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Technische Universität Hamburg- Startup Dock

„Wir fördern Spitzenforschung und Unternehmergeist“, heißt es auf der Webseite der Technischen Universität Hamburg (TUHH). Schon allein dieser Satz zeigt: Das Thema Gründung spielt an der Hochschule mit ihren etwa 6.500 Studierenden in der oberen Liga mit. Mittendrin: das Gründerzentrum Startup Dock. In nur fünf Jahren hat es sich über die Grenzen der Freien und Hansestadt hinweg einen Namen gemacht.

Startup Dock Gebäude Der Sitz von Startup Dock
© Startup Dock/Anne Gaertner

„Bei uns kann jeder anrufen oder vorbeikommen, der ‚irgendwas mit wissensbasierten Gründungen‘ machen möchte“, sagt Dr. Christian Salzmann, Geschäftsführer und Executive Director von Startup Dock. „Im ersten Schritt testen wir zunächst, ob die Idee tragfähig ist und wie ernst es die Gründerinnen und Gründer in spe mit ihrem Geschäftsmodell meinen. Wir geben ihnen Hausaufgaben auf, in denen sie Fragen zu ihrem Geschäftsmodell beantworten müssen. Löst ihr Produkt tatsächlich ein Problem? Gibt es bereits vergleichbare Produkte? Mit welchen Kosten müssen sie rechnen? Usw. Damit wollen wir verhindern, dass die Gründer ihre technische Innovation im stillen Kämmerlein und damit letztlich am Markt vorbei entwickeln.“

Die meisten Gründungsinteressierten, die bei Startup Dock anklopfen, haben ihren Master bereits in der Tasche und sind zum Teil seit drei bis fünf Jahren berufstätig. Großes Interesse am Thema Selbständigkeit haben darüber hinaus viele der ausländischen Studierenden, deren Anteil an der TUHH vergleichsweise hoch ist. Dabei beraten und begleiten die Mitarbeiter von Startup Dock nicht nur Absolventen oder Studierende der TUHH. Der Gründungsservice hoch oben über dem Binnenhafen in Hamburg-Harburg steht allen Gründungsinteressierten aus Hamburger Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur Verfügung. Aber auch Gründerteams von außerhalb von Hamburg klopfen an den Türen des Startup Dock an. Ein Grund, warum sich viele der Teams, die beim Startup Dock anheuern, aus Absolventen verschiedener Hochschulen zusammensetzen. Für sie ist Startup Dock vor allem dann interessant, wenn sich ihre Geschäftsideen um technologieorientierte Anwendungen drehen, sei es aus dem Bereich E-Mobility, Big Data, Smart Home oder Green Technologies. Das dreiköpfige EXIST-Team recalm zum Beispiel kommt von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg, der Christian-Alberts-Universität zu Kiel und der Hochschule Niederrhein. Es hat eine Active-Noise-Cancelling-Technologie entwickelt, die sich zum Beispiel in Baumaschinen integrieren lässt und somit die Lärmbelastung stark abmildert.

„Gründer nicht ins offene Messer laufen lassen“

Wie alle Bewerberteams, die die erste Hürde geschafft und ihre Hausaufgaben gemacht haben, musste auch das recalm-Team im zweiten Schritt einen so genannten Andock-Pitch halten, um die Berater von Startup Dock davon zu überzeugen, dass ihre Idee tatsächlich Zukunft hat und umsetzbar ist. „Es gibt Gründungsinteressierte, die haben keine realistische Vorstellung oder wissen noch nicht so richtig, was auf sie zu kommt, wenn sie gründen. Die wollen wir nicht ins offene Messer laufen lassen. Also machen wir ihnen von vorneherein klar, dass sie zwar jede denkbare Unterstützung von uns erhalten, aber dass letztendlich sie es sind, die die Arbeit machen und sich reinhängen müssen. Sonst wird es mit dem Traum vom eigenen Start-up nichts werden“, so Dr. Christian Salzmann.

