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Otto-Friedrich-Universität Bamberg: Faktor5 – GründerLEBEN Bamberg

Mit rund 13.000 Studierenden gehört die Otto-Friedrich-Universität Bamberg zu den mittelgroßen Universitäten in Deutschland. Sie ist eine von insgesamt 142 Hochschulen und Universitäten, die sich mit ihrem Projektvorschlag bei EXIST-Potentiale durchgesetzt haben. Im Förderschwerpunkt „Potentiale heben“ konzentriert sich das Bamberger „Büro für Innovation und Gründung“ (BIG) nun intensiv auf den Ausbau gründungsfördernder Strukturen und zielgruppenspezifischer Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote.

Uni Bamberg Campus Otto-Friedrich-Universität Bamberg
© Universität Bamberg/ Jürgen Schnabel


Dass die sehr gute interne und externe Vernetzung zu den Stärken der Universität Bamberg gehört, davon ist Dr. Henriette Neef überzeugt. „Wir konnten zum Beispiel in den vergangenen Jahren ein umfassendes Netzwerk mit den wichtigsten gründungsorientierten Partnern in der Region Oberfranken aufbauen“, sagt die Beauftragte für Wissenstransfer und Existenzgründung.

Doch trotz der erfolgreichen Entwicklung besteht nach wie vor Handlungsbedarf. Die institutionellen Rahmenbedingungen und die universitätseigene Gründungsförderung sollen optimiert bzw. erweitert werden. Dr. Henriette Neef und ihr fünfköpfiges BIG-Team sind davon überzeugt, dass sich die Investition lohnt: „Seit 2017 dokumentieren wir, wie unser Angebot nachgefragt und angenommen wird. Dabei haben wir pro Studienjahr Kontakt zu etwa 100 bis 120 Gründungsinteressierten. Die kommen entweder zu den Veranstaltungen oder zu den Erstgesprächen. Daraus entstehen dann etwa 30 bis 40 intensivere Beratungsgespräche.“ Das Potential ist jedoch sehr viel höher. Die vier Bamberger Fakultäten bieten einen guten Nährboden für weitaus mehr Gründungsideen. „Insbesondere unsere interdisziplinären Forschungsprofilschwerpunkte zu Themen wie Erschließung und Erhalt von Kulturgut, Digitale Sozial- und Geisteswissenschaften oder Bildung und Arbeit ermöglichen eine ganze Reihe innovativer Geschäftsideen. Neben Ausgründungen aus der Wissenschaft, die wir künftig noch stärker forcieren wollen, interessieren sich unsere Studierenden aber auch für Social und Cultural Entrepreneurship sowie für freiberufliche Karriereoptionen.“

Ziel: 5 x mehr Gründungen

Mit dem EXIST-Projekt „Faktor5 – GründerLEBEN Bamberg“ erhält der Bamberger Gründergeist nun seit dem letzten Jahr jede Menge Rückenwind. „Faktor5 steht für fünf zentrale Handlungsfelder sowie für fünf Potentialbereiche. Darüber hinaus wollen wir den Umfang und die Ergebnisse der universitären Gründungsförderung langfristig mindestens verfünffachen. So werden wir unter anderem daran arbeiten, die Zahl der Studiengänge mit Gründungsveranstaltungen zu erhöhen und den Umfang der jährlichen Sensibilisierungs- und Motivierungsaktivitäten zu steigern. Außerdem möchten wir dazu beitragen, dass jährlich mehr Anträge für EXIST-Gründerstipendien eingereicht werden. Und natürlich ist es unser großes Ziel, mit unserem Engagement mehr Gründungen pro Jahr auf den Weg zu bringen“, so Dr. Henriette Neef, die das EXIST-Projekt an der Hochschule leitet. Die fünf Handlungsfelder geben dabei die Marschroute vor.

