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enduco GbR

v.l.n.r.: Lennard Schäfer, Philipp Staudt, André Siegl, Gerrit Schelter, Benedict Strube v.l.n.r.: Lennard Schäfer, Philipp Staudt, André Siegl, Gerrit Schelter, Benedict Strube
© enduco GbR

„Ich habe von Anfang an gesagt, dass es mir wichtig ist, zielorientiert und fokussiert vorzugehen, aber dabei nicht den Spaß aus den Augen zu verlieren.“

Interview mit André Siegl

Es ging feierlich zu, als das Gründungsteam von enduco die Zusage für ein EXIST-Gründerstipendium von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Februar 2019 erhielt. Der Grund: Es war der 2.000 Förderbescheid seit der Einführung der Start-up-Förderung des BMWi im Jahr 2007. Jetzt geht es für das Team der Universität des Saarlandes an die Arbeit. Ihre Idee ist, die Trainingsplanung im Ausdauersport mit Hilfe künstlicher Intelligenz und den neuesten Erkenntnissen aus der sportwissenschaftlichen Forschung zu digitalisieren. Unterstützt werden sie dabei vom Gründer-Campus Saar.

Herr Siegl, Sie entwickeln zusammen mit Ihren Kollegen einen digitalen Trainingsplan für Sportlerinnen und Sportler.
Siegl: Ja, im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine App und eine Online-Plattform. Beide zusammen richten sich an alle, die gerne Ausdauersport treiben, also regelmäßig Joggen, Radfahren oder auch Schwimmen. Später wollen wir auch weitere Ausdauersportarten bedienen. Die Königsdisziplin werden Multisportarten wie Triathlon sein. Neben dem Breitensport peilen wird damit auch den Markt ambitionierterer Sportlerinnen und Sportler an.
Im darauffolgenden Schritt wollen wir unser Angebot dann auch für Trainer öffnen.

Aber eigentlich gibt es doch schon jede Menge Fitness-Apps. Was ist das Besondere an Ihrem Angebot?
Siegl: Ein entscheidender Unterschied ist die enge Verzahnung mit der Wissenschaft. Wir digitalisieren den Trainingsprozess auf Grundlage sportwissenschaftlicher Forschungsergebnisse und arbeiten dabei eng mit der sportmedizinischen Fakultät der Universität Saarbrücken und der Universität Kapstadt – wo ich meine Masterarbeit geschrieben habe – zusammen. Im Ergebnis wollen wir dadurch für den Nutzer einen möglichst hohen Individualisierungsgrad erreichen.

Wie kann man sich das vorstellen?
Siegl: Praktisch wird es so aussehen, dass sich der Nutzer auf unserer Plattform oder App anmeldet und seine Daten zu seinen bisherigen sportlichen Erfahrungen eingibt. Gab es Verletzungen? Gab es Erkrankungen, die vielleicht auf ein zu intensives Training zurückzuführen sind? Welche sportlichen Ziele sollen erreicht werden? Wie viel Zeit steht pro Woche zur Verfügung? Wie sehen die physiologischen Bedingungen aus? Usw.

Basierend auf diesen Daten wird unser zukünftiger Algorithmus dann einen individuellen Trainingsplan erstellen. Darin steht zum Beispiel: zwei Stunden Grundlagen-Ausdauertraining auf dem Rad mit zweimal zehn Minuten Kraftausdauer am Berg. Der Nutzer misst dann, während er diese Trainingseinheit absolviert, mit einer Trainingsuhr oder einem Rad-Computer seine Leistung und lädt das Ergebnis anschließend in der App hoch. Daraufhin wird die Soll-Vorgabe mit der tatsächlichen Leistung abgeglichen. Je nachdem, wie groß die Abweichung ist, wird der Trainingsplan entsprechend angepasst. Das passiert fortlaufend und später auch „on the fly“, so dass während des Trainings eventuell eine neue Route vorgeschlagen wird, die sich den Leistungen des Sportlers anpasst.

Darüber hinaus werden wir auch ein individuell abgestimmtes Ermüdungs-Monitoring anbieten, das den Nutzer vor zu hohen Trainingsbelastungen warnt.

Von bestehenden Fitness-Apps wird sich auch unsere Online-Plattform unterscheiden, auf der wir zum Beispiel Trainingsstrecken, Trainingsstätten, vielleicht auch eine Trainingspartnerbörse anbieten werden.

Die App soll kostenpflichtig sein?
Siegl: Die App wird mit einem kostenpflichtigen Abo verbunden sein. Außerdem wollen wir die Plattform für zahlungsbereite Vereine und Trainer öffnen.

Sie stehen noch ganz am Anfang. Wer hilft Ihnen bei den Gründungsvorbereitungen und der Produktentwicklung?
Siegl: Da werden wir vor allem durch unser Mentoren-Netzwerk sehr gut unterstützt. Die Mentorin im Rahmen der EXIST-Förderung ist Professorin Mana Mojadadr von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Professorin Mojadadr hat vor ihrer Tätigkeit am Lehrstuhl bei SAP gearbeitet. Das passt insofern gut. In der Sportwissenschaft unterstützt uns Dr. Sascha Schwindling, der neben seiner wissenschaftlichen Arbeit ein begeisterter Radfahrer ist.

Hinzu kommt, dass wir hier auf dem Campus häufig Gründerinnen und Gründern – ob EXIST-gefördert oder nicht – über den Weg laufen. Da findet eigentlich fast täglich ein Austausch mit anderen Teams statt, auch mit denen, die bereits gegründet haben.

