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Interesse an EXIST-Potentiale größer als erwartet

196 Hochschulen! Mit einem so großen Interesse hatte man im Bundeswirtschaftsministerium nicht gerechnet. Fast die Hälfte aller Hochschulen in Deutschland haben sich Anfang des Jahres 2019 für das neue Förderprogramm EXIST-Potentiale beworben. Für sie läuft seit März die Konzeptphase - Ende August müssen die Projektanträge fertig sein.

Teil der Weltkarte auf Bildschirm © iStock/thinkstock monsitj

Es ist eine rundherum gute Nachricht, dass unter den Bewerbern viele kleinere staatliche und private Hochschulen sind, die bisher noch keine EXIST-Förderung erhalten haben. Sie wollen die Chance nutzen, sich mit Hilfe von EXIST-Potentiale beim Thema Entrepreneurship besser aufzustellen. Darunter befinden sich neben den technisch und naturwissenschaftlich orientierten Hochschulen, auch eine Reihe von Kunsthochschulen, wie die Kunsthochschule Berlin-Weißensee, die Muthesius Kunsthochschule in Kiel oder auch die Hochschule für Musik und Theater München. Gespannt ist man beim Projektträger Jülich auch auf das Konzept der SRH FernHochschule Riedlingen, die die Qualifizierung ihrer gründungsinteressierten Studierenden und Absolventen online vorantreiben möchte.

Während etwa ein Drittel der Hochschulen zum ersten Mal Mittel aus dem EXIST-Programm beantragen, handelt es sich bei ungefähr zwei Drittel der Bewerber um langjährige Partner der EXIST-Community. Sie haben bereits in der Vergangenheit mit Unterstützung von EXIST-Gründungskultur gründungsunterstützende Strukturen aufgebaut und Maßnahmen der Sensibilisierung und Qualifizierung auf dem Campus umgesetzt und wollen nun mit EXIST-Potentiale das Thema Entrepreneurship weiter ausbauen und fest verankern.

Startup Dock Workshop Teilnehmer beim Solution Workshop von Startup Dock in Hamburg
© Startup Dock/Anne Gaertner

Das große Interesse an EXIST-Potentiale ist dabei nicht nur darauf zurückzuführen, dass immer mehr Studierende in die Start-up-Szene eintauchen möchten. Eine wichtige Rolle spielen auch die Bundesländer, die in ihren Zielvereinbarungen mit den Hochschulen immer häufiger die Förderung von Existenzgründungen ansteuern: durch Wissens- und Innovationstransfer. Eine Forderung, die auch von Teilen der Professorenschaft sowie der regionalen Wirtschaft unterstützt wird.

Start der Konzeptphase

Nach Abschluss der Bewerbungsphase ging es im März für die Hochschulen an die Arbeit. Von den 196 Bewerbern wurden 192 aufgefordert bis Ende August ein Konzept für eine vierjährige Projektphase auszuarbeiten. Es soll zeigen, wie sich Qualität und Quantität von Ausgründungen an der jeweiligen Hochschule verbessern bzw. steigern lassen. 100.000 Euro stehen während der Konzeptphase jeder Hochschule zur Verfügung. Der Zuschuss dient dazu, bei Bedarf zusätzliches Personal und externen Sachverstand zu finanzieren.

TU-Dresden-Hoersaal Gründerfoyer 2017 des Gründungsnetzwerks dresden exists mit André Schwämmlein, Gründer von Flixbus
© dresden-exists/Robert Gebler

Im November entscheidet dann eine unabhängige Experten-Jury darüber, welche der eingereichten Konzepte in der vierjährigen Projektphase ab Januar 2020 in die Praxis umgesetzt werden können. Die Hochschulen sollen sich dabei für einen von drei inhaltlichen Schwerpunkten entscheiden.

