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PRiME Vector Technologies GmbH

Dr. Ferdinand Salomon, Dr. Ralf Amann und Dr. Melanie Müller Dr. Ferdinand Salomon, Dr. Ralf Amann und Dr. Melanie Müller
© Dr. Ferdinand Salomon

„EXIST-Forschungstransfer holt einen raus aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm und ebnet einem den Weg in Richtung Ausgründung.“

Interview mit Dr. Ralf Amann

Nicht zuletzt aufgrund der Covid-19-Pandemie steht die pharmazeutische Industrie vor der großen Herausforderung, schnell und kostengünstig noch effektivere Impfstoffe zu entwickeln. Das gilt sowohl für den Bereich der Infektionskrankheiten als auch für die Krebstherapie. Das Gründungsteam der PRiME Vector Technologies hat daher in langjähriger Forschungsarbeit am Universitätsklinikum Tübingen nach dem Baukastenprinzip sogenannte vektor-basierte Impfstoffe entwickelt, die sich schnell und einfach an die verschiedenen Anforderungen anpassen lassen. Mit Unterstützung von EXIST-Forschungstransfer soll der Markteintritt im nächsten Jahr gelingen.

Herr Dr. Amann, Sie entwickeln virale Vektoren nach dem Baukastenprinzip. Zunächst die Frage: Was ist ein viraler Vektor?
Dr. Amann: Bei viralen Vektoren handelt es sich um attenuierte, also harmlose Viren, die Antigene von beispielsweise gefährlichen Viren beinhalten. Die Virusvektoren werden bei einer Impfung in die menschlichen Zellen eingeschleust und lösen dort eine Immunantwort gegen die Antigene aus. Dies hat zur Folge, dass sich ein immunologisches Gedächtnis entwickelt, welches vor einer Infektion mit dem eigentlichen Erreger schützt.

Das Besondere bei unserem Verfahren ist, dass wir diese Virusvektoren nach dem Baukastenprinzip konzipieren und zusammenstellen. Das bedeutet auch, dass sie mehrere Antigene von einem oder auch von mehreren Erregern enthalten können. Somit können wir einen breiteren Immunschutz induzieren. Darüber hinaus statten wir die Virusvektoren mit weiteren immunstimulierenden Elementen aus, die die Immunantwort weiter verstärken.

Welchen Vorteil hat das?
Dr. Amann: Auf die Covid-Pandemie bezogen hat unser Verfahren den Vorteil, dass wir nicht nur ein Merkmal, sondern mehrere Merkmale von SARS-CoV-2 in unseren Virusvektor aufnehmen. Das heißt, das Virus und dessen Mutationen haben es viel schwerer der Immunantwort zu entkommen und eine Infektion auszulösen.

Wie weit sind Sie mit der Entwicklung Ihres Verfahrens?
Dr. Amann: Wir beginnen im Juni oder Juli 2021 mit der ersten klinischen Phase. Bis dahin gibt es natürlich noch viele Baustellen: Wir müssen die Studie beantragen, ein Prüfprodukt herstellen und den Impfstoff in einer Qualität herstellen, so dass er in Menschen verimpft werden darf. Wir müssen den Herstellungsprozess so präzise und verlässlich wie möglich beschreiben und entwickeln. Das ist eine ganze Reihe an Aufgaben, die da auf uns zukommen. Nach Möglichkeit sollen dann zum Herbst bzw. Jahresende 2021 die zulassungsrelevanten Studien initiiert werden, so dass mit der Zulassung im nächsten Jahr zu rechnen ist.

Was hat Sie als Wissenschaftler daran gereizt, ein Unternehmen zu gründen? Wie kam es dazu?
Dr. Amann: Ein wissenschaftsbasiertes Verfahren zu einem marktfähigen Produkt zu entwickeln und für dessen Zulassung zu sorgen, ist nicht die Aufgabe einer Hochschule oder Forschungseinrichtung. Ferdinand Salomon, Melanie Müller und ich waren jedoch schon frühzeitig daran interessiert, dass unsere Impfstoffe auch wirklich den Weg in die Praxis finden. Von daher war uns klar, dass das nur durch ein eigenes Unternehmen erfolgen kann.

Hinzu kam, dass wir im Rahmen unserer Forschung schon seit zehn Jahren mit einem sehr großen Pharmapartner kooperieren. Dadurch haben wir gesehen, was „Pharma“ gut kann und was weniger gut. In großen Unternehmen sind viele Prozesse einfach sehr träge und langwierig, vor allem wenn es darum geht, die ersten Entwicklungsschritte anzuschieben und weiterzuverfolgen. So etwas kann man als junges und kleines Unternehmen sehr viel schneller bewerkstelligen.

