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PHYSEC GmbH

Dr. Christian Zenger und Dr. Heiko Koepke Dr. Christian Zenger und Dr. Heiko Koepke
© marquard

„Bei keiner anderen Tätigkeit in der Berufswelt gibt es so eine steile Lernkurve wie bei der Gründung eines Unternehmens.“

Interview mit Dr. Heiko Koepke

Das Internet der Dinge sicherer machen. Das haben sich Dr. Heiko Koepke und Dr. Christian Zenger auf die Fahnen geschrieben. Die Ausgründung der Ruhr-Universität Bochum wurde mit EXIST-Forschungstransfer unterstützt und ist seit 2016 am Markt. Seitdem hat sich das Unternehmen so erfolgreich entwickelt, dass es 2019 sogar mit dem GRÜNDERPREIS NRW ausgezeichnet wurde.

Herr Dr. Koepke, Sie bieten Sicherheitskonzepte für das Internet der Dinge bzw. Internet of Things an. Worum geht es dabei?
Dr. Koepke: Das Internet der Dinge ist dadurch gekennzeichnet, dass eine Vielzahl von Kleinstsystemen über das Internet kommunizieren. Dabei geht es zum Beispiel um die Vernetzung von Haushaltsgeräten, Stichwort „Smarthome“. Oder auch um die Überwachung von Innenstädten mit Hilfe von Sensorsystemen. Viele dieser computergestützten Endgeräte befinden sich in ungeschützten Bereichen, zu denen praktisch jedermann Zugang hat. Denken Sie zum Beispiel an Sensorsysteme, die Gebäude oder sensible Infrastruktur überwachen oder auch Messgeräte zur Fernauslesung von Stromzählern im Keller von Wohngebäuden. All dies Geräte kommunizieren laufend Daten über das Internet an eine zentrale Stelle, sei es an einen Stromversorger, einen Wachschutz oder ein anderes Unternehmen oder auch an eine Behörde. Nur: Wie können die Mitarbeiter dort sicherstellen, dass die Daten tatsächlich der Realität entsprechen und nicht manipuliert wurden? Um dieses Problem zu lösen, haben wir zwei Produkte entwickelt: Zum einen ermöglichen wir über eine rein softwarebasierte Lösung eine sichere Online-Kommunikation zwischen Endgeräten und Zentrale, zum anderen schützen wir die Endgeräte vor Manipulationsversuchen, indem wir sie mit einer zusätzlichen Hard- und Software ausstatten.

Die Idee ist im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Ruhr-Universität Bochum entstanden?
Dr. Koepke: Ganz genau. Grundlage dafür war die Dissertation von Christian Zenger. Wir beide hatten uns in einem Unternehmerworkshop kennengelernt, in dem Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler miteinander ins Gespräch kommen sollten. Ich war von Christians Idee gleich begeistert, so dass wir uns zusammengetan und gemeinsam an einer Geschäftsidee gefeilt haben. Mit Hilfe von EXIST-Forschungstransfer konnten wir unser Produkt dann bis zur Marktreife entwickeln und schließlich die PHYSEC GmbH gründen. In der Zeit wurden wir auch durch das damalige Gründernetzwerk und insbesondere durch Professor Christof Paar vom Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit unterstützt. Im Vergleich zu heute, stand die ganze Gründungsbetreuung aber damals noch in den Kinderschuhen. Da hat sich in der Zwischenzeit wirklich viel getan.

Wie verlief Ihr Einstieg in den Markt?
Dr. Koepke: Wir haben Fachmessen besucht, wir haben Ansprechpartner in Unternehmen identifiziert und dort angerufen und wir haben an Pitchings teilgenommen. Auf diese Weise haben wir unsere ersten Kunden kennengelernt. Der Pferdefuß dabei war allerdings, dass wir über unsere Zusammenarbeit Stillschweigen behalten mussten. Das ist leider typisch für die IT-Sicherheitsbranche. Nur: Im B2B-Markt sind Referenzen ein ganz entscheidendes Akquisetool. Von daher war es relativ schwierig, weitere Kunden zu akquirieren. Bis wir dann schließlich ein Unternehmen gefunden hatten, dass wir es als Referenzkunden nennen durften. Von da ab ging es in großen Schritten vorwärts.

Alles in allem scheinen Sie mit der bisherigen Unternehmensentwicklung ziemlich zufrieden zu sein.
Dr. Koepke: Wir sind super zufrieden. Bisher finanzieren wir uns komplett aus eigenen Mitteln und haben das ganze Wachstum aus Umsätzen realisiert. Wir haben ein hoch motiviertes und kompetentes Team mit 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgebaut, worauf wir sehr stolz sind. Die Zusammenarbeit macht richtig Spaß. Das gilt auch für unsere Kunden. Das sind namhafte Hersteller von Smarthome- und Smartcity-Systemen, also beispielsweise von Komponenten kritischer Infrastrukturen, Heizungsanlagen, Stromzählern usw., mit denen wir seit drei, vier Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten und die uns auch beim Einstieg in den internationalen Markt unterstützen. Darüber freuen wir uns sehr.

Und wie soll es weitergehen?
Dr. Koepke: Internationalisierung ist ganz klar ein Thema. Außerdem wollen wir uns kontinuierlich weiter entwickeln und wachsen. Darüber hinaus planen wir natürlich neue Anwendungen. Anfang dieses Jahres haben wir zum Beispiel ein weiteres Produkt auf den Markt gebracht, das Funkverbindungen, wie zum Beispiel über Bluetooth, absichert. Unser Vorteil ist, dass IT-Sicherheit ein Querschnittsthema ist, das für sehr viele Branchen relevant ist. Von daher gibt es jede Menge Einsatzmöglichkeiten für unsere Produkte.

Was würden Sie anderen Gründungsteams empfehlen?
Dr. Koepke: Das allerwichtigste ist, potenziellen Kunden zuzuhören und festzustellen, was sie für Probleme haben. Man muss die Probleme des Kunden verstehen und dann entsprechende maßgeschneiderte Lösungen entwickeln. Das ist etwas, was am Anfang manchmal vergessen wird.

Ein anderer Punkt ist der Umgang mit Rückschlägen. Die gehören einfach dazu. Das muss man wissen. Von daher sollte man versuchen, das Positive rauszuziehen und als Lernprozess anzunehmen. Ich glaube, bei keiner anderen Tätigkeit in der Berufswelt gibt es so eine steile Lernkurve wie bei der Gründung eines Unternehmens.

Stand: März 2020

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