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parloo GmbH

Gründerteam parloo GmbH v.l.n.r.: Stephan Zeinar, Mark Matthies, Philipp Lenz
© parloo GmbH

„Das Wichtigste ist, dass man den Kunden verstehen muss. Was ist sein Problem? Wie kann man das lösen?“

Interview mit Mark Matthies

Vom Kindergeburtstag bis zur Betriebsfeier: Mit einem digitalen Eventmanager möchte das Gründungsteam von parloo die Planung und Vorbereitung von Veranstaltungen einfacher und weniger zeitaufwändig gestalten. Mark Matthies, Stephan Zeinar und Philipp Lenz haben ihre Webplattform an der Hochschule Fulda entwickelt. Unterstützt wurden sie dabei durch EXIST-Gründerstipendium.

Herr Matthies, wie sind Sie und Ihre Co-Gründer auf die Idee gekommen, einen digitalen Eventmanager zu entwickeln?
Matthies: Der Hintergrund ist, dass es sehr viele Anlässe für Events gibt, sowohl im privaten Bereich, also zum Beispiel Geburtstage und Familienfeiern, als auch im gewerblichen Bereich: Abteilungsfeiern, Sommerfeste, Team-Events. Alles in allem ist es aber nicht so einfach, solche Events zu organisieren. Man braucht eine Location, man braucht Dekoration, Entertainment, Personal, eventuell auch Catering. Die ganze Planung ist von daher sehr zeitintensiv.

Und das möchten Sie ändern?
Matthies: Ja, uns war aufgefallen, dass man im Unterschied zu vielen anderen Produkten und Dienstleistungen ganze Events noch nicht online buchen kann. Deswegen haben wir ein Online-Angebot entwickelt, das auf den Gastgeber zugeschnittene Event-Konzepte zusammenstellt.

Wie kann man sich das genau vorstellen?
Matthies: Ganz einfach, wenn jemand zum Beispiel eine größere Familienfeier plant, füllt er zunächst einen Fragebogen auf unserer Webseite aus und teilt uns darin seine Wünsche und Bedürfnisse mit: Wo und wann soll die Feier stattfinden? Wie viele Leute nehmen daran teil? Wie hoch ist das Budget? Usw. Im Hintergrund laufen die ganzen Daten zusammen, werden analysiert und im Ergebnis erhält der Kunde ein Konzept, das zum Beispiel eine Location und einen Caterer vor Ort und auf Wunsch einen Entertainmentaspekt beinhaltet.

Sie erzielen Ihren Umsatz über Provisionen?
Matthies: Genau. Mit jeder Buchung erhalten wir eine Provision von den Unternehmen, die vor Ort die Veranstaltung betreuen bzw. mit ihren Produkten beliefern.

Sie sind noch nicht lange am Markt. Wie hat sich Ihr Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Matthies: Wir haben parloo im Oktober 2018 zunächst als GbR gegründet. Seit August 2019 sind wir eine GmbH. Den Prototyp unserer Plattform haben wir bereits im Mai 2019 gelauncht. Wir waren sehr positiv überrascht als uns schon am ersten Tag des Go-Live die ersten Kundenanfragen erreichten. Seitdem sind wir kontinuierlich weitergewachsen und haben alle Hände voll zu tun.

Wer sind Ihre Kunden?
Matthies: Wir hatten vorab eine klassische Marktanalyse durchgeführt, um festzustellen, ob überhaupt eine Nachfrage besteht. Natürlich haben wir über unsere Idee auch mit Freunden, Bekannten und unseren Eltern gesprochen. Wir haben uns daraufhin erst einmal für den Bereich Kinder-Events entschieden. Das ist praktisch unser Testfeld. Wir verfolgen damit einen Lean-Start-up-Ansatz, indem wir erst einmal eine Nische komplett erschließen. Im nächsten Schritt übertragen wir die ganzen Learnings dann mit Unterstützung von Investoren auf Events für Erwachsene und Unternehmen.

