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elena international GmbH

Gründerteam ELENA Christina Vogel und Dr. Sabine Auer
© privat

„Nehmt von Anfang an Kontakt mit Kunden auf, auch wenn das Produkt noch nicht ganz ausgereift ist.“

Interview mit Dr. Sabine Auer und Christina Vogel

Für Stadtwerke, Netzbetreiber und Energieversorger soll die Nutzung Erneuerbarer Energien zukünftig einfacher werden. Dafür sorgen EXIST-geförderte Start-ups wie die elena international GmbH: eine Ausgründung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Gründerinnen Dr. Sabine Auer und Christina Vogel haben ein Webtool entwickelt, das realitätsnahe Szenarien für das Einspeisen regenerativer Energien sowie den Zuwachs an Elektromobilität erstellt. Für ihre innovative Softwarelösung wurde das Team mit dem Leibniz-Gründerpreis 2019 ausgezeichnet.

Frau Dr. Auer, Sie haben gemeinsam mit Christina Vogel ein Analyseverfahren für die Energiebranche entwickelt. Was hat es damit auf sich?
Dr. Auer: Sowohl das Webtool als auch unsere Beratungsservice haben wir auf Basis unserer Industrieprojekte entwickelt. Mit dem Webtool bieten wir Stadtwerken, Energieversorgern und Netzbetreibern die richtigen Analysen zur strategischen Umsetzung der Energiewende an.

In welchem Kontext ist die Idee entstanden?
Dr. Auer: Als ich am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung beziehungsweise an der Humboldt Universität begann, an meiner Dissertation zu arbeiten, wollte ich damit einen Beitrag zur Energiewende leisten. Mein Ziel war es, mit der Forschung an Stromnetzen das zentrale Hindernis für die Energiewende anzugehen. Die Ideen und Innovationspotentiale aus der Energieforschung sollten tatsächlich den Weg in die Praxis finden. Aus diesem Antrieb entstand die Idee zur Gründung der elena international GmbH. elena steht dabei für „Electricity network analysis".

Frau Vogel, wie bzw. wann sind Sie mit an Bord gekommen?
Vogel: Ich hatte 2017 gerade meinen Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen am KIT – Karlsruher Institut für Technologie absolviert. Damals hatte ich in der Mailingliste der Studienstiftung des deutschen Volkes eine E-Mail von Sabine Auer entdeckt, in der sie einen Wirtschaftsingenieur oder eine Wirtschaftsingenieurin als Co-Gründer bzw. -Gründerin suchte. Das war genau das, was ich wollte. Wir haben uns also getroffen und uns auf Anhieb so gut verstanden, dass ich nur eine Woche später ganz „offiziell“ mit dabei war. Das ging alles sehr, sehr schnell.

„Gesucht und gefunden“ kann man da nur sagen.
Vogel: Ja, dass Sabine und ich uns als Gründungsteam zusammengefunden haben ist wirklich ein Glücksfall. Wir kannten uns ja vorher überhaupt nicht. Ich denke, die Tatsache, dass wir sehr ähnliche Wertvorstellungen und unternehmerische Visionen haben, ist der Grund dafür, dass es bei uns bisher so gut gelaufen ist. Natürlich sind wir ab und zu auch unterschiedlicher Meinung. Das ist für das Unternehmen als Ganzes sehr wichtig, weil wir so die besten Lösungen finden.

Gab es im Rahmen Ihrer Gründung auch Hürden, mit denen Sie nicht gerechnet hatten?
Vogel: Ja, wir hatten zum Beispiel einige Wechsel im Team. Das kommt zwar bei Start-ups häufiger vor, ist aber dennoch immer wieder eine Herausforderung. Wir hatten mehrere Kandidaten, die unser Team als Mitgründer oder Mitgesellschafter erweitern sollten. Letztlich haben wir uns aber aus verschiedenen Gründen immer wieder getrennt. Wobei es uns immer wichtig war, im Guten auseinanderzugehen. Das hat auch ganz gut geklappt. Teilweise arbeiten einige der ehemaligen Teammitglieder sogar noch als Freelancer mit uns zusammen. Trotzdem war es nicht einfach.

Dr. Auer: Unter dem Strich haben wir in der Zeit aber dazugelernt. Zum Beispiel, dass man sich gleich zu Anfang auf die wichtigsten Eckpunkte einigt, sodass man später, bei eventuellen Meinungsverschiedenheiten weiß, was zu tun ist.

