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Framework Robotics GmbH

Framework Robotics GmbH v.l.n.r.: Robert Balduhn, Nico Günzel und Maximilian Hackl
© Leibniz Institut für Ostseeforschung in Warnemünde, Kristin Beck

„Als Gründer muss man vor allem zwei Fragen beantworten: Welches Problem kann ich mit meiner Lösung bewältigen? Wer ist mein Kunde?“

Interview mit Nico Günzel

Nahrungsmittel-, Rohstoffquelle und Transportweg: Die Frage, was die Weltmeere alles zu bieten haben, ist weltweit Gegenstand der Forschung. Dabei sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Unternehmen auf Hightech-Unterwassersysteme angewiesen, die dem Druck der Wassertiefen standhalten und eine möglichst einfache Anwendung erlauben. Mit der von ihm entwickelten modularen Plattform für Unterwassersysteme will das Gründungsteam von Framework Robotics aus Rostock nun neue Standards setzen. Bei seinen Gründungsvorbereitungen wurde es vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde unterstützt.

Herr Günzel, Sie haben gemeinsam mit Ihren Kollegen eine neuartige Plattform für Unterwassersysteme entwickelt. Worum geht es genau?
Günzel: Wir haben einen neuen Standard für technische Unterwassersysteme, wie Tauchroboter, Unterwassergeräteträger usw. geschaffen. Bei den herkömmlichen Systemen sieht es immer noch so aus, dass die vielen elektronischen Komponenten, die zum Beispiel für die Propeller oder Greifarme eines Tauchroboters notwendig sind, jeweils in einem druckstabilen Behältnis aus Edelstahl oder Titan installiert werden. Das Ganze wird dann in einem starren Gerüst verbaut. Der Nachteil bei diesen konventionellen Tauchrobotern ist, dass diese Systeme wenig anpassungsfähig, sehr teuer, empfindlich und schwer zu handhaben sind. Der Nutzer kann sie weder einfach reparieren noch ein Upgrade oder andere Änderungen vornehmen. Das kann nur eine Werkstatt oder ein Labor übernehmen.

Und das ist bei Ihrem System anders?
Günzel: Ja, unsere Plattform ist modular aufgebaut. Das heißt beliebige Unterwassersysteme können individuell an die Bedürfnisse des Nutzers angepasst werden. Unsere Komponenten sind druckneutral vergossen und ermöglichen dank neuer Herstellungsverfahren einen ganz einfachen Zugang zu allen vergossenen elektronischen Komponenten. Das ist im Grunde wie ein Gehäuse mit Deckel, den man nur zu öffnen braucht. Dadurch werden die Komponenten leichter und der Anwender kann selbst Einzelteile reparieren oder austauschen. Das reduziert nicht nur Kosten, sondern auch Zeit. Entscheidend ist außerdem, dass unsere Komponenten sehr robust sind. Das heißt, sie können in Wassertiefen von mehreren Tausend Metern eingesetzt werden.

Wer setzt solche Systeme ein?
Günzel: Das sind vor allem Off-Shore-Dienstleistungsunternehmen. Wenn zum Beispiel Windparks gebaut werden, müssen vorab Umweltverträglichkeits- und Baugrunduntersuchungen am Meeresgrund durchgeführt werden, um festzustellen, ob sich Hindernisse im Meeresgrund befinden oder Habitate von Lebewesen geschützt werden muss. In der Ost- und Nordsee sind auch Altlasten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ein Problem: Bomben, Munition und solche Dinge, die dann geborgen werden müssen, bevor zum Beispiel eine Pipeline verlegt wird.

In welchem Kontext haben Sie diese Plattform entwickelt?
Günzel: Robert Balduhn und ich haben uns schon während unseres Masterstudiums in Schiffbau und Meerestechnik an der Universität Rostock intensiv mit druckneutralen Systemen beschäftigt. Wir hatten damals bereits die Idee, modulare Unterwassersysteme so zu gestalten, dass die Betreiber selbst ihr System je nach Tauchzweck aufbauen und anpassen können.

Dass wir unsere Idee zu einem Produkt weiterentwickeln und nach dem Studium ein Unternehmen gründen werden, war eigentlich schon relativ früh klar. Wir haben aber erst einmal nach Möglichkeiten gesucht, unser System tatsächlich zur Marktreife zu bringen.

Die Chance hatten Sie dann in einem der Leibniz-Institute.
Günzel: Ja, ich war bereits während meines Studium als Werkstudent am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, IOW, angestellt. Der Kontakt bestand also schon, so dass es nahe lag, auch den Antrag für ein EXIST-Gründerstipendium über das IOW zu stellen. Das hat auch gut geklappt. Wir konnten das Stipendium wegen Corona sogar um drei Monate verlängern, so dass wir insgesamt 15 Monate gefördert wurden. In der Zeit haben wir in einer der Werkstätten am IOW mithilfe eines 3D-Druckers die ersten Bauteile erstellt und schlussendlich einen kompletten Prototypen gebaut, den wir dann in der Ostsee getestet haben.