Wie bewerben Sie Ihr Angebot?
Matthies: Wir haben zunächst einen Blog erarbeitet, wo man sich ganz allgemein rund um das Thema Kinder-Events informieren kann. Das ist quasi ein Magazin mit redaktionellen Beiträgen. Interessenten können dort auch direkt unsere Dienstleistungen buchen. Dann bespielen wir natürlich alle digitalen Medien, die für uns in Frage kommen. Dabei sprechen wir Eltern an, die zu den sogenannten young urban mobiles gehören und eine niedrige Barriere haben, Dienstleistungen online zu buchen. Wir sind aber gerade dabei, auch weitere Zielgruppen wie Schulen, Kindergärten und Kommunen sowie die entsprechenden Kommunikationskanäle zu erschließen. Wir hatten auch ein paar Beiträge in der Regionalpresse, was auch immer für Aufmerksamkeit sorgt. Außerdem arbeiten wir gerade an einem effektiven Suchmaschinenmarketing. Wenn man beispielsweise nach einer Hüpfburg im Raum Frankfurt am Main sucht, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass wir unter den ersten Suchergebnissen erscheinen.

Sprechen Sie auch potenzielle Kunden direkt an?
Matthies: Doch, auch. Wir haben uns schon öfter mehrere Stunden ans Telefon gesetzt und Schulen und Kindergärten unser Produkt erklärt und damit auch Aufträge erhalten. Wir sind quasi immer auf der Suche nach dem effizientesten Kanal, mit dem man mit möglichst geringen Kosten Kunden akquirieren kann. Inzwischen profitieren wir auch von klassischer Mundpropaganda: Weiterempfehlungen von Kunden, die zufrieden waren.

Gibt es auch Dinge, die Sie beim nächsten Mal anders machen würden?
Matthies: Ich denke, viele Gründer im IT-Bereich neigen dazu, viel Zeit für eine gewisse technische Perfektion aufzuwenden. Aber im Nachhinein wäre es, glaube ich, besser gewesen, mit einem schlankeren Prototyp rauszukommen. Auch wenn das Produkt oder die Plattform noch nicht perfekt ist. Aber zu sehen, wie die Kunden reagieren, Feedback einzusammeln und dann das Produkt eng am Markt weiterzuentwickeln ist das Beste, was man machen kann.

Inwiefern wurden Sie von der Hochschule Fulda unterstützt?
Matthies: Wir hatten den großen Vorteil, dass wir mit dem Gründungsservice der Hochschule Fulda im Rahmen des EXIST-Gründerstipendiums kooperieren konnten. Dadurch bekamen wir Zugang zur IT-Infrastruktur, zu Räumlichkeiten, Forschungslaboren und auch zu Mitarbeitern. Wir haben zum Beispiel zwei Werkstudierende, die ihre Bachelorarbeit und Masterarbeit bei uns schreiben. Das heißt, es besteht ein sehr guter Transfer zwischen Theorie und Praxis. Auf der einen Seite profitiert die Hochschule davon, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis umgesetzt werden. Und auf der anderen Seite sind wir als Unternehmen natürlich an innovativen Ideen und dem neuesten Know-how interessiert. Das ist eine sehr gute Kooperation. Die Hochschule Fulda entwickelt sich da sehr gut und gibt richtig Gas, was das Thema Gründungsunterstützung angeht.

Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?
Matthies: Neben der technischen Weiterentwicklung unserer Plattform geht es vor allem darum, unser Angebot einem breiteren Markt zugänglich zu machen und Marketingmaßnahmen zu ergreifen, um wirklich in ganz Deutschland präsent zu sein. Parallel dazu müssen wir uns kontinuierlich um die Attraktivität unseres Angebots kümmern. Das heißt, wir müssen Kontakt zu vielen verschiedenen Unternehmen vor Ort – von Konditoren über Locations bis zu Animateuren – aufnehmen und sie von unserer Plattform überzeugen. Ein weiterer Punkt ist die Investorensuche. Wir wollen wachsen und ein Team aufbauen, um die Plattform zu skalieren.

Gibt es Tipps, die Sie anderen Gründerteams geben können?
Matthies: Klar. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man den Kunden verstehen muss. Was ist sein Problem? Wie kann man das lösen? Ein zweiter Punkt ist, dass man so schnell wie möglich an den Markt gehen sollte, um sich Feedback zu holen, Kunden zu gewinnen, Umsätze zu generieren und schnell zu zeigen, dass das Produkt geeignet ist, auch wenn es noch nicht perfekt ist.

Wichtig ist auch, sich bereits während der Förderphase von EXIST, am besten schon ab dem sechsten Monat, Gedanken zu machen, wie es danach finanziell weitergeht, damit man nachher nicht auf dem Trockenen sitzt.

Ansonsten kann ich nur empfehlen, sich immer wieder Feedback einzuholen, offen zu sein und Spaß zu haben an der Idee. Damit hat man auch das notwendige Durchhaltvermögen, um letztlich erfolgreich zu werden.

Stand: Januar 2020

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