Gab es weitere Hürden?
Vogel: Wir hatten nicht erwartet, dass eine Unternehmensgründung mit so viel Papierkram verbunden ist und haben dann schnell gemerkt, dass man für viele Dinge einen Anwalt und einen Steuerberater braucht. Alles in allem haben die ganzen Gründungsvorbereitungen also viel Zeit in Anspruch genommen. Die hat uns dann für die Weiterentwicklung unseres Produkts gefehlt. Aber seitdem wir gegründet haben und eine gute Steuerberaterin sowie Anwälte gefunden haben, läuft es ganz gut. Man muss einfach nur wissen, dass man als Gründerin und Unternehmerin sehr viele Pflichten hat.

Wie sah es mit der Kundenakquise aus? Bestand von Seiten potenzieller Kunden von Anfang an Interesse an Ihrem Angebot?
Dr. Auer: Es war ein langer Weg von der Forschung bis zur Praxis. Am Anfang fanden viele unser Thema zwar interessant, aber die genaue Anwendung war zu weit vom Markt entfernt. Wir haben dann immer wieder neue Ideen entwickelt und sie Kunden vorgestellt, bis wir etwas fanden, das einen großen Mehrwert bringt.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass man als Gründerin im Tech-Bereich auf jeden Fall Durchhaltevermögen braucht und gut zuhören können muss, um etwas zu entwickeln, was die Kunden wirklich brauchen. Und natürlich muss man auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen, dass man am Ende ein Produkt entwickeln kann, das gebraucht und angenommen wird.

Inzwischen haben Sie aber einige Kunden gewinnen können.
Dr. Auer: Ja, wir konnten unter anderem einen Schweizer Netzbetreiber und Energieversorger als Kunden für unseren Beratungsservice gewinnen. Dieser hat ebenfalls Interesse geäußert, das von uns entwickelte Webtool zu kaufen. Das freut uns natürlich sehr. Bei einem weiteren Kunden handelt es sich um ein weltweit tätiges Unternehmen, das Weiterbildungen im Bereich erneuerbare Energien anbietet. Zudem haben wir an Konferenzen wie der CIRED - International Conference on Electricity Distribution und der ASEW, Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung, teilgenommen und konnten so ein breites Netzwerk aufbauen.

Bei Ihren Gründungsvorbereitungen wurden Sie durch die Humboldt Universität unterstützt. Wie sah diese Unterstützung aus?
Vogel: Wir haben von Anfang an ein fundiertes Feedback zu unserem Geschäftsmodell und unseren Pitches erhalten. Das war sehr hilfreich. Außerdem konnten wir an den Humboldt-Wagnis-Werkstätten teilnehmen. Dort haben uns die Gründungsberaterinnen und -berater auf die kritischen Punkte unseres Geschäftsmodells aufmerksam gemacht und gemeinsam mit uns Lösungen erarbeitet. Sehr geholfen hat uns auch ein Business-Model-Workshop, wo wir zum Beispiel gelernt haben, Design-Thinking-Methoden auf unser Projekt anzuwenden, so dass wir unter anderem systematisch prüfen konnten, ob unsere Software tatsächlich dem Kundenbedarf entspricht.

Sie haben 2019 gegründet. Auf welche unternehmerischen Erfolge können Sie bereits zurückblicken?
Vogel: Wir hatten bereits während der EXIST-Phase damit begonnen, Kunden zu akquirieren und erste Projekte zu bearbeiten. Das war eine gute Entscheidung. Dadurch konnten wir erste Einnahmen erzielen und unser Unternehmen im Anschluss aus eigenen Mitteln finanzieren. Außerdem wurden wir in das DBU Green Startup Programm aufgenommen. Das ist für uns eine große Chance, unser Webtool weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus freuen wir uns natürlich sehr über die Auszeichnung mit dem Leibniz-Gründerpreis 2019 und dass wir für „Leibniz Transfer“ ausgewählt wurden.

Welchen Tipp können Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?
Vogel: Nehmt von Anfang an Kontakt mit Kunden auf, auch wenn das Produkt noch nicht ganz ausgereift ist. So bekommt Ihr schnell Feedback und könnt Produkte entwickeln, die am Markt wirklich gebraucht werden.

Stand: August 2020

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