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Xeem GbR

Janine Weirich und Géraldine Ulrichs (von links) Janine Weirich und Géraldine Ulrichs (von links)
© Xeem GbR

„EXIST-Gründerstipendium bietet einem die hervorragende Gelegenheit, sich voll auf sein Thema zu fokussieren.“

Interview mit Géraldine Ulrichs.

Mitten in der ersten Corona-Welle haben Géraldine Ulrichs und ihre Kommilitonin von der Hochschule Darmstadt, Janine Weirich, ihr Projekt Xeem an den Start gebracht und sind online gegangen. Was zuerst nach einem Fluch aussah, hat sich schnell als Segen erwiesen. Die zunehmende Aufgeschlossenheit deutscher Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gegenüber digitalen Hilfsmitteln hat auch für ihre GbR die Weichen auf Erfolg gestellt. Äußerst renommierte Unternehmen sind erste Kooperationen mit den beiden Studentinnen eingegangen. Xeem ist eine digitale Plattform, die Unternehmen und junge, kreative und ehrgeizige Nachwuchskräfte vernetzt, wovon beide Seiten profitieren. Seit April dieses Jahres beziehen die beiden Hessinnen EXIST-Gründerstipendium. Das, erzählt Géraldine Ulrichs im Interview, hat den zwei Frauen ganz neue Perspektiven eröffnet.

Frau Ulrichs, in ein paar Sätzen bitte: Was ist Xeem? Was bieten Sie an?
Géraldine Ulrichs: Xeem ist eine digitale Plattform, die Unternehmen und junge Talente zusammenbringt. Die Unternehmen laden sogenannte Challenges hoch, die von den Nachwuchskräften in Teams bearbeitet werden können. Also eine Art Online-Assessment-Center. Das beste Team erhält am Ende die ausgeschriebene Summe als Belohnung. Studierende erhalten so die Möglichkeit, praxisnahe Erfahrungen zu sammeln, mit Top-Unternehmen in Kontakt zu treten und auf sich aufmerksam zu machen. Sie können ihre sogenannten Future Skills trainieren, also Fähigkeiten, die an Universitäten und Schulen nicht primär gelehrt werden, aber ungeheuer wichtig auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft sind, wie zum Beispiel Selbstmanagement, Innovationskraft, Teamfähigkeit und Problemlösungskompetenz.

Und was haben die Unternehmen davon?
Géraldine Ulrichs: Sie bekommen kreativen Input von außen, von jungen Leuten, die ehrgeizig und frisch sind und noch nicht in Schubladen denken. Und sie können sich Nachwuchskräfte heranziehen. Also übernehmen wir quasi auch Teile der Dienstleistungen einer Personalberatung.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Géraldine Ulrichs: Wir haben das Businessmodell aus unserer Bachelorarbeit heraus entwickelt. Janine und ich haben beide an der Hochschule Darmstadt Interactive Media Design studiert.

Wann sind Sie auf die Idee gekommen, aus Ihrer Bachelorarbeit heraus zu gründen?
Géraldine Ulrichs: Das war von Anfang an das Ziel. Wir wollten uns unseren eigenen Arbeitsplatz schaffen. Deshalb haben wir eine Idee konzipiert, welche einen nachhaltigen Mehrwert in die Welt setzt.

Wie haben Sie die Rollen unter sich aufgeteilt?
Géraldine Ulrichs: Meine Team-Partnerin Janine Weirich kümmert sich vor allem um Hochschulkooperationen und Business Development. Ich bin für Marketing und Design zuständig. Es war ein natürlicher Prozess, der sich aus unseren Stärken und Schwächen ergeben hat. Gemeinsam steuern wir das Start-up. Noch haben wir keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber das wird sich in den kommenden Wochen und Monaten ändern.

Seit April erhalten Sie nun monatlich EXIST-Gründerstipendium. Inwiefern wird das die Arbeit an Xeem für Sie verändern?
Géraldine Ulrichs: Wir sind überzeugt, dass sich das stark verändern wird. EXIST-Gründerstipendium bietet einem die hervorragende Gelegenheit, sich voll auf sein Thema zu fokussieren. Das ist natürlich von unschätzbarem Wert, wenn man sich nicht ständig sorgen muss, wie man seine Kosten decken soll. Wir bekommen je 2.500 € monatlich und können auf einen großzügigen Topf für Sachmittel und Coachings zurückgreifen. Und auch die fachliche Unterstützung ist wichtig. In Workshops werden wir fortgebildet und es gibt Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen, an die man sich jederzeit wenden kann. Das gibt einen starken Schub für uns.

