ist. Von daher kann ich auch anderen Gründern nur empfehlen, frühzeitig ein Kernteam zu formieren, das das Unternehmen gemeinsam gründet.

Sie haben aus der ganzen Welt Mitarbeiter nach Dresden gelockt. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Dr. Müller: Das war ein ganzes Stück Arbeit. Angefangen habe ich in den digitalen Netzwerken, wo ich nach potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit geeigneten Qualifikationen gesucht habe. Am Anfang macht man ja alles selbst. Inzwischen sind wir dazu übergegangen, mit Personalberatern zu arbeiten, die sich in der Branche auskennen und uns Bewerber aus der ganzen Welt vorstellen.

Thema IP: Das Patent für Ihre Technologie ist Eigentum der NaMLab gGmbH. Wie sah es mit der Übertragung der Patentrechte aus?
Dr. Müller: Beim Thema IP-Verwertung hatten wir tatsächlich etwas zu kämpfen, damit wir von unserem Institut die notwendigen Schutzrechte übertragen bekommen haben. Das war eine große Herausforderung. Ich bin aber glücklich, dass wir da am Ende des Tages eine Lösung gefunden haben.

Worin bestand das Problem?
Dr. Müller: Ich denke, das ist so eine systeminhärente Schwierigkeit. Es gibt auf der einen Seite die eigenen Verwertungsinteressen der Universitäten und der Institute, auf der anderen Seite sind die Universitäten aber auch angehalten, Start-ups aus der Wissenschaft zu unterstützen. Die sind wiederum auf die Übertragung der IP-Rechte angewiesen. In der Regel ist dies die Grundvoraussetzung dafür, als Start-up ein Investment zu erhalten. Von daher bin ich froh, dass wir eine Lösung gefunden haben und dass wir als Start-up mit der NaMLab gGmbH eine Lizenzvereinbarung schließen konnten. Damit ist das An-Institut am Gewinn unseres Unternehmens beteiligt.

Das hört sich alles ziemlich perfekt an. Gibt es trotzdem etwas, was Sie rückblickend eventuell anders machen würden?
Dr. Müller: Im Hightech-Bereich ist es ganz wesentlich, sich frühzeitig mit dem Aufbau eines Investorennetzwerks zu beschäftigen. Das muss man auf jeden Fall selbst in die Hand nehmen, weil man als Ingenieur oder Entwickler des Produkts die Investoren am besten mitnehmen kann, also am besten die Technologie erklären kann. Man sollte nicht darauf bauen, dass ein Berater oder Business Angels einem dabei hilft, sondern selbst das Heft in die Hand nehmen. Was wir schon viel früher hätten machen sollen: so viel wie möglich mit anderen Gründungsteams sprechen. Die stehen meistens vor ähnlichen Herausforderungen, so dass der Austausch zu denkbaren Lösungen wirklich hilft. Dazu sind die Veranstaltungen im Rahmen von EXIST-Forschungstransfer wirklich klasse. Das hat uns zu Beginn enorm geholfen.

Wie sehen die nächsten Schritte der Ferroelectric Memory GmbH aus?
Dr. Müller: In den nächsten drei Jahren werden wir die Speichertechnologie mit unseren Entwicklungspartnern aus der Halbleiterfertigung an Markt einführen. Unser Ziel ist es außerdem, in den nächsten zwei Jahren von aktuell 20 auf 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzuwachsen. Mit dem verstärkten Team wollen wir dann weitere Halbleiterproduzenten für unsere Technologie gewinnen.

Stand: Januar 2020

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