Sie sind in der ersten Phase von EXIST-Forschungstransfer. Wie würden Sie dieses Instrument der Gründungsförderung bewerten?
Dr. Amann: Ich finde EXIST-Forschungstransfer tatsächlich sehr gut. Es holt einen raus aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm und ebnet einem ganz klar den Weg in Richtung Ausgründung. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Betreuung durch den Projektträger bzw. den Projektverantwortlichen: wie gut wir da unterstützt wurden, wie viel da auch von uns weggehalten wurde, gerade was die zeitraubenden administrativen Aufgaben betrifft.

Was natürlich auch für einen deutlichen Schub gesorgt hat, waren die Fördermittel, die uns das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zusätzlich zur Verfügung gestellt hat, um die Entwicklung unseres Covid-19-Impfstoffs voranzutreiben.

Wenn Sie auf Ihre bisherigen Gründungsvorbereitungen zurückblicken: Welche Hürden gab es?
Dr. Amann: Die Gründung selbst war relativ schnell vollzogen. Aber die Vertragsverhandlungen mit der Hochschule insbesondere zur Übernahme der IP-Rechte sind eine große Herausforderung. Da prallen zum Teil doch recht unterschiedliche Interessen, Prioritäten, Erfahrungen und Erwartungen aufeinander.

Bei wissenschaftsbasierten Gründungen heißt es oft: Alles gut und schön, aber wenn die kaufmännische oder unternehmerische Expertise fehlt, dann sieht es schlecht aus. Wie ist das bei Ihnen?
Dr. Amann: Wir hatten anfangs durchaus betriebswirtschaftliche Unterstützung. Uns stand damals ein betriebswirtschaftlich erfahrener Fachmann zur Seite, der unser Projekt gut fand. Es war aber von Anfang an klar, dass er uns nur für eine bestimmte Etappe zur Verfügung stehen würde. Diese Phase war sehr wichtig für uns, vor allem was unseren Mindset betraf. Wir haben in dieser Zeit gelernt, unsere bisher rein wissenschaftliche Herangehensweise an unser Projekt etwas zu relativieren und dafür auch den Blickwinkel des kaufmännisch denkenden Unternehmers einzunehmen.

Aktuell haben Sie keinen betriebswirtschaftlich versierten Teampartner an Bord. Ist das ein Problem für Sie?
Dr. Amann: Wir merken in den Verhandlungsgesprächen, dass wir so schlecht nicht sind und uns nicht unter Wert verkaufen. Klar: Buchführung, Steuern und so weiter lagern wir aus. Aber bei den Themen Strategie, Verhandlung und so weiter sehen wir uns gut aufgestellt.

Wie sehen Ihre nächsten unternehmerischen Schritte aus?
Dr. Amann: Ab April 2021 werden wir eigene Räumlichkeiten beziehen und unsere ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen, die vor allem an unserer ursprünglichen Idee eines Krebsimpfstoffs weiterarbeiten werden. Aufgrund des Covid-Programms haben wir das etwas vernachlässigt. Ab April steht uns auch VC-Kapital zur Verfügung. Aktuell sind wir in den finalen Verhandlungen mit einem Investor und mit Family Offices und sehen da relativ zuversichtlich in die Zukunft. Geplant ist eine kleine Finanzierungsrunde im niedrigen siebenstelligen Bereich. In anderthalb bis zwei Jahren nehmen wir dann eine große Finanzierungsrunde im 25- bis 30-Millionen-Bereich in Angriff.

Welche Tipps können Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?
Dr. Amann: Wichtig ist, sich nicht verunsichern zu lassen. Man muss an seine Technologie glauben, auch wenn es noch Lücken im Produkt, im Prozess, in der Vermarktung oder der Verwertung gibt. Unter dem Strich geht es darum, davon überzeugt zu sein, dass man ein gutes Produkt hat, auch wenn es noch an der notwendigen Marktreife fehlt.

Insgesamt wirken Sie sehr entspannt. Alles in allem scheint es gut zu laufen.
Dr. Amann: Ja, und außerdem ist es eine schöne Erfahrung, dass es viele Leute gibt, die sich für einen freuen und einen supporten. Vor allem durch unseren Fokus auf COVID-19 haben wir wirklich eine überdurchschnittliche Unterstützung - finanziell und administrativ - erfahren. Überhaupt erleben wir wie nie zuvor, dass unsere jahrelange Forschungsarbeit auch in der Öffentlichkeit als wichtiger Beitrag für Gesundheit und Wohlstand gesehen wird. Über diese Anerkennung freuen wir uns natürlich sehr.

Stand: März 2021

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