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Ionera Technologies GmbH

Gründerteam Ionera Technologies GmbH v.l.n.r.: Dr. Sönke Petersen, Dr. Ekaterina Zaitseva, Prof. Dr. Jan C. Behrends, Dr. Gerhard Baaken
© Marcel Hoffmann

„Wir standen schon vor unserer Gründung in Kontakt mit einem etablierten Unternehmen, das ebenfalls Analyseverfahren entwickelt. Dadurch hatten wir Zugang zu einem weitverzweigten internationalen Kundenkreis.“

Interview mit Dr. Gerhard Baaken

Mit einer innovativen Technologie, einem erfahrenen Kooperationspartner und einem gut funktionierendem Team ist die Ionera Technologies GmbH vor fünf Jahren an den Start gegangen. Unterstützt wurde es durch EXIST-Forschungstransfer. Heute schreibt die Ausgründung der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bereits schwarze Zahlen und ist auf dem Weg zur Marktführerschaft im Bereich der Analyseverfahren für pharmazeutische Wirkstoffe.

Herr Dr. Baaken, Sie haben gemeinsam mit Ihren Kollegen einen Mikrochip entwickelt, der in der Lage ist, eine große Anzahl künstlicher Zellmembranen zu erzeugen. Um was geht es dabei?
Dr. Baaken: Mit Hilfe dieser Zellmembranen lässt sich in der pharmazeutisch-biotechnologischen Forschung die Wirkung von Medikamenten untersuchen. Hintergrund ist, dass - einfach gesagt - Membranproteine darüber entscheiden, welche Stoffe in die Zelle hinein- und hinausgelangen. Und genau dieser Transportprozess kann mit Hilfe unserer Zellmembranen gemessen werden, so dass sich daraus auch Rückschlüsse auf Veränderungen im Stoffwechsel der Zelle nachvollziehen lassen.

Das war bisher so nicht möglich?
Dr. Baaken: Vom Prinzip her schon. Die grundsätzliche Methode existiert schon seit den sechziger Jahren. Allerdings verbraucht der Geräteaufbau sehr viel Platz und füllt ganze Labore. Uns ist es dagegen gelungen, das Ganze auf Chip-Format zu minimieren und darüber hinaus eine skalierbare Technologie zu entwickeln. Das bedeutet mit einem Chip können beliebig viele Untersuchungen parallel durchgeführt werden. Und das mit einer fast hundertprozentigen Zuverlässigkeit.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema?
Dr. Baaken: Ich bin bereits 2005 im Rahmen meiner Diplomarbeit an der Universität Freiburg darauf aufmerksam geworden. Als Doktorand am Institut für Mikrosystemtechnik, IMTEK, habe ich dann meine Forschungsarbeiten in Kooperation mit dem Physiologischen Institut fortgesetzt. Am Ende meiner Promotion lagen dann die ersten Grundlagen für den Proof of Principle vor, so dass das Projekt vom Bundesforschungsministerium gefördert werden konnte. Dabei hat sich dann herausgestellt, dass sich die Chiptechnologie tatsächlich vermarkten lässt. Also haben wir - unser wissenschaftlicher Mentor und jetziger Beiratsvorsitzender Professor Jan Behrends, Doktor Sönke Petersen, Doktor Ekaterina Zaitseva und ich - uns 2012 für EXIST-Forschungstransfer beworben und mit der Förderung dann sozusagen die letzten Meter bis zur eigentlichen Produktentwicklung und Unternehmensgründung zurücklegen können.

Wie sah die Unterstützung durch die Universität Freiburg aus?
Dr. Baaken: Das Gründerbüro hat uns sehr geholfen: bei der Antragstellung von EXIST-Forschungstransfer, beim Zugang zu den Messgeräten und Laborräumen oder auch bei der Vermittlung zu Ansprechpartnern. Bei aller Unterstützung gab es aber auch zahlreiche Detailthemen, die einem leicht über den Kopf wachsen konnten. Wir waren ja ursprünglich davon ausgegangen, dass wir uns als Gründer in aller Ruhe auf den Markteinstieg und die Kundenakquise konzentrieren können. Aber dann wurden wir ziemlich schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Das heißt, wir mussten uns zum Beispiel mit Fragen zum Brandschutz, zur betriebsärztlichen Versorgung oder auch zu Versicherungen auseinandersetzen. Geholfen hat uns dabei der enge Austausch mit anderen Start-ups. Und dann hieß es natürlich auch Learning by Doing, also loslegen, Fehler machen, lernen.

Ihre Chiptechnologie wurde patentiert. War das sinnvoll?
Dr. Baaken: Die Universität hatte damals auf Grundlage unserer Forschungsergebnisse vier Patente angemeldet. Wir haben dann bei Gründung zunächst alle Patente und Patentanmeldungen von der Universität einlizenziert, weil schwer abzusehen war, welchen Patentschutz wir tatsächlich in der Zukunft benötigen. Eventuell hätten wir damals unsere Patentstrategie etwas selektiver gestalten müssen.
Im Laufe der weiteren Entwicklung unserer Produkte stellt sich dann heraus, dass tatsächlich nur zwei Patente wichtig sind. Letztendlich wäre es wohl sinnvoller gewesen, wenn wir mit der Einlizenzierung etwas abgewartet hätten. Ich sage das deshalb, weil die Fortführung der Patentverfahren und die Aufrechterhaltung der Patente doch sehr teuer ist. Grundsätzlich sollte man bei der Patentstrategie genauestens darauf achten, was man zu einem gewissen Zeitpunkt wirklich braucht. Müssen das immer Patente sein? Oder sind vielleicht technische Entwicklungen absehbar, die den Schutz durch sinnvollere und günstigere Alternativen wie zum Beispiel als Betriebsgeheimniss erlauben?