Abgesehen davon bin ich, was das unternehmerische Know-how angeht, nicht ganz unerfahren. Ich hatte vor einigen Jahren bereits ein kleines Start-up. Außerdem habe ich für ein paar Monate bei einem anderen Start-up gearbeitet.

Das bedeutet, Sie wissen, welche Fehler Sie zukünftig nicht mehr machen werden?
Siegl: Ja klar, vor allem zwei Dinge waren wirklich fatal: Das eine war das Thema „Team“. Mir hatte damals bei der Gründung meines ersten Start-ups jemand gesagt: „Das Team ist nicht so wichtig, du musst ja mit denen abends kein Bier trinken gehen“. Nach neun Monaten habe ich zu ihm gesagt: „Das Gegenteil ist richtig, ich muss idealerweise mit Leuten zusammenarbeiten, mit denen ich jeden Abend mindestens zehn Biere trinken gehen möchte.“ Das heißt, die „Chemie“ im Team muss einfach stimmen. Schließlich sitzt man jeden Tag 10, 12 Stunden zusammen und verbringt mehr Zeit miteinander als mit seiner Freundin oder seinem Freund. Von daher muss es nicht nur fachlich, sondern auch persönlich funktionieren. Insofern bin ich sehr froh, dass es bei uns im jetzigen Team so gut klappt.

Ein zweiter kritischer Punkt ist der Kontakt zu Kunden. Man muss mit potenziellen Kunden über seine Idee sprechen und ganz direkt fragen: Was haltet Ihr von der Idee? Würdet Ihr das Angebot nutzen? Würdet Ihr dafür etwas bezahlen? Diese Kommunikation darf nicht aufhören. Wenn wir wollen, dass unser Produkt langfristig von unseren Kunden genutzt wird, müssen wir die Kunden an uns binden. Und das funktioniert nur über eine gute Kommunikation.

Noch einmal zum Thema Team: Wie haben Sie denn Ihre beiden Teampartner gefunden und ausgewählt?
Siegl: Das war gar nicht so einfach. Ich dachte Saarbrücken ist ein IT-Standort, da ist es relativ leicht, jemanden zu finden. Aber die Mischung aus IT und Sport scheint doch etwas spezieller zu sein. Nach über einem Jahr und über drei Ecken habe ich dann Gerrit kennengelernt, der meine Idee ganz gut fand. Bei unserem zweiten Termin hat er dann gleich Philipp mitgebracht, einen Kumpel von ihm. Dann haben wir uns etwas näher kennengelernt und einfach angefangen. Wir hatten Glück, es hat tatsächlich ganz gut funktioniert. Vor fünf Monaten kamen noch Lennard und Benedict dazu. Das war auch purer Zufall. Die beiden werden zwar nicht über EXIST gefördert, sind aber trotzdem im Team und verstärken den IT- und Marketingbereich.

Gab es auch schon Konflikte im Team?
Siegl: Nein, bisher noch nicht. Wir haben frühzeitig angefangen, darüber zu diskutieren, wie wir die Unternehmensanteile aufteilen werden. Ich habe immer wieder bei anderen Start-ups gesehen, dass das ganz schnell das Ende des Teams bedeutet, wenn man sich nicht früh genug darüber einigt. Das ist schon eine intensive Diskussion, die noch nicht beendet ist. Aber die ist bei uns bisher immer sehr fair gewesen.

Wie steht es um Ihren Bierkonsum?
Siegl: Ich habe aufgehört zu zählen. Nein, im Ernst: Wir gehen jeden Montagabend zusammen in die Kneipe. Ich habe von Anfang an gesagt, dass es mir wichtig ist, zielorientiert und fokussiert vorzugehen, aber dabei nicht den Spaß aus den Augen zu verlieren. Das klappt bisher sehr gut.

Es gibt bereits eine Beta-Version Ihrer App. Wer ist an der Entwicklung beteiligt?
Siegl: Zwei unserer Mit-Gründer haben am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI, studiert. Das ist eng mit der Uni vernetzt. Dadurch stehen wir in Kontakt zu Doktoranden, die in ähnlichen Bereichen unterwegs sind und uns unterstützen. Einige von denen waren mit uns auf dem Start-up Weekend in Saarbrücken. Da haben wir quasi durchgearbeitet und am Ende des Wochenendes stand dann der Prototyp unseres Routes - ein Algorithmus zum Finden und Generieren individueller Trainingsrouten.

Ihre EXIST-Förderphase beginnt im April. Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Siegl: Wir werden an dem einen oder anderen Workshop in Sachen IT-Planung und Projektplanung teilnehmen. Außerdem bereiten wir Kontakte zu Investoren vor. Ich glaube, es wäre ein Fehler, sich jetzt während des EXIST-Jahres zurückzulehnen und zu sagen, wir brauchen erst in einem Jahr eine Anschlussfinanzierung. Die brauchen wir natürlich deutlich früher. Außerdem sind wir alle kräftig dabei, uns ein Netzwerk aufzubauen. Dabei sind schon ganz gute Kontakte zur Sportindustrie entstanden. Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt.

Wo wollen Sie stehen, wenn das EXIST-Jahr zu Ende ist?
Siegl: Die Meilensteine sollten natürlich erfüllt sein. Der Best Case wäre, wenn wir spätestens im zweiten Drittel der Förderphase die GmbH gründen und dann eine Anschlussfinanzierung erhalten, die uns die nächsten Jahre sichert und uns hilft, noch den einen oder anderen Angestellten im Bereich Marketing und IT dazu zu holen. Ja, und dann werden wir das Start-up Zentrum auf dem Campus verlassen und in eigene Büroräume ziehen. Dann wird es spannend!

Stand: Februar 2019