Sie sind mit Ihrem Projekt im vergangenen Jahr zu Beginn der Corona-Krise online gegangen. Hat Ihnen das Sorgen bereitet?
Géraldine Ulrichs: Zu Anfang ein wenig. Aber es hat sich ziemlich schnell herausgestellt, dass dies unbegründet war. Im Gegenteil: Seit der Pandemie sind viele Unternehmen viel aufgeschlossener gegenüber digitalen Hilfsmitteln. Die halbe Nation arbeitet von zu Hause aus. Was vielen Unternehmerinnen und Unternehmern früher Angst gemacht hat, stellte sich plötzlich als völlig unproblematisch heraus. Davon haben auch wir profitiert. Für so ein junges Unternehmen ist die Liste unserer Partner doch wirklich schon beeindruckend. Darauf sind wir sehr stolz.

Zwei Frauen, die in der gigitalen Welt gründen: Das ist immer noch eine Seltenheit. Nur 16 Prozent der Start-ups in Deutschland werden von Frauen ins Leben gerufen. War das für Sie ein Vor- oder Nachteil?
Géraldine Ulrichs: Das ist wirklich eine traurige Bilanz, die wir dringend ändern müssen. Für uns ist es schon ein Vorteil, da das Thema im Moment sehr populär ist. Uns bringt das viel Aufmerksamkeit und kostenlose PR. Zwei Frauen, die in der digitalen Welt gründen: Das ist für die Medien natürlich eine Geschichte. Und das nutzen wir auch. Aber unser erklärtes Ziel ist es, alles uns Mögliche dafür zu tun, diesen Zustand zu ändern.

Was muss geschehen, damit sich diese Bilanz ändert?
Géraldine Ulrichs: Frauen brauchen Vorbilder, denen Sie nacheifern, an denen sie sich orientieren können. Daher ist es wichtig weibliche Vorbilder bereits in Schulen, Berufsschulen, Hochschulen und Universitäten zu holen. Es gibt wenige Unternehmerinnen, also gründen Frauen weniger, weil sie sich nicht trauen. Das ist also eine Art Teufelskreis, den zu durchbrechen wir helfen wollen. Das ist eine sehr starke Motivation für uns: Vorbilder zu werden, andere Frauen zu motivieren und ihnen Mut zu machen.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren? Was ist das Ziel?
Géraldine Ulrichs: Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder wir haben es dann schon verkauft und unterstützen junge Menschen an Unis und Schulen, um weiblichen Gründernachwuchs. Das ist wirklich eine Mission für uns: Frauen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sie zu motivieren und ihnen das Selbstbewusstsein zu vermitteln, dass sie das natürlich genauso schaffen können wie Männer, denn so selbstverständlich das ja eigentlich ist, so schwierig ist das manchmal sich das klarzumachen. Irgendwann würden wir dann sicher auch wieder ein eigenes Unternehmen gründen. Die zweite Möglichkeit wäre, dass wir in fünf Jahren noch die internationale Expansion von Xeem vorantreiben. Denn wir sind überzeugt, dass unser Konzept auf jeden Fall auch international funktionieren kann.

Was ist Ihr Rat an andere junge Menschen, die gründen wollen?
Géraldine Ulrichs: Mein Rat: Start before you’re ready. Also einfach loslegen, bevor man alles bis ins Letzte ausgefeilt hat und sich einfach trauen. Natürlich braucht man ein gutes Konzept, das durchdacht und gut geplant werden sollte, aber ich glaube, es ist ein Fehler, zu lange zu warten. Man kann sich auch viel kaputt konzipieren. Ärmel hochkrempeln und machen. Das ist mein Rat. Und nach den nächsten Äpfeln greifen. Soll heißen, seine Netzwerke in Gang bringen, schauen, welche Kontakte schon bestehen, bevor man neue knüpft.

Was bedeutet der Name Xeem? Ist das ein Kunstwort?
Géraldine Ulrichs: Ja, das ist als Kunstwort entwickelt worden. Es sollte eine Assoziation zu dem Wort „Team“ sein, denn darum geht es ja in unserem Konzept sehr stark, um Teamarbeit. Dann haben wir bei Recherchen herausgefunden, dass das Wort in einer Sprache der Hmong, einem indigenen Volksstamm in der Region Indochina, also in Südostasien, „Clan“ bedeutet, was ja einem Team sehr ähnlich ist. Das hat uns sehr gefallen. Es ist so ein schöner Zufall und doch wirklich ein gutes Omen.

Stand: Mai 2021

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