Wie sah es mit den Gründungsvorbereitungen aus? Wer hat Sie dabei unterstützt?
Günzel: Bei der Vorbereitung unseres Businessplans und der Ausarbeitung unseres Businessmodells wurden wir von unserer Mentorin, Angelika Daniel, von Leibniz-Transfer sehr intensiv unterstützt.

Interessant ist, dass dabei vom ersten Tag an auch ein Umdenkprozess bei uns in Gang gesetzt wurde, der nicht zu unterschätzen ist. Wie bei den meisten Ingenieuren bzw. Wissenschaftlern, lag unser Fokus auch ganz klar auf der Forschung und der Entwicklung unseres Produkts. Aber durch die Gespräche mit unserer Mentorin haben wir dann schnell begriffen, dass das nicht reicht, wenn man ein Unternehmen gründen möchte. Letztendlich muss man wissen, wie man mit seinem Produkt auch Geld verdienen kann. Insofern kommt man gar nicht darum herum, sich mit dem Markt, den Kundenbedürfnissen und Alleinstellungsmerkmalen sowie dem Vertrieb auseinanderzusetzen.

Sind Sie auch für den Leibniz-Gründungspreis nominiert?
Günzel: Ja, wir erfahren aber erst im nächsten Jahr, wie die Jury entscheiden wird. Die bisherigen Gespräche waren aber schon sehr vielversprechend. Der Leibniz-Gründungspreis ist ja mit 50.000 Euro dotiert. Das würde uns schon sehr helfen.

Sie haben im Oktober 2020 die Framework Robotics GmbH gegründet. Sie sind also ganz frisch am Markt. Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?
Günzel: In den kommenden zwölf Monaten, wollen wir unser Produkt bis zur Marktreife entwickeln. Darüber hinaus nehmen wir Anfang 2021 die ersten Projekte mit unseren Pilotkunden in Angriff, unter anderem mit dem Thünen-Institut für Fischereitechnik in Rostock. Außerdem haben wir uns zusammen mit dem IOW für ein Forschungsprojekt beworben. Und wir sind an einem Forschungsprojekt des Ocean Technology Campus beteiligt, der hier in Rostock unter Federführung der Universität Rostock und des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeiten gerade entsteht. Aufgrund der kurzen Wege zu den ganzen Unternehmen und Instituten im Bereich Meerestechnik, haben wir auch unseren Unternehmensstandort ganz in der Nähe des OTC-Campus gewählt.

Einen Investor haben Sie auch schon an Bord.
Günzel: Ja, der Vertrag ist unter Dach und Fach, so dass unsere Liquidität bis 2022 gesichert ist. Der Kontakt kam letztlich über das Projekt SPiNOFF incubation des Forschungsverbunds MV zustande. Im Rahmen dieses Projekts hatten wir an mehreren Coachings teilgenommen und darüber auch Kontakte zu zwei, drei privaten VC-Gesellschaft bzw. Investoren sowie der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern knüpfen können.

Haben Sie auch schon Kontakt zu potenziellen Kunden aufgenommen?
Günzel: Wir haben einen Kunden hier in Rostock. Aber so richtig starten wir mit der Kundenakquise erst im nächsten Jahr. Wie gesagt, wir waren ja schon während des Studiums und auch während der EXIST-Förderphase sehr aktiv und waren zum Beispiel mehrfach auf der Oceanology International, einer der größten Messen für Meerestechnik, die im Wechsel einmal pro Jahr in London und South Hampton stattfindet. Aber mit Messen ist es ja aufgrund von Corona bekanntermaßen gerade schwierig. Wir sind daher telefonisch mit verschiedenen potentiellen Kunden in Kontakt und haben das Glück, dass viele davon aufgrund unserer Aktivitäten in den digitalen Medien sowie unseres Internetauftritts auf uns aufmerksam geworden sind.

Zu guter Letzt: Was würden Sie anderen gründungsinteressierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern raten?
Günzel: Ich kann auf jeden Fall empfehlen, das EXIST-Gründerstipendium zusammen mit der Leibniz-Gemeinschaft einzuwerben. Damit hat man einen starken Partner an seiner Seite.

Ansonsten sollte man nicht allzu technikverliebt sein. Als Gründer muss man vielmehr vor allem zwei Fragen beantworten können: Welches Problem kann ich mit meiner Lösung bewältigen? Wer ist mein Kunde? Das muss man wissen. Das kann auch dazu führen, dass man sein Produkt vielleicht noch einmal komplett umstricken muss, weil es eben meistens doch anders kommt als man denkt.

Stand: November 2020

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