Die Unterstützung, die die Teams von Startup Dock erhalten, unterscheidet sich dabei gar nicht so sehr von den Angeboten anderer EXIST-geförderter Hochschulen. Gründerinnen und Gründer erwartet zum Beispiel eine individuelle Beratung, Vernetzungsangebote sowie ein Qualifizierungsprogramm, das mit seinen Workshops die Gründungsteams fit für ihr Start-up macht. Ein weiterer Baustein des Startup Dock Programms sind Solution-Workshops: Zwei, drei Gründungsteams treffen sich dabei mit Beratern, um gemeinsam für zuvor benannte Probleme – ganz gleich welcher Art – eine Lösung zu finden.

Startup Dock Campus Startup Dock mit Blick in eines der Startup-Büros.
© Startup Dock/Anne Gaertner

Angebote für Gründer kontinuierlich anpassen

Das eigene Angebot immer wieder kritisch hinterfragen, Meinungen der Nutzer einholen, neue Ideen entwickeln und bestehende Angebote verbessern: Qualitätssicherung spielt bei den Mitarbeitern von Startup Dock eine wichtige Rolle. Entscheidend dabei ist der permanente Austausch mit den Start-ups. „Wir fragen immer wieder, inwieweit ihnen die verschiedenen Angebote helfen. Wo hakt es? Was würden sie ändern? Unabhängig davon fallen uns natürlich auch selbst Verbesserungsmöglichkeiten auf. Als wir im März 2017 zum Beispiel in den Gründer-Campus eingezogen sind, hatte sich die Kultur der offenen Türen noch nicht so sehr durchgesetzt. Also haben wir ein monatliches Start-up-Breakfast eingeführt. Das heißt, einmal im Monat haben wir morgens Kaffee und Brezeln hingestellt und während des Frühstücks haben sich dann die Teams vorgestellt. Auf diese Weise sind sie ins Gespräch gekommen und die Türen endgültig aufgegangen“, freut sich Dr. Salzmann.

Attraktiv für Start-ups von außerhalb: Gründernetzwerk Hamburg

Worauf man bei Startup Dock besonders stolz ist: Das Gründerzentrum ist inzwischen auch über die Grenzen Hamburgs bekannt. Mittlerweile ziehen sogar Gründungsteams nach Hamburg, um hier ihr Unternehmen zu gründen - sicherlich nicht allein wegen des Startup Dock. Allerdings hat sich die Gründerberatung der TUHH in nur fünf Jahren zu einem wichtigen Player im Hamburger Gründungsnetzwerk entwickelt. Letzteres bietet Gründerinnen und Gründern eine ideale Infrastruktur, ist Dr. Christian Salzmann überzeugt. „Das Gründernetzwerk Hamburg bietet sehr gute Bedingungen für Gründerinnen und Gründer, um ihre Ideen weiterzuentwickeln und umzusetzen. jetlite ist so ein typisches Beispiel. Das Team hat ein Verfahren entwickelt, um die negativen Auswirkungen eines Jetlags durch Licht zu reduzieren. Weiterentwickelt hat das Team sein Konzept im Airbus BizLab Accelerator in Hamburg-Finkenwerder. Dabei wurden sie sowohl durch unser Programm als auch durch das BizLab unterstützt. Die jetlite-Leute sind Gründer, die hier in Hamburg die Möglichkeit sehen, sich weiterzuentwickeln, weil der Markt hier ist und weil es hier geeignete Förderprogramme gibt. Und natürlich auch, weil sie sich in Hamburg wohlfühlen.“