Ein anderes Thema ist die Akquise von Kunden. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Dr. Baaken: Wir hatten das Glück, dass wir bereits vor unserer Unternehmensgründung in Kontakt mit einem Unternehmen in München standen, das ebenfalls in der Entwicklung von Analyseverfahren tätig ist. Der Kontakt kam damals über Professor Behrends zustande. Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen etablierten Mittelständler, der schon frühzeitig Interesse an unserer Arbeit signalisiert hatte. Kurz nach unserer Gründung haben die Münchener die Entwicklung und den Verkauf der von uns entwickelten Messgeräte, die man für unsere Chips braucht, in Lizenz übernommen. Dadurch hatten wir praktisch von einem Tag auf den anderen Zugang zu einem weitverzweigten internationalen Kundenkreis mit Schwerpunkten in Europa und den USA. Inzwischen treten wir auch gemeinsam auf Messen im Ausland auf, so dass sich über die Jahre eine sehr enge und gute Kooperation entwickelt hat, die wir auch gerne in Zukunft so weiterführen möchten.

Haben Sie darüber hinaus Kontakte zu weiteren Kunden?
Dr. Baaken: Ja. Bestandteil unseres Geschäftsmodells ist es, zusammen mit unseren Kunden neue Anwendungen zu testen oder zu entwickeln. Wir stehen daher im engen Kontakt mit universitären Forschungseinrichtungen und betreiben zum Teil gemeinsame Forschungsprojekte. Uns interessiert natürlich auch, wo es neue Anwendungsbereiche für unsere Technologie gibt. Von daher sprechen wir gezielt Forschungsinstitute und Unternehmen an, die für eine Zusammenarbeit in Frage kommen könnten. Aktuell kooperieren wir zum Beispiel mit dem Fraunhofer Institut in Potsdam im Rahmen eines Forschungsprojekts. Ein weiteres Projekt ist an der Jacobs University Bremen in Planung.

Und welche weiteren Schritte sind geplant?
Dr. Baaken: Zurzeit bereiten wir uns auf den chinesischen Markt vor. Mittel- bis langfristig wollen wir international Marktführer auf unserem Gebiet werden. Da wir in der pharmazeutisch-biotechnologischen Forschung unterwegs sind, wird das nur funktionieren, wenn wir weiter hoch innovativ bleiben. Von daher liegt unser Schwerpunkt in der Forschung und Entwicklung weiterer Analyseverfahren.

Sie sind bereits seit fünf Jahren am Markt. Welche Tipps können Sie anderen Gründerinnen und Gründer geben?
Dr. Baaken: Meiner Erfahrung nach ist es sehr wichtig, sich auf den Markt und auf die Ansprüche der Kunden zu konzentrieren. Das heißt, man sollte möglichst viele Gespräche mit potenziellen und tatsächlichen Kunden sprechen, relativ schnell Feedback zum Produkt fordern und ruhig auch in kleine Vorleistungen treten, um zu testen, wie bestimmte Produkte angenommen werden. Das ist ganz wichtig. Nur so kommt der Verkauf tatsächlich in Schwung, weil der Kunde merkt, dass er ein Produkt bekommt, das von A bis Z auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Ein anderer Punkt ist die Teamzusammensetzung. Man muss einfach wissen, dass es in einem Unternehmen nicht nur helle, sondern auch dunkle Tage gibt, an denen alles Mögliche schief läuft. Aber genau damit muss das Team umgehen können. Da braucht es von allen einen starken Zusammenhalt und Durchhaltewillen. Wir haben Glück, bei uns klappt das sehr gut. Von daher kann ich nur empfehlen, dass man seine in Frage kommenden Teampartner, nicht nur fachlich, sondern auch persönlich gut kennenlernt. Kann der oder die seine Position besetzen? Hat der oder die tatsächlich ein „Unternehmer-Gen“?

Sie wurden mit EXIST-Forschungstransfer gefördert. Wie waren Ihre Erfahrungen mit der Antragstellung
Dr. Baaken: Der Aufwand dafür ist natürlich nicht klein. Man muss sich schon Mühe geben und sollte nicht einfach nur Dinge in den Antrag schreiben, von denen man denkt, das die der Projektträger gerne hören würden, von denen man aber selbst nicht wirklich überzeugt ist. Das heißt, so eine gewisse Authentizität sollte im Antrag zum Ausdruck kommen. Das gilt auch dann, wenn man vom Projektträger Jülich eingeladen wird, um sein Projekt vorzustellen. Auch da kann ich nur sagen: gut darauf vorbereiten! Wenn man seine Zahlen kennt und sich mit seiner Idee wirklich identifizieren kann, geht alles gut über die Bühne.

Haben Sie im Anschluss an EXIST- Forschungstransfer eine weitere Finanzierung in Anspruch genommen?
Dr. Baaken: Nein, kurz vor der zweiten Phase von EXIST-Forschungstransfers haben wir zwei Investoren an Bord geholt. Eine weitere Finanzierungsrunde ist nicht geplant, das bedeutet: Wir wollen auch weiterhin organisch wachsen.

Stand: Mai 2019

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