GründerUNIVERSITÄT aufbauen

Das erste Handlungsfeld sorgt dafür, dass Gründungsinteressierte künftig verstärkt von nachhaltigen und gründungsfreundlichen Rahmenbedingungen, Strukturen und Services profitieren. Um den Zugang zu Ansprechpersonen, Informationen und Unterstützung zu vereinfachen, setzt sich das Bamberger Gründungsteam nachdrücklich für einen Abbau administrativer Hürden ein und regt Optimierungsprozesse innerhalb der Verwaltung an. „Es ist uns sehr wichtig, die bestmöglichen Voraussetzungen für den Gründungsprozess zu schaffen“, betont Dr. Neef. „Mit der Integration gründungsbezogener Lehrveranstaltungen in die universitären Curricula und einem Zertifikat ‚Unternehmensgründung‘, das die regelmäßige Teilnahme an unseren Workshops bestätigt, möchten wir zum Beispiel ein dauerhaftes, leicht dokumentierbares Weiterbildungsangebot an der Universität verankern“, führt sie weiter aus. Maßnahmen wie ein Gründungsfreisemester und Angebote zur Kinderbetreuung runden, gepaart mit einer Open-Door-Policy des Gründungsbüros, die engagierte Agenda ab.

GründerRAUM anbieten

Dank einer Kooperation mit der Universitätsbibliothek werden Co-Working-Räume an allen Fakultätsstandorten eingerichtet, sodass das Thema Existenzgründung in allen Fachbereichen besser sichtbar wird. Darüber hinaus wird den Bamberger GründerInnen und Gründungsinteressierten ein Innovationslabor zur Verfügung stehen, das ein ideales Umfeld für kreative Denk- und Arbeitsprozesse bietet. Die Universitätsbibliothek wird damit gezielt team- und projektorientierte Lehr- und Lernorte schaffen.

GründerGEIST wecken

Ziel dieses Handlungsfeldes ist es, den Gründergeist in allen Fachbereichen zu wecken und möglichst viele Studierendende, Promovierende sowie WissenschaftlerInnen für das Thema Existenzgründung zu begeistern. Das Bamberger Büro für Innovation und Gründung (BIG) setzt sich dafür ein, innovativ-kreatives Denken anzustoßen und unternehmerisches Handeln im Sinne einer Lebenseinstellung zu fördern. Der Schwerpunkt liegt auf einem dauerhaften und breit aufgestellten Angebot an Aktivitäten in den Bereichen Sensibilisierung und Qualifizierung, das neben Workshops und Gastvorträgen auch niederschwellige Austauschformate wie Cafés und Stammtische für GründerInnen und Gründungsinteressierte umfasst.

GründerVIELFALT fördern

Hier steht die zielgruppenorientierte Förderung im Vordergrund. Dr. Michael Schleinkofer, Leiter des Dezernats für Forschungsförderung und Transfer und Projektleiter von Faktor5: „Wir sind eine sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlich ausgerichtete Universität. Naturwissenschaftlich und technisch orientierte Fächer mit großem Anwendungsbezug gehören nicht zu unserem Spektrum. Langfristig möchten wir daher verstärkt an Strukturen arbeiten, die zielgruppenspezifischer ausgerichtet sind und an den verschiedenen Fächerkulturen und Gründungsmotivationen ansetzen.“ Dazu wurden Potentialbereiche entwickelt, die sich auf fünf Zielgruppen konzentrieren. Der Potentialbereich DIGITAL Entrepreneurship soll zum Beispiel die angewandte Informatik mit den Kultur- und Geisteswissenschaften verknüpfen. Hier sieht Dr. Henriette Neef das größte Gründungspotential: „In den breit aufgestellten Wirtschaftswissenschaften, den Sozial-, Geistes- und Kulturwissenschaften mit ihrer hohen Reflexions- und Gestaltungskompetenz, in Fächern wie den Denkmaltechnologie, den Kommunikationswissenschaften, der Psychologie und der Pädagogik finden sich ideale IdeengeberInnen und MatchingpartnerInnen für digitale Gründungen“.