Dazu gehört erstens der Punkt „Potentiale heben“. Hierbei sollen laut Förderrichtlinie Good-Practice Beispiele der EXIST-Gründerhochschulen in die Breite getragen werden, um insbesondere kleinen und mittleren Hochschulen dabei zu helfen, gründungsfördernde Strukturen aufzubauen. Ziel ist es, das bislang unzureichend erschlossene Gründungspotential zu heben und die Gründungsunterstützung zu professionalisieren. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Beispielen der Gründungsförderung, die sich an vielen der bereits EXIST-geförderten Hochschulen bewährt haben und den Newcomern als Vorbild dienen können. Deshalb sind die erfahrenen Hochschulen aus dem EXIST-Gründungsnetzwerk dazu aufgefordert eine Art Tandem mit den Newcomern zu bilden. Beispiel dafür ist die Hochschule Emden/Leer, die sich mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zusammengeschlossen hat, um von deren Erfahrungen in puncto Gründungsförderung zu lernen.

HdM Gebäude außen Campus der Hochschule der Medien in Stuttgart
© Kim Kunze/Hochschule der Medien

Der zweite Schwerpunkt lautet „Regional vernetzen“: Dabei soll die Zusammenarbeit zwischen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen mit regionalen sowie überregionalen Partnern in der Wirtschaft, mit Finanzierungspartnern und weiteren Gründungsakteuren ausgebaut werden, um Hightech-Gründungen sowie eine nachhaltige Gründungskultur zu stärken. Die Hamburger Hochschulen zeigen bereits wie das geht, denn sie haben in Zusammenarbeit mit der Universität Lüneburg ein erstes Konzept für einen regionalen Verbund erstellt.

Und auch beim dritten Schwerpunkt „International überzeugen“ geht es um die interessanten und kreativen Ansätze der Hochschulen, damit Deutschland im Bereich wissenschaftsbasierten Gründungen zum „global player“ avancieren kann. Dies ist allerdings nur möglich, wenn geeignete Gründungsteams frühzeitig auf den Markteintritt in internationale Märkte vorbereitet und für eine internationale Teamzusammensetzung sensibilisiert werden. Hinzu kommen Maßnahmen, die die Vernetzung und Kooperationen der Hochschule mit gründungsaffinen Hochschulen im Ausland fördern. Eine Reihe der Bewerber können dabei an zum Teil langjährige Kontakte zu Hochschulen in den USA, China, Südafrika, Äthiopien oder Chile anknüpfen.

EXIST-Potentiale: Thema beim EXIST-Workshop

Um EXIST-Potentiale ging es auch bei dem halbjährlichen EXIST-Workshop, der vom 07. bis 08. Mai 2019 im Start-up Incubator der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) stattfand. Mit rund 360 Teilnehmern aus 200 Hochschulen verzeichnete er eine neue Rekordzahl an Teilnehmern. Mit dabei waren nicht nur die Hochschulen, die sich für EXIST-Potentiale beworben haben, sondern auch alle EXIST-Gründerhochschulen. Technisch, kommunikativ, interaktiv – damit lässt sich der interdisziplinäre Austausch und Charakter der Veranstaltung am umfassendsten beschreiben. Beste Voraussetzungen also, um die Hochschulkarriere des Gründergeists voranzutreiben.

37. EXIST-Workshop 37. EXIST-Workshop im Startup Incubator der HWR Berlin
© Matthias Grytzka/ Startup Incubator Berlin

Eröffnet wurde der Workshop von Karina Rigby, Siemens AG, und dem Präsidenten der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Prof. Dr. Andreas Zaby. Im Anschluss referierte Oliver Hunke, Referatsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über den Stand der Fördermaßnahmen EXIST-Potentiale und ging dabei auf die Perspektiven für die deutschen Hochschulen ein. Am zweiten Tag ging es zu den drei Förderschwerpunkten „Potentiale heben“, „Regional vernetzen“ und „International überzeugen“ in die Tiefe. Im Zentrum der Veranstaltung standen damit die Projektphase EXIST-Potentiale, um allen Hochschulen die nötigen Informationen und Anregungen für die zweite Hälfte ihrer Konzeptphase an die Hand zu geben.

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