Dabei wächst das Hamburger Gründungsnetzwerk kontinuierlich weiter. Schon jetzt engagieren sich Business Angels, Hochschulen sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Helmholtz-Zentrum DESY sowie der Gründerservice der Stadt Hamburg in dem weit verzweigten Verbund. Der Aufbau der Forschungs- und Entwicklungsparks der Stadt Hamburg stärkt ebenfalls die Gründeraktivitäten. Durch den engen Austausch entstehen immer wieder neue Möglichkeiten, um Gründungen aus Hochschulen noch besser zu unterstützen. Immer neue Fäden werden gesponnen. So kooperiert Startup-Dock in dem Projekt beyourpilot mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaft Hamburg, der Universität Hamburg und dem Deutschen Elektronensynchronton (DESY), einem Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft, um forschungsbasierte Gründungen durch eine Onlineplattform weiter voranzutreiben. Das Projekt wird von der Wirtschaftsbehörde Hamburg finanziert.

Rückenwind durch gründungsaffine Hochschulleitung

Dass sich Startup Dock in nur fünf Jahren so erfolgreich entwickeln konnte und über die EXIST-Förderung hinaus zukünftig ein wichtiger Player im Gründungsnetzwerk bleiben wird, ist nicht zuletzt dem Präsidium der Hochschule zu verdanken. Während in den vergangenen Jahren Professor Garabed Antranikian für die richtige Weichenstellung gesorgt hat, hat die Gründungsunterstützung an der TUHH mit der Ernennung von Professor Ed Brinksma zum Präsidenten der TUHH nochmals einen Schub erlebt, ist Dr. Christian Salzmann überzeugt: „Professor Brinksma hat zuvor an der niederländischen Universität Twente das Thema Gründung vorangebracht. Insofern haben wir beste Voraussetzungen. Aber auch an den Lehrstühlen treffen wir auf offene Türen. Natürlich gibt es auch Lehrstühle, die beim Thema Gründung eher zurückhaltend sind. Aber dazu muss man wissen, dass es einfach unglaublich schwer ist, Doktoranden für den universitären Mittelbau zu gewinnen, weil viele, vor allem gute Absolventen von den Unternehmen sehr früh abgeworben werden. Und wenn wir dann auch noch kommen und sagen, wir möchten eure Doktoranden als Gründer haben, sind die Lehrstühle natürlich nicht gerade erfreut. Auch wenn gute Gründer nicht immer gute Doktoranden sind. Aber unter dem Strich treffen wir auf offene Ohren. Allen Beteiligten ist klar, dass es Jahre dauert, eine Gründerkultur an einer Hochschule zu etablieren. Wobei Forschung und Lehre immer das Kerngeschäft der Universität bleiben werden. Aber wenn wir es schaffen, Gründung als ernsthafte dritte Option neben der Karriere in Wissenschaft und Wirtschaft für Absolventen zu etablieren, ist das ein großer Erfolg.“

Startup Dock Workshop Teilnehmer beim Solution Workshop von Startup Dock
© Startup Dock/Anne Gaertner

Auf Kurs: akademische Gründungskultur

Die Weichen sind auf jeden Fall gestellt. An der TUHH kommt zum Beispiel jeder Studierende und jede Studierende mindestens einmal im Rahmen einer Pflichtveranstaltung mit dem Thema Gründung in Berührung. Dass EXIST dazu einen großen Beitrag geleistet hat, weiß Christian Salzmann zu schätzen: „Die Förderung als EXIST-Gründerhochschule hat einen großen Vorteil: Sie gibt einem die Möglichkeit auszuprobieren und Fehler zu machen. Das ist der große Vorteil von Geld. Dadurch konnten wir feststellen, was funktioniert und was nicht. Jetzt haben wir die Chance, unsere Aktivitäten, die sich im Sinne einer akademischen Gründungskultur bewährt haben, weiter auszubauen. Wir fallen nicht auf eine halbe Stelle zurück oder müssen etwa alles bisher Erreichte wieder herunterfahren. Im Gegenteil: Das Thema Gründung ist hier konsequent sowohl von der Hochschulleitung als auch von anderen Playern in Hamburg, aufgegriffen worden. Dadurch haben wir eine sehr gute Zukunft, und dafür hat EXIST einen ganz starken Impuls gegeben.“