Eng damit verbunden ist auch der Potentialbereich WOMEN Entrepreneurship. Der Grund: Die Universität Bamberg wurde als erste im deutschsprachigen Raum im Jahr 2018 mit dem „Minerva Informatics Equality Award“ ausgezeichnet – der bedeutendsten europäischen Auszeichnung für Frauenförderung in der Informatik. Da ist es kein Wunder, dass in der Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik der Studentinnenanteil durch gezielte Nachwuchsförderung mit über 30 Prozent außergewöhnlich hoch ist. Aber nicht nur dort, auch an allen anderen Fakultäten soll „Female Entrepreneurship“ zu einem nachhaltigen Schwerpunktthema ausgebaut werden. Das Potential an vielversprechenden Gründerinnen ist jedenfalls vorhanden, schließlich liegt der Frauenanteil unter den Studierenden insgesamt bei beachtlichen 60 Prozent. Darüber hinaus ist ein Drittel aller Professuren mit Frauen besetzt. Damit weist die Universität Bamberg die höchste Professorinnenquote aller bayerischen Hochschulen auf. Durch den Aufbau eines Sensibilisierungs- und Beratungsangebots, das explizit Fragen und Bedürfnisse von Gründerinnen aufgreift, sollen daher zukünftig mehr Frauen ermutigt und motiviert werden, den Schritt ins Unternehmertum zu wagen.

Ein großes Gründungspotential sieht das Bamberger Büro für Innovation und Gründung (BIG) auch im Bereich SOCIAL Entrepreneurship. Soziale Innovationen sollen vor allem durch die Verknüpfung technischen und unternehmerischen Denkens mit der hohen Reflexions- und Gestaltungskompetenz aus den Geistes-, Human- und Sozialwissenschaften entstehen. Dr. Neef: „Durch ein zielgruppenspezifisches Qualifizierungsangebot und Beratungen zu alternativen Geschäftsmodellen und Rechtsformen wollen wir Geschäftsideen fördern, die gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen marktwirtschaftlich lösen.“ Ähnliches ist auch für den Bereich CULTURAL Entrepreneurship vorgesehen, der sich an dem geistes- und kulturwissenschaftlichen Profil der Universität Bamberg orientiert. Die hier geplanten Maßnahmen tragen dem Umstand Rechnung, dass zahlreiche Absolventinnen und Absolventen aus den Philologien oder der Pädagogik, aber auch aus den Denkmal- und Kommunikationswissenschaften als selbstständige Kreativ- und Kulturschaffende tätig sind.
Den Gründergeist an Schulen tragen: Diese Rolle sollen zukünftig Lehramtsabsolventinnen und -absolventen übernehmen. Die Universität verspricht sich davon auf lange Sicht mehr gründungsaffine StudienanfängerInnen. „Unser Ziel ist es, im Rahmen des Potentialbereichs Entrepreneurship in EDUCATION Lehrveranstaltungsformate zu entwickeln, die Lehramtsstudierende motivieren und qualifizieren, zukünftig als MultiplikatorInnen von unternehmerischem Denken an Schulen zu wirken“, so Dr. Henriette Neef.

GründerERFOLGE realisieren

Alles in allem ist es das Ziel der Universität Bamberg, wissensbasierte Gründungsvorhaben durch ein proaktives Forschungs- und Ideenscouting zu steigern sowie die Entwicklung und Umsetzung von Geschäftsideen in einem größeren Umfang als bisher beratend zu begleiten. Die Türen des Bamberger Gründungsberaters stehen dabei allen Universitätsmitgliedern offen, aber auch Alumni, deren Abschluss maximal fünf Jahre zurückliegt, sind herzlich eingeladen, das Angebot wahrzunehmen.
Zusätzlich soll ein Inkubator-Programm die Innovationskraft der Ideen durch das Matching von Wissen, Technologie und Kompetenz in schlagkräftigen Gründungsteams maximieren. Das Thema Vernetzung liegt Dr. Henriette Neef dabei besonders am Herzen: „Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Denn bisher kommen überwiegend Einzelpersonen zu uns. Wir möchten daher einen Ort etablieren, wo sich Gründungsinteressierte kennenlernen, vernetzen und gemeinsam Ideen entwickeln können. Warum sollen zum Beispiel die vielen Gründungsinteressierten aus den Kultur- und Geisteswissenschaften nicht gemeinsam mit unseren InformatikerInnen neue Geschäftsmodelle austüfteln? Da gibt es doch jede Menge Möglichkeiten.“

Stand: Oktober 2020