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SeedForward GmbH

Jan Ritter und Jacob P. Bussmann Jan Ritter und Jacob P. Bussmann
© Drießen

"Wir haben bei den Landwirten und auch den Saatgutfirmen eine sehr große Offenheit erlebt, so dass wir in kurzer Zeit ein sehr großes Netzwerk aufbauen konnten."

Interview mit Jacob P. Bussmann

Pflanzenextrakte, Mikroorganismen und andere organische Materialien haben das Potenzial in der Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag als Bodenverbesserer oder Pflanzenstärkungsmittel zu leisten. Die Ausgründung SeedForward der Universität Oldenburg hat auf dieser Basis eine organische Saatgutbehandlung entwickelt, die u.a. vor Saatgutkrankheiten schützt und die Pflanzen widerstandsfähiger macht.

Herr Bussmann, welchen Vorteil hat die von Ihnen entwickelte organische Saatgutbehandlung gegenüber chemischen Verfahren?

Bussmann: Zunächst einmal enthält unsere Saatgutbeschichtung ausschließlich natürlich Bestandteile. Sie belastet daher weder den Boden noch das Grundwasser und birgt keine Gefahr für Insekten. Vor allem aber zeigt sie gute Effekte beim Wurzelwachstum und der Jungpflanzenentwicklung. Darüber hinaus kann die Beschichtung für jeden Einsatz auf die jeweilige Pflanzenart, die Bodenbeschaffenheit und das lokale Klima optimal angepasst werden. Im Unterschied zu anderen Verfahren wollen wir das Saatgut aber nicht nur schützen, sondern die Pflanze insgesamt im Wachstum unterstützen. Und da zeigen unsere Feldversuche gute Ergebnisse.

Sie sprechen nicht nur Bio-Landwirte an, sondern auch den konventionellen Landbau. Müssen Sie da viel Überzeugungsarbeit leisten?

Bussmann: Eigentlich nicht. Dafür gibt es einen einfachen Grund. Viele der bisherigen chemischen Behandlungen im konventionellen Landbau werden aufgrund der Auswirkungen auf das Insektensterben in den nächsten Jahren nicht mehr zugelassen. Die Angebotslücke, die dadurch bei der Saatgutbehandlung entsteht, schließen wir durch unser Produkt. Vom Preis her gibt es da kaum einen Unterschied. Ein zusätzlicher Vorteil ergibt sich daraus, dass wir mit unserem Verfahren für eine höhere Ertragsstabilität und insofern für eine größere Betriebssicherheit sorgen.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Bussmann: Da wir bereits während der EXIST-Förderphase unser Netzwerk aufgebaut haben, konnten wir direkt im Anschluss an EXIST relativ schnell sowohl Saatgutunternehmen als auch Landwirte als Partner gewinnen. EXIST war im Übrigen auch ein Pluspunkt bei unserer Bewerbung für den Climate KIC-Accelerator, an dem wir gerade teilnehmen. In dem 18-monatigen EU-Förderprogramm für Cleantech-Start-ups werden wir tatkräftig von Mentoren unterstützt, die uns mit allen notwendigen Informationen, die für unser Start-up wichtig sind, versorgt – ob mit Tipps zur Teamentwicklung oder zu Vertriebsstrategien. Zusammen mit der lokalen Unterstützung durch das ICO Osnabrück, hat uns dies stark vorangebracht. Darüber hinaus gab es für uns zum Ende des EXIST-Jahres noch ein kleines Highlight: Im Winter wurden wir mit dem Start Green Award ausgezeichnet, was uns natürlich sehr gefreut hat.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus? Sie haben eine Stiftung als Unterstützer akquiriert. Das ist ungewöhnlich.

Bussmann: Stiftungen können vor allem für innovative Start-ups und Unternehmen im Nachhaltigkeitssektor als Geldgeber sehr attraktiv sein, da die Erfüllung des Stiftungszwecks im Vordergrund steht und Lösungsansätze durch Strahlkraft, Netzwerkzugang und Finanzierungsmittel unterstützt werden können. Abgesehen davon haben wir uns bei der Finanzierung bewusst breit aufgestellt. Diese Strategie werden wir auch beibehalten. Das heißt, wir halten Ausschau nach geeigneten F&E-Programmen, um weitere innovative Produktansätze zu testen und zur Marktreife zu entwickeln. Außerdem sind wir im Gespräch mit Business Angels und strategischen Investoren. Hier ist die Resonanz vor allen Dingen von Seiten der Impact-Investoren, die sich auf Umweltthemen spezialisiert haben, sehr gut. Letztlich bedeutet eine nachhaltige Unternehmensentwicklung für uns natürlich, so bald wie möglich umsatzfinanziert arbeiten zu können.

Wenden Sie sich mit Ihrem Produkt direkt an die Landwirte oder an Zwischenhändler?

Bussmann: Grundsätzlich richtet sich unser Angebot an Saatgutfirmen und Landhändler. Wir arbeiten aber auch direkt mit Landwirten zusammen. Saatgutfirmen und Landwirte testen unser Produkt derzeit auf ihren Flächen. Das bedeutet: Nach einem Jahr EXIST-Gründerstipendium und einem weiteren Entwicklungsjahr haben wir jetzt ein Produkt, dessen Funktionalität und Marktreife sich mit den entsprechenden Versuchsergebnissen belegen lassen.

War es schwierig, als Start-up in Kontakt mit Landwirten und etablierten Unternehmen zu kommen?

Bussmann: Wir haben bei den Landwirten und auch den Saatgutfirmen eine sehr große Offenheit erlebt, so dass wir in relativ kurzer Zeit ein sehr großes Netzwerk aufbauen konnten. Zum Teil wurden wir aufgrund von Fachartikeln, die über uns veröffentlicht wurden, angesprochen. Oder wir waren auf Veranstaltungen der Landwirtschaftskammern sowie auf Messen und haben darüber Landwirte kennengelernt. Viele sind direkt auf uns zugekommen und haben uns angesprochen. Eine wichtige Rolle spielt dabei zweifellos die Umbruchstimmung im Agrarsektor, begleitet von strikteren Regulierungen wie der Düngemittelverordnung sowie das Auslaufen für Genehmigungen für viele chemische Wirkstoffe.

Der Agrarmarkt ist reguliert. Welche Rolle spielt das für Ihren Markteintritt?

Bussmann: Der Saatgutmarkt wird über das Saatgutverkehrsgesetz geregelt. Das ist schon ein ziemlich dicker Schinken und schränkt uns bei der Entwicklung unseres Geschäftsmodells an einigen Punkten ein. Das heißt, wir müssen auf jeden Fall mit etablierten Saatgutunternehmen kooperieren, um überhaupt in den B2B-Markt hineinzukommen. Das hängt mit der Gewährleistung zusammen.

Zu guter Letzt: Haben Sie noch den einen oder anderen Tipp für andere Gründerinnen und Gründer parat?

Bussmann: Neben all den bereits genannten Punkten ist es gerade im Agrarbereich enorm wichtig, frühzeitig mit Landwirten zusammenzuarbeiten. Auch wenn es sich dabei letztlich nicht um die zukünftigen Direktkunden handelt, sind es diejenigen, die das Produkt nachher anwenden werden. Das heißt, entlang der gesamten Wertschöpfungskette sollte bis zum Endnutzer klar sein, wie das Produkt funktioniert und ob es dem Anwender tatsächlich einen Mehrwert bietet. Diese Punkte haben wir bereits sehr früh immer wieder geprüft, so dass wir unser Produkt konsequent immer in die richtige Richtung entwickeln konnten.

Stand: September 2018